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LIBRARY
OP THE
University of California.
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336 "
I- H
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BERLINER BEITRÄGE
ZUR
GERMANISCHEN UNI) ROMANISCHEN PHILOLOGIE
VERÖFFENTLICHT VON DR. EMIL EBERING.
TL
f
ROMANISCHE ABTEILUNG No. 1.
Guiraut von Bornelh,
der Meister der Trobadors.
1. Die drei Tenzonen nach sämtlichen Handschriften,
2. Drei bisher unbekannte, ihm zugesehriebene Gedichte
herausgegeben
von
Dr. Adolf Kolsen.
BERLIN
C. Vogts Verlag
1894.
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C. Vogts Buchdruckerei, Berlin, Linkstrasse 16.
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Herrn Professor Dr. Adolf Tobler
in dankbarer Verehrung
gewidmet.
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Vorbemerkung.
Drei von den der Bluteperiode der altprovenzalischen
Poesie angehörenden Trobadors zeichnet Dante in seiner Schrift
„De vulg. el.“ 2,2 durch besondere Erwähnung aus: Bertran
von Born, den Dichter der „Waffen“, Arnaut Daniel, den
Sänger der „Liebe“, und Guiraut von Bornelh, den Lob¬
redner der „Rechtschaffenheit.“ Sie, die sämtlich aus der¬
selben Gegend, dem Bistum Perigord, dem heutigen däparte-
ment de la Dordogne, stammten und um dieselbe Zeit, zu¬
meist im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts, dichteten,
gelten noch heute bei den Kennern als die bedeutendsten
unter ihren Kunstgenossen; es ist ihnen aber nicht allen
die gleiche Aufmerksamkeit zu teil geworden. Bertrans
Werke sind, soweit wir sie in einer Anzahl Handschriften
Uberkommen haben, bereits dreimal textkritisch herausge¬
geben worden, nämlich 1879 und 1892 in Halle von Stimming,
sowie 1888 in Toulouse von Thomas, die Dichtungen Arnauts
hat Canello 1883 in Halle ediert, und eine neue Ausgabe
derselben wird meines Wissens von Chabaneau fUr die
Biblioth&que meridionale vorbereitet; was hingegen den poe¬
tischen Nachlass Guirauts anbetrifft, so sind zwar die in
Bartschs „Grundriss“ unter Nr. 242 (S. 147—150) nach
ihren Anfängen verzeichneten Lieder jetzt sämtlich nach je
einer Handschrift oder auch nach mehreren an verschiedetaen
1 Grundriss zur Geschichte der provenzalischen Literatur von Earl
Bartsch, Elberfeld 1872. — Diesem Buche werde ich bei Benennung der
Handschriften und Gedichte folgen.
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Stellen abgedruckt; einer kritischen auf dem gesamten gegen¬
wärtig zugänglichen handschriftlichen Material beruhenden
Bearbeitung derselben hat sich aber noch immer niemand
unterzogen. Dies muss um so mehr befremden, als doch
gerade Guiraut, der den Ehrgeiz besass, die andern in der
Dichtkunst zu Überflügeln, 1 und der selbst von seinen Liedern
nicht wenig eingenommen war, * auch wirklich von je her
fast allgemein für den allervorzüglichsten unter den prov.
Minnesängern angesehen wurde. Er war zufolge den am
Ende des 13. Jahrhunderts verfassten prov. Lebensnach¬
richten* „der beste Trobador unter allen, die vor ihm
lebten und nach ihm kamen; deswegen nannten ihn den
Meister der Trobadors und nennen ihn noch so 4 alle diejenigen,
welche sinnreiche, mit Liebe und Weisheit geschmückte
Aussprüche verstehen“; der Biograph des Peire von Alvernhe
erwähnt, dass Guiraut dem Peire die Krone des Gesanges
abgerungen habe, und mehrere Veranstalter von Lieder¬
sammlungen räumten Guirauts Gedichten in denselben den
ersten Platz ein. In neuerer Zeit behauptet Fauriel, Hist.
2,41: „Quant k Giraud de Borneil, c’est incontestablement,
selon moi, malgrd ses döfauts, le plus distingu6 des trouba-
dours, celui qui a le plus ennobli le ton de la po£sie pro-
venqale, qui en a le plus id£alis6 le caractfere,“ und Chabaneau
hebt Rdlr. 35,383 „la dignitä de sa vie, l’616vation de ses
sentiments et la perfection de son art“ hervor und erachtet ihn
für würdig, „Meister“ genannt zu werden, trotzdem Dante, 6
1 49 IV. Per que deu esser mos chans Sobre'ls autres trobadors Per
vos, domna , qu'ai amada , B. Lb. 66,30.
2 62 III. a mas bonos chanzos S'ataing ries gnzerdos , Arch.
33, 294, 44.
8 s. Diez, L. u. W. (nach der 1. Aufl. citiert), S. 129.
* 4 Auch Bernart Amoros nennt Guiraut von Bornelh w lo maestre u ;
s. Jb. 11,12.
6 Fast allgemein wird heute Dantes und Petrarcas diesbezfigliche
Ansicht missbilligt; vgl. darüber Scartazzinis Anm. in seiner Ausg. von
Dantes „Div. comm.“ 2, 540—542.
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Purg. 26, 118—120 und Petrarca, Trionfo d’Amore 4,40—42
Arnaut Daniel Uber Guiraut gestellt habe.
Guirauts Werke sind noch immer nicht ediert, obgleich
man in den letzten Decennien nicht nur, wie gesagt, Bertrans
und Arnauts Werke, sondern auch die mancher minder¬
wertiger Trobadors durch zeitgemässe Ausgaben wieder
lesbar gemacht hat. 1 Bei solchem Stande der Dinge könnten
Guirauts eigene Worte, die ursprünglich seiner Geliebten
galten: 70 VI Per qem par necietatz Q’ieu chant, si no m'en
uenia Ouizerdos o gratz; Per o, si lh plazia C’apellesper cor-
tesia Sieus mos cans desamparatz, Aut los m’auria leuatz
Arch. 38,382 b heute auch uns eine Mahnung sein, dem
vernachlässigten Verdienste wieder einmal zu seinem Rechte
zu verhelfen. Jedenfalls wird man den Wunsch nicht un¬
berechtigt finden, nunmehr auch die Dichtungen des Guiraut
von Bornelh in einer dem Original nach Möglichkeit nahe¬
kommenden Form wiederhergestellt zu sehen und für sie
die von ihrem Verfasser 4 selbst so sehr ersehnte Verbreitung
aufs neue anzustreben.
Allerdings dürfte, wer Guirauts Gedichte zu edieren
unternimmt, bei Ausführung dieser Aufgabe nicht geringe
Schwierigkeiten zu bewältigen haben; sagt doch schon der
auvergnatische Geistliche Bernart Amoros, der im 13. Jh.,
also nicht lange nach Guiraut, lebte, „que truep volgra esser
prims e sutils hom qi o pogues tot entendre, specialmen de
1 Ein Verzeichnis der von 1848—1892 veranstalteten Sonderaus¬
gaben giebt Stimmin'g, Prov. Litt, (in Oröbers Grundriss II b), S. 15
Anm. — Gegenwärtig werden, wie ich höre, des Aimeric von Pegulhan
Gedichte durch Naetebus textkritisch bearbeitet, Bonifaci Calvo soll von
Pelaez, Raimbaut von Vaqueiras von Crescini und Sordel von de Lollis
ediert werden.
2 Vgl. II 25—28. (Die voranstehenden röm. Zahlen bezeichnen die
hier edierten Gedichte, während dio nachstehenden die Strophen angeben;
die voranstehenden arab. Zahlen stimmen mit den Gedichtnummern in
Bartschs Grundriss unter Nr. 242 überein, die nachstehenden deuten die
Verse an.)
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las charnos d'en Oiraut de Bomeil“ Jb. 11, 12; Fauriel, Hist.
2,85 nennt Guiraut „celui des troubadours qui est habitu-
ellement le plus 61ev6 et le plus difficile ä comprendre“ und
2,186 '„le plus difficilo & traduire,“ und auch Chabaneau
Rdlr. 27,159 spricht von den passages „peu clairs ou möme
fort obscurs,“ die besonders in den Gedichten des Guiraut
von Bornelh begegneten. Wer sich nun darüber wundem
oder es gar als eine Vermessenheit auslegen sollte, dass ich,
ohne die von Amoros gehegte Furcht qu'ieu non pejures
l'obra zu teilen, mich anheischig mache, eine Herausgabe
der Werke des Guiraut in Angriff zu nehmen, dem möchte
ich mir zu bemerken erlauben, dass der hier gemachte An¬
fang doch verhältnismässig recht unbedeutend ist, und dass
erst ein etwaiges Gelingen dieses kleinen Versuches mich
zur Fortsetzung des Unternehmens veranlassen könnte.
Jedoch hoffe ich, dass schon diese Arbeit keine ganz ver¬
gebliche gewesen sein wird, selbst wenn sie nur ein weniges
zur Kenntnis des Dichters beigetragen und für ihn und seine
Werke einiges Interesse erweckt haben sollte.
Die Anregung zu dieser Schrift ging von Herrn Prof.
A. Tobler aus, welcher im Sommer-Semester 1891 seine Schüler
wiederholentlich auf die Werke des Guiraut von Bornelh hin¬
wies und mir, als ich im Herbst desselben Jahres in das
Berliner Romanische Seminar einzutreten wünschte, das
Gedicht „Svus quer coselh, bei' ami' Alamanda“ nach den
sechs zur Zeit im Drucke vorhanden gewesenen Versionen
textkritisch zu bearbeiten auftrug. Schon bei der An¬
fertigung dieser Probearbeit gewann ich den Dichter lieb;
ich suchte, soweit der dermalige Zustand der Texte und
meine Kenntnis der Sprache dies gestatteten, auch in die
übrigen Dichtungen Guirauts einzudringen, und beschloss,
zunächst jene Tenzone, nunmehr nach sämtlichen bekannten
Handschriften, zugleich mit den übrigen der nämlichen
Gattung angehörigen Gedichten, in welchen Guiraut als
Unterredner auftritt, herauszugeben. Als ich aber von den-
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jenigen in dem prov. Codex von Saragossa enthaltenen,
Guiraut zugeschriebenen Liedern, welche Mild y Fontanals
Rdlr. 10, 229/30 augenscheinlich mit Liedern aus Bartschs
Grundriss nicht hatte identificieren können, Abschriften
erhielt und zu meiner Freude sah, dass drei derselben in
der That incognita seien, hielt ich es für angebracht, diese
zugleich mit den Streitgedichten der Oeffentlichkeit zu über¬
geben. Dem Besitzer jener Handschrift, dem Herrn Prof.
Pablo Gil y Gil, Dekan der philosophischen Fakultät zu
Saragossa, fühle ich mich für die grosse Zuvorkommenheit,
mit der er mir die Benutzung der betreffenden Stücke er¬
möglicht hat, zu grossem Danke verpflichtet. 1 Von den
sonstigen Manuskripten konnte ich N 2 , den aus Chelten-
ham in den Besitz der Berliner Kgl. Bibliothek Uberge¬
gangenen „Codex Phillippicus No. 1910,“ persönlich ein-
sehen; was die noch ungedruckten Texte aus den in
Cheltenham, Florenz, Mailand, Modena und Paris befind¬
lichen Handschriften betrifft, so sah ich mich auf die Be¬
nutzung von Kopiecn angewiesen, die mir von verschiedenen
Seiten bereitwilligst zugestellt wurden. Herr Prof. Appel
in Breslau sandte mir 242, 14 D und 69 DR, Herr Michel
Deprez, Conservateur du d6partement des manuscripts an
der Pariser Bibi. Xat., —22 und 69 K, Rev. T. Fitz Roy
Fenwick in Cheltenham —69 N (=Codex Phillippicus 8335),
Herr Dr. C. Frati in Modena —22 D, Herr Dr. S.
Morpurgo in Florenz —22 Q, 69 Qa, sowie andere hier
noch nicht zur Verwendung gelangte Texte und Herr Prof.
1 Bisher bietet nur die Diss. von M. Kleinert, Vier ungedruckte
Pastorellen des Serveri von Gerona, Halle 1890, Texte aus dieser Hds.
Wie Canello, A. Daniel S. 84, nenne ich den Codex nach seiner gegen¬
wärtigen Heimat „S r M , Chab., H. L. 10, 209 bezeichnete ihn mit „Gil,“
Crescini, Per gli studi romanzi, Padova 1892, S. 46, Anm. 4 mit „h,“
doch wird letztere Bezeichnung auch für die Hds. Phillips 1910 ver¬
wendet, für die ich zur Vermeidung von Irrtümern die gleichfalls durch
Canello in Aufnahme gekommene Benennung N 2 beibehalte.
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Pio ßajna in Florenz (infolge gütiger Vermittlung des
Herrn Antonio Ceriani, Prefetto della Bibliotcca Ambrosiana
in Mailand) — 69 G. Allen diesen Herren bin ich für die
mir mit so grosser Liebenswürdigkeit geleistete Hilfe herz¬
lich verbunden.
Schliesslich drängt es mich, auch an dieser Stelle
meinem hochverehrten Lehrer, dem Herrn Prof. Adolf
Tobler für das mir fortgesetzt bewiesene freundliche Wohl¬
wollen, sowie für die gütige Förderung, die Er dieser
Arbeit hat zu teil werden lassen, meinen herzinnigen Dank
auszusprechen.
Einleitendes.
Zur Biographie des Guiraut von Bornelh.
Ausser den in Bartschs Grundriss S. 62 angeführten
prov. Hdss. ABEIKfia enthalten auch die uns inzwischen
bekannt gewordenen N 2 (in Berlin) und S‘ (in Saragossa)
die Biographie des Guiraut von Bornelh, welche nach
einzelnen Hdss. in Raynouards Choix 5, 166, im Parnasse
Occitanien S. 123, in Mahns Werken 1, 184, in Brinckmeiers
Blumenlese (Halle 1849) S. 74, bei Devic et Vaissete,
Histoire de Languedoc 10, 222 in der, unter dem Titel
„Biographies des troubadours“ auch separat erschienenen,
von Chabaneau verfassten Note 38, nach A in den Studj di
fil. rom. 3,8 von Pakscher und nach B eb. S. 673
von C. de Lollis, sowie in Mahns Biographieen 1 S. 1
( 2 S. 13) abgedruckt ist. Wiedergegeben ist sie auch
von B. Varchi im Ercolano ed. P. dal Rio, Firenze
1846, S. 232, von Brinckmeier, die prov. Troub. (Halle 1844)
S. 163 und die prov. Troub. als lyr. und polit. Dichter
(Göttingen 1882) S. 61, von Balaguer im 3. Bde. der
Historia de los trovadores, von Canello, Am. Daniel,
S. 38—9, von Giovanni Galvani im Novellino provenzale
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(Scelta di curiositä letterarie No. 107) S. 12 und von Mary
Lafon, Hist. litt, du midi de la France, Paris 1882, S. 94.
Ausführlichere razos zu einigen Gedichten Guirauts
stehen nicht nur, wie man bisher annahm (cf. Rdlr. 19,275),
in N*, sondern auch in S* fol. 60 ff. und zwar in ange¬
messenerer Reihenfolge. Den bei Chabaneau, H. L. 10,
222—3 abgedruckten Erläuterungen
1 2 3 4 5 6 entsprechen
in N® 3 4 2 6 5 1 und
in S f 1 3 4 2 5 6.
Ueber Guiraut von Bornelh ist bisher an folgenden
Stellen gehandelt worden: Nostradamus, Vies des plus
c61£bres et anciens po&tes provensaux S. 145, wozu
Crescimbeni, Istoria della volgar poesia 2, 98 u. 226,
Chasteuil, Rdlr. 28, 76 und Bartsch, Jb. 13, 49 zu ver¬
gleichen wären, Bastero, Crusca provenzale S. 84, Millot,
Hist. litt, des troub. 2, 1, Emeric-David in der Hist. litt,
de la France 17, 447, Fauriel, Hist. 2, 40. 85. 115. 126.
186, Diez, L. u. W. 1 S. 129 (*S. 110) und Restori, Lette-
ratura provenzale, Milano 1891 (Manuali Hoepli CV), S. 66.
Von den Lebensverhältnissen des Dichters eine mög¬
lichst erschöpfende Darstellung im Zusammenhang zu geben,
dürfte erst nach Rekonstruierung aller seiner Gedichte
möglich sein. Da jedoch Guiraut schon in den wenigen
hier vorliegenden Texten sich als Mensch, Liebhaber,
Freund und Dichter offenbart, so wird vielleicht, was die
Besprechung derselben zugleich mit den aus anderen Ge¬
dichten herangezogenen Stellen zur Biographie ergeben
wird, bereits hinreichen, um das Bild des Dichters we¬
nigstens annähernd gewinnen zu lassen.
Guirauts poetischer Nachlass.
Bartsch zählt im Grundriss unter No. 242, Guiraut
von Bornelh, 81 Nummern aul. Von diesen ist 21 identisch
mit 20, die auch anderen Trobadors zugeschriebenen Ge¬
dichte 3, 7 und 81 gehören, wie Gröber in den Rom.
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Studien 2, .698 Anm., 663 und 599 zeigt, Guiraut von
Bornelh, 50 ist nach ihm (eb. S. 448) „auf alle Fälle Peire
Vidal zu überweisen,“ für den auch nach O. Schultz „die
Briefe des Trobadors R. de Vaqueiras an Bonifaz I.“ Halle
1893, S. 127, historische Gründe mehr sprechen. Betreffs
der Sirventese 38 und 52 (= 16 und 15 der Hds. P)
möchte ich den durch ihre Stellung in der Hds. hervorge¬
rufenen Bedenken Gröbere (S. 448) noch solche sachlicher
Art hinzufügen. Von Beziehungen Guirauts zu Moruello(I.)
und dem Markgrafen (Bonifaz I.) von Monferrat ist uns sonst
nichts bekannt; ausserdem würde Guiraut wohl kaum, wie
das der Verfasser von 38 in der 2. Tornada thut, irgend
jemand um eine Gabe angebettelt noch, wie das bei 52,
das mit dem ihm unzweifelhaft gehörigen 51 in Veremass
und Reimendungen Ubereinstimmt, der Fall wäre, sich
einer und derselben Melodie zweimal 1 bedient haben. End¬
lich dürfte der unter 61 verzeichnete Descort, welcher in
CR* S* dem Guiraut, in R® aber dem Guilhem Augier
attribuiert ist, eher Guilhem als Guiraut zuzusprechen sein,
und zwar aus folgenden Gründen:
1) Die gegen das Ende des Gedichtes genannte
marqueza de Menerba, wahrscheinlich identisch mit der von
R. von Miraval einmal erwähnten Markgräfin von Minerve.
in welcher Diez, L. u. W. 383 u. Anm., die Gattin des in
einer Urkunde vom Jahre 1201 vorkommenden Vizgrafen
Esquiu de Menerba, Chabaneau H. L. 10, 275 Anm. 1—2
die Frau des Guilhem de Menerba erblickt, ist schwerlich
von Guiraut als seine Geliebte besungen worden, da sich
einerseits in den sicherlich von Guiraut herrührenden
Gedichten keine Spur von ihr findet, andererseits aber,
was von der geliebten Dame gesagt wird, sich, wie
man später sehen wird, alles allein auf die Gas-
cognerin Escaruenha zu beziehen scheint. Dagegen
1 9 . darüber auch Maus, Peire Cardenals Strophenbau, S. 61.
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könnte jene marqueza de M. wohl dieselbe Dame sein,
welcher Guilhem Augier den Hof machte. Dieser lebte zu
ihrer Zeit und in ihrer Nähe (s. H. L. 10, 355a); ihr Name
kommt zwar sonst nirgends in seinen Dichtungen vor, aber
ebensowenig findet sich daselbst ein anderer Name der Ange¬
beteten.
2) Der papagais , der in der Tornada von 61 angeredet
wird, begegnet sonst nirgends bei Guiraut, wohl aber bei
Guilhem, z. B. in 205, 2 (MG. 579).
3) Guilhem scheint eine besondere Vorliebe für die
Dichtungsart der Descorts gehabt zu haben; finden sich
deren doch unter seinen wenigen Gedichten noch zwei,
nämlich 205, 3 und 5, während unter den bedeutend zahl¬
reicheren Dichtungen Guirauts Gedichte dieser Gattung
sonst nicht anzutreffen sind.
4) 61 VIII zeigt, wie schon Appel ZfrP. II, 220 be¬
merkt, gleiches Versmass mit Guilhems 205, 3 II.
Scheiden wir nun aus den 81 bei Bartsch unter No.
242 verzeichneten Gedichten No. 21, 38, 50, 52 und 61
aus, so bleiben noch 76 Nummern übrig, welche als Er¬
zeugnisse Guirauts zu betrachten sind.
Von anderen Gedichten soll nach Bartsch (ZfrP. 7,
590) B. Gr. 29, 11, das in A dem Arnaut Daniel, in D*
und N* aber unserem Dichter zugeschrieben wird, hinter
242, 42 eingereiht werden; jedoch sind Bartschs Gründe
hierfür nicht stichhaltig- genug. Ueberdies dürfte wohl der
saris hom de letras, wie die Biographie Guiraut nennt, und der
er auch nach 57 VII Am me sui totz acordatz Que uiatz
Tom a l mestier de ls letratz Arch. 33, 333a, 67, sowie nach
80 IV sai mais de Cato ß. Chr. 103, 34 gewesen ist, die in
Str. VI des Liedes stehenden Worte Ben conosc ses art
d’escriure u. s. w. (Canello, A. Daniel S. 99) kaum gesagt
haben. Dagegen hat Gröber (Rom. Stud. 2, 385) das
Lied B. Gr. 323, 1, auf dessen Urheberschaft nach Appel,
P. Rogier, S. 97 Guiraut von Bomelh und Peire von
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14
Alvernhe „gleich begründete Ansprüche“ haben, für Guiraut
gänzlich gerettet.
Endlich kommen noch die hier edierten Unica aus der
Hds. S* in Betracht; kann man deren Echtheit nicht ge¬
radezu beweisen, so wird sich doch auch kein triftiger Grund
darbieten, dieselbe in Abrede zu stellen. Rechnen wir sie
mit hinzu, so besitzen wir zur Stunde 80 Gedichte des
Guiraut von Bornelh.
Die Dichtgattungen.
Betrachtet man jene 80 Gedichte auf die Arten hin,
denen sie angehöreD, so ergiebt sich folgendes:
44 und 46 sind Romanzen (44 genauer eine Pastorelle),
64, in T fol. 86a zugleich mit 4 anderen Liedern fälschlich
den Tenzonen eingereiht (cf. Gröber a. a. O., S. 522), ist
eine Alba, 80 ein Devinalh, 23, 26, 30, 32, 55, 73, 75, 77
und VI sind allgemein moralische oder moralisch - religiöse
Sirventese, 1 2 denen sich 67 und 323, 1 zugesellen, wenngleich
diese sich selbst „Vers“ nennen; 6, das sich auch als „Vers“
bezeichnet, 15, 24 und 41 sind politische Sirventese (Kreuz¬
zugslieder), 56 und 65 persönliche Sirventese (Planh) und
27 ist ein sirventes joglaresc.* Von den übrigen sind die
sich selbst als Verse gebenden 5, 11, 25, 29, 37, 51 (mit
1 Ueber diese Dichtgattung handelt E. Levy, Guilhem Figueira,
Berl. Diss. 1880, S. J5—21 und kommt, Tobler folgend, S. 21 zu dem
Schluss: „Sirvtntes heisst Lied eines strveti, der im Dienste und Interesse
eines Herrn, weiter einer politischen Partei, einer das öffentliche Leben
betreffenden Frage singt.“ Vgl. jetzt darüber auch Stimming, Prov. Litt,
in Gröbere Grundriss II b, S. 22—24.
2 Die von Tobler geüusserte, von Wittboeft, Sirventes joglaresc
( A. u. A. 88) S. 4 wiederholte Ansicht, der „s. j.“ sei »ein Gedicht, ver¬
fasst im Interesse eines Joglar“ wird von 0. Schultz LgrP. 1891, Sp.
237 bestritten, dagegen von Jeanroy, Rev. des Pyrdnöes 1893, S. 14 als
diejenige Hypothese, welche die grösste Wahrscheinlichkeit für sich
habe, gutgeheissen. J. sieht in den betreffenden Dichtungen „des sortes
de lettres de recommandation presentdes sous une forme qui les rend&it
plus piquantos.“
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15
vizio), 58, 59 und 78, sowie 1, 8, 19, 20, 45, 54, 60, 68, 71,
72 und 74 am besten als Verse zu bezeichnen. Kanzoncn
nennen sich 2, 4, 7, 9, 62 (mit 8 Str.) und 81 (mit nur
männl. Reimen); ihnen reihen sich an 10, 12, 18, 16, 17
(8 Str.), 28, 34, 35, 42, 43, 48, 49, 53, 57, 63, 70, 79, V
und wohl auch 76, von dem zwar bisher nur die in H be¬
findlichen 2 , / 2 Str. gedruckt sind, das aber auch in S‘ sich
findet und, nach dem Citat in Ravnouards Lex. rom. 2,
177a zu schliessen, in C wohl vollständiger steht als in H.
IV hat nur 4 Strophen und ist daher eine Halbkanzone;
3 und 66 sind Kanzonen in Gesprächsform, und 18, 31,
33, 36, 39, 40 und 47 lassen sich wohl am angemessensten
als Sirventes-Kanzonen bezeichnen; 14, 22 und 69 endlich
gehören der Dichtungsart der Tenzone zu. Demnach
rühren von Guiraut von Bornelh her:
2 Romanzen, 1 Alba, 1 Devinalh, 11 allgemein moral,
oder moral.-relig. Sirventese, 4 politische Sirventese, 2 per¬
sönliche Sirventese, 1 sirventes joglaresc, 20 Verse, 25 Kan¬
zonen, 1 Halbkanzone, 2 Kanzonen in Gesprächsform, 7 Sir¬
ventes-Kanzonen und 3 Tenzonen.
Die 6 zu edierenden Gedichte.
1. Die 3 Tenzonen.
Von dialogischen Gedichten, deren äussere Form der¬
jenigen des prov. Streitgedichtes 1 entspricht, sind 3 auf uns
gekommen, in denen Guiraut von Bornelh 4 als Partner auf-
tritt: 242,14 (=287,1), 242,22 (=324,1) und 242,69. Ob
dieselben auch ihrem Inhalte nach Tenzonen sind und, wenn
1 Ueber diese Dichtungsart s. Stimming, Prov. Litt. a. a. 0. S.
24, sowie die eb. S. 26 angegebenen Abhdlgn.
* In einer von John Rutherford, The Troubadours, tbeir loves and
their lyrics, Lond. 1873, S. 49 ins Engl, übers. Tenzone ist nicht, wie
es dort heisst, Guiraut von Bornelh, sondern Guiraut Riquier Interlokutor
des üuilhem von Mur,
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dem so ist, welcher Art dieser Dichtgattung sie angehören,
muss die Betrachtung jedes einzelnen von ihnen lehren.
Ihre Besprechung wird in derjenigen Reihenfolge stattfinden,
in welcher sie wahrscheinlich 1 entstanden sind.
I (242,69).
Dichter and Zofe,
a) Inhalt.®
I. Guiraut, heftig erregt darüber, dass seine Geliebte
ihm, angeblich wegen seiner Untreue, ihre Gunst entzogen
habe, bittet deren Zofe Alamanda um Rat in seiner Be¬
drängnis.
II. Diese macht ihn darauf aufmerksam, dass er sich,
wenn er von ihrer Herrin geliebt werden wolle, vor allem
ihren Launen anbequemen müsse.
IH. Der Dichter meint, ihm könne nicht angesonnen
werden, wozu eine Dienende sich allenfalls verstehen könnte.
Befolgte er ihren Rat, so würde er erst recht unglücklich
werden.
IV. Nach Alamandas Ansicht werde er durch Demut
alles, durch Trotz nichts erreichen. Sie wollte ihm zum
Wohlwollen der Geliebten wieder verhelfen, wenn er nicht
selbst durch sein Verhalten sie daran hinderte.
V. Guiraut führt dagegen an, er habe, nachdem seine
Freundin ihm ohne jeden Grund wiederholentlich nicht Wort
gehalten habe, zeigen wollen, dass er sich auch noch ander¬
weitig Liebesgunst erwerben könne. Ueber die Vorwürfe
und Zumutungen seiner Ratgeberin ist er derartig erbost,
dass er ihr Grobheiten sagt und sie sogar für den Fall,
dass sie so zu reden fortfahre, mit Schlägen bedroht; Dame
Berenguera hätte ihm besser geraten.
1 8. den Abschnitt: „Datierung der drei Tenzonen.“
* vgl. Zenker, die prov. Tenzone S. 86.
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VI. Die Zofe erklärt ihm, dass er durch Schmähreden
die Liebe seiner Freundin doch wahrlich nicht wiederge¬
winnen werde; glücklich würde er sich schätzen können,
wenn es ihrem wiederholten Drängen gelänge, ihre Herrin
noch einmal zur Aussöhnung mit ihm zu veranlassen.
VH. Jetzt erst erkennt Guiraut wieder, wie wichtig
ihm der Beistand der Zofe sei. Er entschuldigt sich bei
ihr wegen der in seiner Erregung begründeten Unhöflich¬
keit und bittet sie, ihn dadurch, dass sie ihm, gleichsam
aus eignem Antriebe, ihre Herrin wieder geneigt mache,
vor dem sonst sicheren Untergange zu bewahren.
VIII. Alamanda bedauert, dass sie bisher in seiner
Sache noch nichts habe erreichen können. In der That
würde sich auch ihre Herrin, nachdem er sich nicht ent-
blödet habe, vor aller Augen einer andern ihr wenig eben¬
bürtigen Person den Hof zu machen, viel vergeben, wenn
sie ihm ihre Gunst wieder bezeugte. Dennoch verspricht
die Zofe unter der Bedingung, dass Guiraut von nun an
jeden Zank vermeide, ihn zum gewünschten Ziele zu führen.
IX. Der Dichter ersucht Alamanda darauf, die Dame
seiner unbedingten Ergebenheit zu versichern.
X. Die Zofe erklärt sich dazu bereit, warnt ihn aber
davor, sich die Gunst der Geliebten, wenn er dieselbe wieder¬
erlangt haben würde, aufs neue zu verscherzen.
Inhaltlich ähnlich sind B. Gr. 87,1, 372,4 und das in
der Hds. L als conselh bezeichnete Gedicht 409,3.*
b) Das Liebesverhältnis des Dichters.
Für das Verständnis des Zwiegesprächs, wie auch für
die Biographie des Dichters im allgemeinen ist es von
Wichtigkeit, Uber das Liebesverhältnis Guirauts Genaueres
1 Man vgl. ferner die bei Napolski, Ponz de Capduoill, S. 29,
Canello, A. Dan., S. 208, VT, Arg., 0. Schultz, die prov. Dichterinnen,
S. 34 za 9—10 und Crescini, Per gli studi romanzi, S. 71 angefllhrten
ähnl. Fälle von Vermittlungen bei den Trobadors.
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zu erfahren. „Leider fehlt es an Angaben, um aus ihnen
einen Liebesroman zu entwickeln,“ sagt Diez, L. u. W. 189,
im Jahre 1829. Inzwischen sind aber in den Hdss. N* und
S* Erläuterungen zu Gedichten Guirauts aufgefunden worden,
von denen diejenigen, welche sich auf seine Liebe beziehen,
hier Platz finden mögen, um hernach an der Hand der Ge¬
dichte Guirauts auf ihre Glaubwürdigkeit geprüft zu werden.
Es sind dies
1. Die razo zu unserem Gedichte Srus quer
und 2. diejenige zu Oes aisi de.l tot no'm lais
Nach N* sind sie bereits, wenn auch nicht ganz korrekt,
viermal gedruckt:
1. von Constans Rdlr. 19, 279 und 276,
2. in dem Bulletin de la soci£t6 hist, et archöol. du
P6rigord 11, 170,
3. von Chabaneau H. L. 10. 222/3 und
4. in Chabaneaus Biogr. d. Troub. S. 15.
Nach S' sind die Erläuterungen noch nirgends wieder¬
gegeben.
Da die beiden Fassungen beträchtlich von einander
abweichen, so scheint es am ratsamsten, sie gesondert neben
einander mitzuteilen.
N a fol. 23.
Guirautz deBornelh siamava
una domna de Gasconha que
avia nom n’Alamanda d’Es-
5 tanc. Mout era prezada
domna de sen e de valor e
de beutat et ela si sofria los
precs e 1’ entendemen d’en
S‘ fol. 60.
Vertatz es qu’en
Guirautz de Bornelh amava
una domna de Gasconha que
era apelada n’Alamanda.
Fort era prezada
e de sen e de valor e
de beutat e sofria los
precs d’en
4Hds.de Stanc; 5 Hds. presiada; 2 Hds. Qiraut; 7 de fehlt in
8 precs ist in der Hds. verwischt, Hds. der Hds.;
entendiiuen;
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Guiraut per lo gran enan-
10 samen qu’elli fazia depretz e
d’onor e per las bonas chan-
sos qu’el fazia d’ela, don
ela s’en deleitava mout, per
qu’ela las entendia be. Lonc
15 temps la preget, et ela com
bels ditz e com bels onra-
mens e com belas promisios
se defendet da lni corteza-
men, que anc nolh fetz
20 d’amor ni’lh det nula joia
mas u sol gan, don el vis-
quet lonc temps gais e joios,
e pueis n’ac mantas triste-
sas, can l'ac perdut; que
25 madomna n’Alamanda, can
vi qu’el la preisava fort
qu’ela li fezes plazerd’amor,
e saup qu’el avia perdut lo
gan, ela l’encuzet de l gan,
30 dizen que mal l’avia gardat,
e qu’ela no lh daria mais
nula joia ni plazer no lh
9 Hds.Girautz; lOHds. pre$, Chab.
(H. L.) dretz (wohl nur ein infolge
Umspringens des p entstandenerDruck-
febler); 12 don] Hds. ond; 13 die letzte
Silbe von deleitava ist in der Hds.
verwischt; 14 Hds. entednia; 18 da]
Cbabaneau: de (doch s. Diez, Gramm.
2, S. 36); Hds. corteizamen; 21 sol]
Hds. son; 26 Hds. preissava; 29 l’en-
cuzet] Hds. s’en cuszet, Constans
nnd Chab. s’en corozet; 30 Hds. dignn;
31 mais fehlt Const. u. Chab.;
Guiraut per lo gran esenha-
men qu’el li fazia
e per los bos chan-
tars qu’el fazia de lei, don
ela se delechava fort per
so com be los entendia,
eilh
se defendet da lui ab pa-
raulas e ab promesas mout
corteza-
men, que anc no ac da
lei
mas u sol gan, don el vis-
quet lonc temps joios,
mas pois n’ac gran triste-
sa e dolor, car el lo perdet.
E can madon’Alamanda
o saup,
ela lo blasmet e repres fort
delgan,dizen que mal l’avia
gardat, e que mais no li daria
alcu joi ni esper da lei alcun
12 don] Hds. on; 14 Hds.
come; 32 Hds. niu espers;
Anm. zu N 2 15 — 17. üeb. d. Vor¬
kommen d. Präp. com im Prov. s.
Diez Gramm. 2, 482.
Anm. zu N 2 26. preisar steht
nicht im Lex. Rom. Es entspr. d.
frz. Vb. presser, das Littre v. 13.Jh.
an nachw., wie hier verw. in folgd.
Beisp.aus d. 15. Jh.: Et lespressoit
fort qu’ils lui \ oulussent donner...
Comm. 3,3.
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faria mais d’amor e que
so qu'ela li avia promes li
85 desmandava, qu’ela vezia
be qu’el era fort lonh eisitz
de sa comanda. Can Gui-
rautz auzi la novela ochai-
zon elcomjatque ladomnali
40 dava, mout fo dolens e tritz
e venc s’en ad una donsela
qu’el’avia, que avia nom
Alamanda si com la domna.
La donsela si era mout
45 savia e corteza e sabia tro-
bar ben et entendre; e
Guirautz silh dis so que
la domna li avia dit, e de-
mandet li coselh a la don-
50 sela que el deviafar, e dis:
„Sims quer coselh, bei’
ami’ Alamanda.“
(N* fol. 20.) Guirautz de
55 Bornelh si avia amada una
domna de Gasconha que
avia nom n’Alamanda d’Es-
tanc, et ela li avia fait
37 fids. 8iia; 38 das o am Anfang
von orheizon ist in der Hds. verlöscht;
41 Hds. ven; 49 Constans: don[cJelln;
die Hds. schreibt aber selbst deutlich
doncella; 67 Hds. de stancs (vgl. Equi-
cola, Libro di Natura d’amore, Ve-
negia 1664, p. 330 „Nolanna di Stanes
di Guascogna“); 68 Hds. faich, Const.
faits, Cbab. faitz;
endrech d’amor e que tot
so qu’ela li avia promes li
desmandava, car be vezia
que trop s’era lonhatz da
so comandamen. E can
Guirautz auzic
lo comjat,
el fo fort dolens e iratz
e venc s’en a una donsela
que era apelada Ala¬
manda atresi com sa domna.
Aquesta donsela era fort
corteza e savia e sabia be
trobar e entendre e sabia
letras. E li contet so que
sa domna li avia dich e li
demandet coselh en u sieu
chantar qui (es escritz en
aquest libre e) comensa aisi:
„Si-us quer coselh, bei’
ami’Alamanda ... sui iratz“
En Guirautz no poc far ne
dir tan qu’el pogues tornar
en la grasia de madon’
Alamanda, car ela era mout
felona vas lui per so qu’ela
47 Hds. letra; 63 In der Hds.
steht hier die ganze I. Str.; 64
Hds. Giraut;
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21
plazers, et avenc si qu’ela
60 si penset que sa valors avia
trop deisendut, car avia so
qu’el volc, volgut; e silh
det comjat e'lh estrais
s'amor per
65
tat don ela fo mout blas-
mada, car el era om des-
70 mezuratz e malvatz. Don
Guirautz de Bornelh re-
mas tritz e dolens (N* fol.22)
longa sazo per lo dan de
si e per lo blasme qu’elh’
76 avia, que no si covenia
qu’elan fezes son amador.
si volia partir da lui, don
ela li trobet l’ochaizo de*l
gan. Don Guirautz, si tot
U fo greu, s’en partic e
sapchatz que madon’Ala-
manda no li det comjat sol
per lo gan, si tot en trobet
ochaizo, car ilh o fes per
so que pres per so drut
tal don ela fo fort blas-
mada, car el era om fort
malvatz e crois. Don Gui¬
rautz de Bornelh re-
mas mout tritz e dolens
longa sazo per lo dan
de si e per lo blasme de
lei, car ilh avia fach ama¬
dor de tal qui no lh covenia.
69 car steht in der Hds.; Const. 63 Hds. sapralz; 70 Hds. Girant;
u. Chab. schreiben aber dafflr con. 72 Hds. moutz; 76 Hds. di tal.
Dass die prov. Erläuterungen zu den Trobadorliedem
in der Regel recht unzuverlässig und daher nur mit grosser
Vorsicht zu benutzen seien, sagt u. a. Jeanroy in den An-
nales du Midi 2, 442. Auch die hier mitgeteilten StUcke,
welche sich einerseits an Guirauts Gedichte derartig an¬
lehnen, dass sie wörtliche Anklänge an dieselben aufweisen 1 2 ,
andrerseits aber Angaben enthalten, welche in den Werken
des Dichters keine Stütze finden, werden mehrfacher Be¬
richtigung und Ergänzung bedürfen.
1 Die Worte detmandava (Z. 36) in N* u. 8*. fort lonh eiritz de
za comanda (Z. 36) und estrais s’amor (Z. 63) in N* erinnern lebhaft
an 14—6.
2
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22
Die Nachricht, dass Guiraut. von Bornelh eine Gas-
cognerin Alamanda d’Estanc geliebt und besungen habe,
steht im Widerspruch zu Guirauts Worten in 44 IX: Toza,
n’Escaruenh’es guitz De pretz, que m det companhieira
Cortez ’ e fin’ amairitz M W. 1,200.
Diese Verse sind nicht etwa dahin aufzufassen, dass
Escaruenha den Dichter zur Tugend angeleitet habe, indem
sie ihm eine höfische Gefährtin und echte Liebende ver¬
schaffte. Guiraut liess sich nämlich seine Geliebte von
niemand zuweisen, sondern lernte sie zufällig kennen: 13 I—II
E quant estei en aquels bels jardis, Lai m'aparec la bella
Flors de lis E pres mos huels e sazic mon coratge Si que anc
pueis remembransa ni sen Eon aic mas quant de lieys en cui
m’enten. Ilh es selhu per cui ieu chant e plor 1 MW. 1 , 184
und 20 VI a l'issen d’us ortz Mi mostret una sortz Q’ieu
fos a liei comans Qem det sas maus ses gans, Don s’onret
mos manteus E mos aneus; Puois qan fui d’aqui sors, Tomei
ua8 liei de cors, Gab bos precs mi retrais■■■ Mains bens, qe
puois m'estrais, Ern dis: Amicx, ben siaz e celatz (1. ece-
latz = encelatz), Que ia per mi nön seretz galiatz Arch. 51, 6a.
Vielmehr wird anzunehmen sein, dass Guiraut, nachdem er
seine Dame in Str. III u. IV desselben Gedichtes eine fals'
abetairitz, volatieira und camiairitz genannt und in Str. III
die Aeusserung gethan hat: De bon'ami' ai nescieira Que
fos fin’ e vertadieira, nun plötzlich deshalb Reue empfindet;
er fühlt, dass er trotz der von ihr erlittenen Unbilden doch
keine andere als sie werde lieben können, und will die ihr
soeben zugefügten Beleidigungen wieder gut machen, indem
er gleichzeitig der Hirtin jede Hoffnung auf Erfüllung ihrer
Wünsche benimmt. Jene Worte werden also wohl bedeuten:
Esc. ist Führerin des Wertes, denn sie gab mir (nämlich
1 Dies© Verse mögen Castelvetro vorgeschwebt haben, als er in
den Considerazioni 193 die ähnliches besagenden Verse des Arnaut Daniel
dem Guiraut v. Bornelh zuwies (s. Canello, A. D. zu XV 9).
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in sich) eine höfische Gefährtin und echte Liebende; als sie
mich wahrhaft liebte, hat sie mich zur Tugend angehalten,
noch jetzt ist ihr Einfluss in mir wirksam (daher es guitz
de pretz) und zwar, wie der nächste Vers Per que'l mal(s)
me fug a tieirä zeigt, derartig, dass das Uebel mich gänzlich
flieht, dass also Guiraut in den Stand gesetzt ist, allen
schlimmen Verlockungen zu widerstehen. Aza'is, Les troub. de
B6z. S. 84 und Cornicelius So fo e'l temps S. 99 entnehmen auch
diesen Versen jedenfalls die Thatsache, auf die es uns allein
hier ankommt, dass Escaruenha Guirauts Geliebte war;
ersterer findet, dass der Dichter sich abwende, „en pronon-
Qant le nom de sa dame“, letzterer sagt, der Gedanke an
Escaruenha mache Guiraut von ßornelh für das zudringliche
Entgegenkommen einer Hirtin unempfänglich.
Die von Cornicelius ausR.Vidals Novelle Abrils issV e mays
intrava, B. Dkm. 169,17 erwähnte Ma dona n'Escarronha ist
nach Bartschs Anm. zu dieser Stelle (B. Dkm. S. 332)
„ohne Zweifel dieselbe Dame, die Arnaut von Marsan in
seinem ensenhamen de la donzela rühmt.“ A. von Marsan
nennt die Escaruenha dort (B. Lb. 139,41) „La gensor de
Gascuenha“; hinsichtlich ihrer Heimat stände also nichts
im Wege, in jener Escaruenha auch die Freundin Guirauts
zu sehen, welche nicht nur nach der razo aus der Gascogne
stammte, sondern auch nach den wohl als Wortspiel aufzu¬
fassenden Worten des Dichters selbst: 4 VII Lai on pretz
floris e grana, Volgra trobar quvm portes Mo sonet e no
müdes A mon ioy (Joy?) e non dieses Que m euges engasconir
MG. 198.
Was die Personder beiR. Vidal vorkommenden Escaruenha
betrifft, so vermutet O. Schultz ZfrP. 12, 544, sie sei identisch
mit Escaronha, der Gemahlin des Bernard Jourdain, Herrn von
l’Isle-Jourdain, der vor 1189 starb. Auch diese Dame
würde die von Guiraut gefeierte Escaruenha sein können.
Sie ist etwa 1125 geboren — ihr und Bernard Jourdains
Sohn Jourdain machte schon 1161 selbständig Schenkungen
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24
an das von seinem Vater 1143 errichtete Kloster (s. H. L.
6, 10) — und überlebte ihren gegen 1189 gestorbenen Gatten
(s. H. L. 6, 143). Guiraut, der, nach den höhnischen Be¬
merkungen, welche der von ihm Ubertroffene Peire von Al-
vemhe in seinem vor 1173 1 entstandenen Schmähgedichte
über ihn macht, zu schliessen, gegen J170 schon einen ge¬
wissen Euf als Dichter erlangt hatte, hat etwa 1165 zu
dichten begonnen. Unsere bei der Datierung der drei Ten-
zonen anzustellende Berechnung wird für den ernsten Bruch
mit der Geliebten annähernd das Jahr 1168 ergeben. Ist
das richtig, so mag Lied 5, in welchem sich das Liebesleid
des Dichters bereits ankündigt — 5 VI Que per us prims
entendedors Me toi paors E frevoltatz, Quar no cug esser ben
amatz, Mans gabs, mans ditz, mans fagz ginhos, Per que fora
bautz e joios MW. 1, 190 —, im Jahre 1167 und, da er 5
gemäss Str. II E per o ben a mais d'un an Qu’om me
pregava qu’ieu cantes (eb. 189) über ein Jahr nach Beginn
seiner Dichterlaufbahn gedichtet hat, Lied 13, das nach
seinem Inhalte zu den ersten poetischen Erzeugnissen Gui-
rauts gehört, im Jahre 1165 entstanden sein. Allerdings
scheint Guiraut jünger als Escaruenha gewesen zu sein.
In La Combes Dict. de vieux lahgage fran<jois, Supplöm.
Paris 1767 S. XVIII findet sich über einem „Guiraut de
Berneth (so!), l’un des plus anciens Poötes“ betreffenden
Artikel Lacurnes die Zahl 1138. Diese Zahl könnte viel¬
leicht das Geburtsjahr des Dichters bezeichnen; Guiraut
wäre dann freilich erst mit etwa 27 Jahren Trobador ge¬
worden, was jedoch damit im Einklang stände, dass er
ja, wie das obige Ci tat aus 5 II lehrt, nicht aus eigenem
Antriebe, sondern erst auf das Ersuchen andrer hin sich
dem Versemachen zuwandte; er hätte dann aber auch bereits
in dem von uns vor 1173 2 , etwa auf 1170 anzusetzenden
Liede 17, Str. II sagen können: A (Ai Hds.A)! Tantas
1 s. Appel, Peire Rogier S. 10.
2 s. den Abschnitt c 5 der Besprechung der Tenzone II.
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25
uetz m'a trag nescis parlars Joy d’entre'ls mans, per qu'esdevenh
liars MG. 216, denn zu ungefähr 32 Jahren konnten sich
wohl die ersten grauen Haare bei ihm schon eingestellt haben.
Ausser dem Namen Escaruenha, der nur an der be¬
kannten Stelle vorkommt, finden auch die Yerstecknamen
Senker (43 IV V, 63 III, 78 IV, 79 HI), Bels Senker (1
IV, 5 I, 29 VI, 45 VHIi 47 VII, 78 I), Segurs (43 V, 53 I,
79 III), Flors de lis (13 I) und vielleicht auch Jois (4 VII)
bei Guiraut zur Bezeichnung der Angebeteten Verwendung.
Alle diese Namen bezeichnen jedoch höchst wahrscheinlich
eine und dieselbe Person; dies geht nicht nur aus den sich
immer gleich bleibenden Aeusserungen des Dichters Uber seine
Geliebte hervor, sondern auch daraus, dass er immer wieder
versichert, nur diese eine Dame allein wahr zu lieben (s. die
Anm. zu IV 21/3) und keine ausser ihr zu besingen: 31 IV
Q'ieu non chantera Per autra ni cridera Salutz ni mans, Ma
d'aqesta serai comans; Tantuuoillsa seignoria Arch. 51, 14b u.
35 VI Eses donna serai tant quant uiu sia (1. uiuria?)-, Si uos non
ai, e q'ieu ses donna sia MG. 837, auch niemals vor ihr einer
anderen gehuldigt zu haben: 35 I Gen m’estaua e suau e
en paz Lo iom c'amor(s) entret en mon corage; Qu’eu non
amaua ni non era amatz Nvm sentia d'amor mal ni dampnage.
Ara non sai q’i s'es ni s'e(n)deue, Q'eu am cella qe il no
m'ama re MG. 837.
Woher kommt es denn nun aber, dass der Verfasser der
razo die Geliebte des Dichters gerade Alamanda heissen und
dass die Redaktion N 2 dieselbe aus Estanc sein lässt?
Zunächst ist wohl aus dem Umstande, dass die Pasto¬
relle, welche den Namen „Escaruenha“ enthält, nur in
3 Hdss., C, R und S', auf uns gekommen ist, zu schliessen,
dass sie wenig verbreitet und daher auch dem Verfasser
der razo oder seinen Gewährsmännern unbekannt war.
Zwar ist das Gedicht zufolge der Str. III Qu' era« me soi
departitz D'una fals’ abetairitz, Que m fa camiar ma carrieira;
E fora m capdels e guitz, Si no fos tan volatieira M. W. 1,
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26
199 bald nach dem Bruche mit der Geliebten gedichtet;
es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass Guiraut es erst,
als er nichts mehr zu erhoffen, also auch nichts mehr zu
verlieren hatte, bekannt gegeben habe; denn abgesehen da¬
von, dass er den von Jeanroy, Orig, de la poösie lyr. en
France, S. 34 gekennzeichneten Zweck, seiner Dame seine
unerschütterliche Treue und so seine heisse Liebe zu be¬
weisen, durch ein an Beschimpfungen der Freundin reiches
Gedicht nicht hätte erreichen können, würde er sich wohl
auch gehütet haben, sich durch das Schlimmste, dessen sich
ein Liebhaber schuldig machen konnte, nämlich durch Preis¬
gabe des Namens der Angebeteten, deren Liebe auf immerzu
verscherzen. Hatte sie ihn doch dringend um Verschwiegen¬
heit gebeten (s. 20 VI, cit. S. 22) und so sehr zur Geheim¬
haltung ihres Namens verpflichtet, dass er es lange nicht
wagte, einen Boten an sie zu schicken:
11 V Ben lo'i volria mandar, Sitrobava messatgier: Mas
si 9 n fas autrui parlier, Jeu tem qu'ella'm n’ochaizo; Quar non
es ensenhamens Qu’om ja fass ’ autrui parlar D'aisso que sols
vol celar MW. 1, 196. Vor allem, sagt er selbst, müsse ein
treuer Liebhaber diskret sein: 71 V Sei es drutz truanz
Que non es celanz Sa dompna ni se Arch. 34,399a, und eher
würde er sterben wollen, als irgend jemand über seine Dame
näheren Aufschluss geben: 13 IV Ja non (1. no % n) laissetz
per mi ni per amor, Fals lauzengierfs] complitfz] de malvestat,
E demandatz cui ni quals es Vonor (1. es qvüonor oder quäl
eu o.? 1 ), S’es loing o pres, qu'aisso'us ai ben emblat; Qu'ans
fos ieu mortz qu'en aital mot falhis MW.l, 185.
1 Diez, L. u. W. S. 135 übersetzt: „und fragt, wem und wie be¬
schaffen die Ehre sei, ob nah oder fern“; das gäbe keinen rechten Sinn,
abgesehen davon, dass bei Guiraut das Wort onor seines flexivischen s
dann nicht entraten könnte. Aehnlich wie Diez, übersetzt Porenbowicz,
Antologia prowansalska, Warszawa J889 S. 98 ins Polnische, und
auch bei Kannegiesser, Ged. d. Troub., Tübingen 1852 S. 130 lautet die
Stelle „und fraget, wie es sich verhalte mit der Ehre nah und weit“.
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Seine vertrautesten Freunde, selbst Sobretotz 1 , sollten
in dieser Hinsicht nichts von ihm erfahren: 5 V und VIII
E lonh me de mos plus privatz, Tan dubti que locs e sazos
Membles quäl que mot perilhos . . . Quascus si gart, si com
ieu fatZj Tan be, Sobretotz, que neis vos No sabetz quals es
ma rasos MW. 1, 190/1; 47 V versichert er: Mas iewm
sui ben gardatz Que no % n sia encolpatz; Qe non es uius ni
natz Oui anc en fos priuatz Arch. 33, 314b 77 und bittet
die Geliebte in 31 VI um die Erlaubnis, nur 6inem Freunde
sich anvertrauen zu dürfen: Mas preiar uolgra , si'l plagu&s,
Lids per cm sui en ioi tomatz, Que fos nostra bona amistatz
Per un amic saubuda; Qe plus n’er car tenguda, Car ien
Dirai souen So don no m'alegrera, Mentre que sols estera.
Conors es grans E iois, qan troba fis amans Ab cui solatz
e ria; Que qui no pot qec dia Dir a s'amia son talan, Couen
q'aia per cui lo'ill man Arch. 51, 14—15.
In 28 II sagt Guiraut: E dirai qui es ni don? Non
ieu , que leugidramen Faill e mespren Qurs fai ianglos A sazos
Arch. 33, 330a, 14.
Gedicht 28 ist sicherlich viele Jahre nach der Pastorelle
und nach dem Bruche mit der Geliebten, d. h. nach 1168
(s. S. 24) entstanden, allem Anscheine nach erst 1189, als
Guiraut im Begriffe stand, mit König Richard und vielleicht
auch, wie er wohl hoffte, mit König Alfons in den 3. Kreuz¬
zug zu ziehen; dies zeigt, ausser dem noch nicht recht
herzustellenden Geleit, die Str. VI E port presen Ad rd
n J Amfos De mos sos; Cautra manentia Non ai mas de dir
Q'ieu Vesper ofrir Mas; car es pros E mante Pretz, mi coue
Q'ieu Vest ia aclis, S , er[a] outramaris Arch. 33, 331, 72.
1 „Sobretotz“ ist also nicht, wie z. B. Balaguer, Hist, de los trov.
III 268 u. 274 („su amada“ „Sobretodas“) meint, ein Verstecknamen ftlr
die Geliebte, sondern bezeichnet den Freund des Dichters, der nach der
razo (H. L. 10, 223a u. Anjn. 3) Bamons Bern&rtz de Rovigna gewesen
sein soll.
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28
Wie hätte Guiraut in der Str. II dieses Gedichtes die
oben citierten Worte sagen können, wenn die den Namen
der Geliebten nennende Pastorelle damals schon bekannt ge¬
wesen wäre? Hat aber der Dichter zur Verbreitung des Ged. 44
(der Past.) nicht nur nichts beigetragen, sondern sie selbst
verhindert, so erklärt es sich, dass dasselbe auch unter den zur
Abfassung der Erläuterungen vorliegenden Liedern fehlen
konnte. Vielleicht hatte aber der Verfertiger der razo eine Re¬
daktion des Liedes vor Augen, welcher die Tornadas fehlten,
wie ja sehr häufig Gedichte ohne die Geleite vorgetragen und
aufgeschrieben wurden; dann hätte der in der 1. Tom. stehende
Name der Escaruenha auch so ihm leicht entgehen können.
Schliesslich ist es auch möglich, dass er das Gedicht un¬
verkürzt besass und den Namen übersah; denn flüchtig
scheint er bei der Niederschrift der Mitteilungen verfahren
zu sein. So stimmt die 6. razo (H. L. 10, 223 b) wenig mit den
durch das betreffende Gedicht (55) selbst gegebenen That-
sachen überein. Die Beraubung seines Hauses durch den
Vizgrafen Gui von Limoges sollte den Dichter zu dieser
Dichtung veranlasst haben, und doch scheint mir aus Str.
VHI gerade hervorzugehen, dass sein Haus von den Uebel-
thätera verschont worden ist: D'aitan me puesc vanar Qu'anc
mos ostaus petitz No fon d'els envazitz MW. 1, 203, und wenn
es in der Erläuterung heisst el se volc penar de recobrar
solatz e joi e pretz e si fetz aquesta chanson que diz: Per
solatz reveillar, so ist auch das, genau genommen, nicht
richtig, denn der Dichter sagt in Str. I: Per solatz revelhar,
Quar es trop endormitz, E per pretz, qu’es fayditz, Aculhir
e tomar, Mi cuyei trebalhar; Mas er m'en sui giquitz, Per
so quar sui falhitz, Quar non es d’acabar MW. 1, 201.
Kannte nun der Urheber der razo den Namen
Escaruenha als den der Geliebten Guirauts nicht, was bewog
ihn dann, sie Alamanda zu nennen? Der Name Alamanda
ist mir in Guirauts Gedichten nur einmal begegnet und
zwar in der Anfangszeile des Gedichtes, um das es sich
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29
hier handelt. Hier mögen dann auch die Worte bei’ ami’
Älamanda zu Missverständnissen Anlass gegeben haben.
Das Lied ist uns in 14 Hdss. erhalten, auch seine Melodie
findet sich noch in der Hds. R.; sicherlich ist es sehr be¬
kannt gewesen und viel gesungen worden, sonst hätte
Bertran von B.orn, als er es nachahmte, nicht sagen
können, er dichte e'l son de n'Älamanda (ed. Stimming,
13, 25, ed. Thomas, Poäsies pol. IV 25, S. 18). Wie nun
Thomas im Glossar S. 163 diese Älamanda, die doch die
Zofe der Geliebten Guirauts war, als dame cäldbräe par
Ouiraut de Borneilh bezeichnet, so hat auch der Schreiber
der Hds. V oder sein Vorgänger die Dienerin als Guirauts Dame
angesehen (s. die Varia lectio zu I 49 und 50) und mit
ihm sicherlich viele, welche sich entweder selbst durch die
Art, wie Guiraut die Älamanda anredete, dazu hatten ver¬
leiten lassen oder solchen, die dazu bereits verleitet waren,
darin Glauben schenkten. So konnte wohl allmählich die
Meinung Platz greifen, dass des Dichters Freundin Älamanda
geheissen habe; diese Nachricht übernahm dann der Ver¬
fasser der razo, der gewiss den Wunsch hatte, über die¬
jenige Person, welche in den Gedichten des „Meisters“ die
Hauptrolle spielt, näheres zu berichten, aus Mangel an
anderen sichereren Mitteilungen und schrieb darauf von der
Zofe, sie habe Älamanda geheissen „ebenso wie die domna “.
Die Bemerkung, die Dame Guirauts sei aus Estanc
gewesen, lässt sich durch die Gedichte njcht belegen; da
sie sich in S‘ nicht findet, der Schreiber dieser Hds. sie
aber bei ihrer Wichtigkeit wohl kaum fortgelassen hätte,
so scheint sie im Original der Erläuterungen nicht gestanden
zu haben. Vielleicht hat sie später jemand hinzugefügt,
der etwa die Worte de joi nt'estanc in 59 I oder pens de
vos en estam in 59 V in verderbter Fassung vor sich hatte
und missverstand, indem er darin die engere Heimat der
Gascognerin, das ebenso wie l’Isle-Jourdain im heutigen
Dep. Gers gelegene Estanc, zu erkennen glaubte. — Mög-
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30
lieh wäre es allerdings auch, dass die Familie der Escaruenha
in dem nahen Estanc ebenfalls Besitzungen hatte und man die
Dame Guirauts deshalb als aus Estanc stammend bezeichnete.
Hinsichtlich der Schilderung der Geliebten stimmt die
razo mit den eigenen Angaben des Dichters überein. So
wird lo sens e'l pretz e la beutatz derselben in 25 HI, wie
auch sonst häufig, gepriesen; ganz besonders wird aber ihr
geistreiches Wesen an verschiedenen Stellen gewürdigt:
12 IV V Mout es grans la proez ’ e'l sens Qu’il a , que fis
sabers Vadutz .... Sobre totz bos ensenhamens Aitan fort es
sos pretz crezutz E'l sieus sens per melhor tengutz, Ni ja no
Ven er fag(s) eontens; Qu’ilh a pniatz Los aussors gratz,
Qu’a'lfhjs pus senatz Es, so sapehatz, Greus la meitatz A
retraireWN. 1 , 195, ferner 2 IV Fis serai ses tot iauzimen E gais
per lo malfrejtraire, Entro'm uoilla refaire Ma dompna chiu-
sida, Francha et eissernida, De bella paria, Ab cui estai Jois
ab cor gai, Enseignamens Ab pretz uerai, Sens e cortezia
Arch. 51,25 b und 66 IV Quo'l (1. Que'l) sieufs) bel(s) cors
avinens Es assazats e manens De tots bos ensenhamens E
de cortezia MW. 1, 200.
Der Versprechungen, die sie ihm machte, thut Guiraut
vielfach Erwähnung; hier seien nur angeführt 1 IV V: Per
o, si sos ditz averes Mos Bels Senkers, Vira e Vesmais, Qu’ieu
n'ai sofert, mi fora jais E forsa e valors e socors; E deuria
s y en plus coitar, Car no n deman ni n vuelh d'alhors. E s’ieu
de far Li fos avars, Don m'agues mandat ni somos, Assatz
Vaportera razos Que ja covens no m'atendes; Mas s'ieu li sui
verais, penses Si's tanh que s volva ni's biais MW. 1,188
und 53 IV Membre il cum m'aßzet un ser A l sieu maner
So don me sui puois conortatz, E, s'aisi'l platz, Per Vamistat,
q'ieu‘1 tenc, li iur Q’ieu de ben amar non pemr Arch. 33,321b.
Ausser dem in der razo genannten Handschuh erhielt er
von der Geliebten auch einen Kuss(?): 17 VI El bes qe t fetz
— si n eras e’l fuoc ars, Poz lo'ill grazir? — fo doncs mas
us baisars? Arch. 51,5b und einen Ring: 60 IH Bona dompna,
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lo uostr * aneus, Qmm detz, mi fax tant de socors Qm lux
refraigni mas dolors, Qan lo remir, e tarn plus leus Ous estor-
neus, Puois sui per lui aissi ausatz Que non cuidetz lanssa
ni dartz Mespavm ni aders ni fers Arch. 51,19b. Wie der
Besitz des Handschuhs, der allgemein als Liebespfand galt
(ygl. 46 V Qu'ieu vi que per un guan , Si lor fos mviatz,
Se mesclav * us bamatz, Que durava tot Van MW. 1, 207 und
40 IV V Ben uolgrad cmogues, Anz c'ab lui s'agazaill Ni l
don gans ni fermaill . . . e fo sazos Que per un gan Er'hom
bautz e ioios Arch. 33, 318b 67; 319a 88), den Dichter
glücldich gemacht hatte — s. 42 IV Mas per o l'autr'an,
Qan perdiei mm gan, Wanaua chantan Mieilhs e plus ades,
E si m'm canges, Jeu fora encolpatz, Qar le (1. lo) dos nil
gratz No m'era vedatz MG. 847 —, so beklagt er den Ver¬
lust desselben als die Hauptursache seines Liebeskummers:
33 V Em fez lomar (1. loinar), Tan mi promes De clams
e dHras e de plaingz, Si com auetz auzit comtar; Qu[i]e'm
solia (Tun gan clamar, Qe m m fm de gran damnatge guitz; E
pueis la maVabeitaritz Camiet me datz Arch. 34,398 a und 79
HI: Ua 9 qe fort bon anar as A'l meu semblan , E per o rnern-
bre't de 9 l gan, Dm mos Segurs Fetz auol bragaigna (1 .bar-
gaigna), Qed seus ries pretz sobeiras Nes tomatz fragilz e
uas E Jauol paruenza, Per q'es morVe descazuda, Sid cors
flacs m fet'm no's muda Arch. 34,400a.
Die Gründe, welche den Bruch veranlasst haben, sind
durch die razo im ganzen richtig dargelegt; auch da wird
ja schon angedeutet, dass der Verlust des Handschuhes der
Dame nur einen willkommenen Anlass gegeben habe, ihre
bereits eine Zeitlang gehegte Absicht, sich von Guiraut los¬
zusagen, zu verwirklichen. Was sie bewog, das Verhältnis
mit Guiraut zu lösen, war zunächst seine vermeintliche
Untreue, die sie ihm in I 4. 59 u. 60 vorwirft. Guiraut
giebt allerdings in I36u. 37 zu, andere Freundschaften an¬
geknüpft zu haben, dies aber nur vorübergehend und zum
Schein, lediglich in der Absicht, seine Geliebte eifersüchtig
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32
zu machen; im Übrigen aber beteuert er fortwährend seine
Unschuld und versichert seine Dame seiner unverbrüch¬
lichen Treue (s. d. Anm. zu IV 21—23). Sodann scheint
er ihr durch seine Leidenschaftlichkeit und Zudringlichkeit
lästig geworden zu sein; dies zeigt sich 4 II: Peccatz Icrtn
fetz encobir MG. 198, sowie 29 IV: Mas Vorgoil, S’eufeJ so-
bredeman, Abais Vavinenz cors gentils Ab merce Rdlr. 25, 210,
geht aber auch aus seiner diesbezüglichen Reue, seinem
Versprechen, von nun an genügsamer und anspruchsloser
sein zu wollen, und seiner gänzlichen Unterwerfung unter
ihren Willen hervor: 29 VI u. VII Q'era-m toil De mal e
d’engan E serai ferms amics humils, . . . mais no voü qe‘m
bais Mos bels Segniers, si’l(s) fiz plazßjers Loc(s) non deman-
dav’e lezers. E qui’l n’er primers drogomanz Qe’m toil
d'nutr amista(t) e’m lais, Gresca’l benanans’e poders, Q’eu non
voil baisars ni jazers Rdlr. 25, 210 f. + 33, 216; 36 II Mal
me sui menatz; Serai doncs suffrens, Ja m’en ueigna lens Bes
e gauzimens Arch. 33, 312, 22; 70 V Pro sui ben menatz,
Svm deigna soffrir ni'l platz Q'en mos ehantars l’apel mia.
Per dieu, ben sui fatz E die gran foillia; Per cal razon so-
friria Qe’m fezes tant sos priuatz? E doncs — qe’m n'aeon-
seillatz? Arch. 33, 332 b und 7 VI Dona, pus als no’m uoletz
far, sofrissetz qu’ie’us uis e’us pregues MG. 205. Den bei weitem
wichtigsten Anlass zu ihrer Trennung scheint aber die ge¬
ringe Herkunft Guirauts gegeben zu haben. Die Biographie
nennt ihn hom de bas afar und er selbst klagt in 35 II non
di (1. ai) lo poder qellz (1. qe’m?) coue A lei servir Arch.
33, 307 b und dazu 49,68. Er spricht wiederholentlich von
den zwischen ihnen bestehenden Rangesunterschieden, so
51 III Lo somnhe dis a mon senhor, Qu'a son amic lo deu
hom dir, Et el narret lo m’en am er E dis me que no'm pot
falhir Que de l’aussor paratge Conquerrai tal amigu’en patz,
Quan be m’en serai trebalhatz, Qu'anc hom de mon linhatge
Ni de maior valor assatz Non amet tal ni'n fern amatz MW.
1, 186, und fürchtet, dass diese vornehmlich sein Liebesglück
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83
zerstören werden: 44 IV qui que s’ajost Ab ric’amor, non er
per Orist, . . Ses dam MW. 1, 199 und 17 III ualra'm ia
söbramars? Non ies, tant es auta e richa Arch. 51, 5 a.
Am Anfang hatte er allerdings darin, dass er ihr nicht
ebenbürtig war, keinen Hinderungsgrund gesehen — vgl.
59 VH Qu'eu vi l’or’e vos la vitz, Non euidera us amiranz
Mi nogues: dem los maudiga! B. Chr. 108 —, um so mehr
war er hernach enttäuscht, als er sich durch Leute von
niederer Gesinnung verdrängt sah: 37 IV Farai doncs uas
Amor orguoill, Si’ll die qe'm teigna a desonor Qu’il seru
mieills un galiador Gami qe’il suifise uerais? Arch. 33, 329a,
28 und 59 VI Pustd’en son oil e cranc, Qui’us me cuid'aver
forducha B. Chr. 108.
Als ihm nun seine Angebetete die Freundschaft auf¬
sagte, geriet er in grosse Aufregung (s. I 2. 7 und 8) und
wandte sich in seiner Not um Rat an die donsela Ala-
manda (I 1).
c) Dichtgattung und Autorschaft.
Keine der 14 Hdss., in denen das Gedicht steht, ent¬
hält eine Angabe Uber die Gattung, der es zugehöre; in
denjenigen Manuskripten, welche die Dichtungen nach ihren
Arten geordnet enthalten, ist es den „Liedern“ eingereiht:
in D, dessen fol. 1—118 Lieder und fol. 143—151 Tenzonen
aufweisen, steht es auf fol. 11 und 12 und in I, in dem
sich die Lieder auf fol. 11—150 befinden, auf fol. 23. Daher
ist es denn auch in Bartschs Verzeichnis unter 242,69 nicht
als Tenzone bezeichnet, und Maus, Peire Cardenals Strophen¬
bau S. 21, sowie Thomas a. a. O., S. 18, Anm. halten es
für eine Kanzone. Hingegen nennt es Chabaneau (H. L.
10, 328a) Tenzone, ebenso Zenker, die prov. Tenzone S.
48 u. 85, Knobloch, die Streitged. im Prov. und Afz. S. 15,
Selbach, Streitgedichte S. 54, Jeanroy a. a. O., S. 293/4,
Stimming zu BBorn 2 6,25 und Appel, Chrestomathie S. 129,
und dies mit Recht, denn nicht nur der Form nach ist es
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34
ein Streitgedicht, sondern auch seinem Inhalte gemäss kann
es für solches gelten, da, wie Diez, Poesie der Troub., S.
114, 187/8 bemerkt, auch blosse Zwiegespräche über per¬
sönliche Verhältnisse, bei denen zuweilen ein bitterer Wort¬
wechsel stattfindet, den Tenzonen beizuzählen sind.
Trägt man nun auch kein Bedenken mehr, in dem
Gedichte eine Tenzone zu sehen, so gehen doch hinsichtlich
der Frage, ob die Tenzone eine fingierte oder eine wirk¬
liche sei, d. h. ob Guiraut das Ganze allein oder ob er die
Strophen mit Alamanda abwechselnd gedichtet habe, die
Meinungen auseinander. Appel führt in seiner Chrest. S.
129 das Gedicht als fingierte Tenzone auf; dagegen zählt
es Knobloch S. 15 zu den wirklichen Tenzonen, Selbach
S. 38, obwohl er nach seiner Bemerkung S. 56 die razo
noch nicht kannte, und Zenker S. 48 nehmen gleichfalls für
die Entstehung des Gedichtes das persönliche Zusammensein
der Dichter an, Barbieri (s. Mussafia, Sitzungsber. der phil.-
hist. Klasse der Wiener Akad. d. Wissschft., Bd. 76 S. 209)
reiht Alamanda allein auf Grund dieses Gedichtes den tro-
bairitz ein, und Chabaneau (H. L. 10, 320a u. 327 b), sowie
O. Schultz, die prov. Dichterinnen, S. 9 und 19 nehmen
keinen Anstand, die 2., 4., 6. und 8. Str. nebst der 2. Torn.
als von Alamanda selbst herrührend zu betrachten; auch
Stimming zu BBorn 4 7,73 citiert Worte der „Alamanda“.
Wenn nun auch die Hdss. in der Ueberschrift nur
Guiraut als Verfasser des Gedichtes vermerken, so genügt
doch dieser Grund keineswegs, um Alamanda ihren Anteil
an der Autorschaft gänzlich abzusprechen; denn „il arrive
souvent que le nom seulement de l’un d’eux soit donn6“,
sagt Jeanroy S. 291/2 von den Tenzonendichtern, und „c’est
l’usage presque constant des Chansonniers franqais.“ Es
lassen sich aber für die persönliche Teilnahme der Zofe an
der Abfassung des Gedichtes auch noch verschiedene Gründe
geltend machen:
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35
1. Allem Anscheine nach ist Alamanda eine Dichterin
gewesen; denn
«) Chabaneaus Vermutung (H. L. 10, 328 Anm. 1),
die Tenzone Bona dona , tan vos ai fin eoratge B. Gr. 461,56,
welche bei Selbach S. 102 und bei O. Schultz, Dichterinnen
S. 29 gedruckt ist, sei ein von Alamanda und ihrer Herrin
verfasster Dialog, der sich auf Guirauts Liebespein beziehe,
findet ihre Bestätigung in dem zu Guirauts eigenen An¬
gaben passenden Inhalt, an welchen sich auch Bemerkungen
wie die von Guiraut in 39 I gemachte Ja m vai revenen
D'un dol e d’un’ira Mos cors, quar aten Per sod hon coven
Amnen e jai, Per qu'ieu chantarai; Qu’ogan non ehantera,
Pos vergiers ni pratz No m'adui solatz Ni chans per plais-
satz , Que l'auzelet fan Vas lo tom de Van MW. 1, 192 recht
gut anschliessen, ferner aber auch darin, dass Guirauts Ge¬
liebte in der That, Guirauts Worten in 40 VI zufolge No
m'es uis ben egaill Com desir e badaül E uiua cossiros E
qu’ella chan D'autrui dol sas (dolsas M.) chansos Arch. 33,
319a, 104, gleichfalls gedichtet zu haben scheint;
ß) wenn Bertran von Born in dem unserer Tenzone
nachgedichteten Sirventes (B. Gr. 80, 13, Stimming, S. 151,
25j sagt: Conselh volh dar ed son de n'Alamanda, so ist
darin wohl nicht nur ein Hinweis auf das unter dem Namen
der Alamanda bekannt gewesene Gedicht zu erblicken, wie
Bartsch, ZfrP. III 409 ff., Thomas, Bertr. de Born S. 18,
Anm. u. Witthoeft, Sirv. jogl. S. 54 meinen. Vielmehr
scheint Bertran, wie Uc von San Circ „ed son d'en Armut
Plagues“ (457, 21, 4) und „en aquest so d’en Gui“ (457, 42,
1). Peire Bremon „ed so de ser Gui “ (330, 20, 1) und Guilhem
von Berguedon „en est so velh antic Que fetz n'Ot de Mon-
cada “ (210, 7, 3; s. Chabaneau, H. L. 10, 369a) zu dichten
vorgeben und damit auf die von ihnen nachgeahmten Dichter
hinweisen, gleichfalls mit jenen Worten andeuten zu wollen,
dass er sich der von der Dichterin Alamanda verwendeten
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36
Strophenform bedient habe 1 . Sind auch Singweise und Reime
von Guiraut, als dem ersten Interlokutor, geschaffen worden 9 ,
so hätte doch Bertran immerhin nur e'l son de n'Alamanda
Rat erteilen können, da ja Alamanda die Ratgeberin,
Guiraut dagegen der Empfänger des Rates gewesen ist.
2. Guiraut spricht selbst davon, wie sehr er in seinen
Liebesangelegenheiten fremden Rates bedürfe; so heisst es in
dem im zweiten Jahre seines Dichterberufes (s.Str. II, cit. S. 24)
entstandenen Lied 5, Str. VII: Er dir an tug qu’ieu dis ogan
Qvüa tot turne qui ben ames Agr ’ ops un bon amic trobes, On
de re no s'anes dubtan; Quar us no sab de que ni quan
Li er ops qu'om lo cosselhes, Per qu y ieu die qu'a'ls fis ama-
dors Es valedors Cosselh(s) privatz MW. 1,190. Da er aber,
wie wir S. 26/7 sahen, keinem seiner Freunde von seinem
Liebesverhältnis auch nur die geringste Mitteilung zu machen
sich getraute, so blieb ihm nichts anderes übrig, als die
1 Wenn von dem Gedichte des Mönchs von Montaudon Fort m'e-
noja (B. Gr. 305, 10) die razo in R besagt, es sei el so» de la Bossa
verfertigt, und nach Philippson, Mönch von Mont.. S. 96, Klein, Mönch
von Mont., S. 103 und Maus, a. a. O. S. 19 diese Bemerkung auf BBora
37 als Vorbild hinweist, weil dieses Gedicht wegen seines Refrain Wortes
rassa unter diesem Namen bekannt gewesen sei, so wäre es auch hier
nicht ausgeschlossen, dass auf den Urheber der Vorlage selbst angespielt
werden sollte, der ja auch nebenbei Rassa hiess, denn Bertrans de Born
si s'apellava Rassa ab lo comte Jaufre de Bretanha (Stimming BBorn,
S. 121).
2 Tenzone I und III könnten Selbach für seine Behauptung (8. 100),
dass es in der That originale Strophenformen von Tenzonen gebe, den
von Appel, LfgrP. 8,78 verlangten Beweis an die Hand geben, da Guir.
sich kaum je, indem er andere nachgeahmt hätte, mit fremden Federn
geschmückt haben würde, wozu er (s. S. 6 u. Anm. 1) auch zu stolz gewesen
wäre; sehr abfällig beurteilt er solche Eingriffe in fremdes geistiges
Eigentum in 67 V: us s' en fazta clamaire De’ls ditz , don autr'era laire %
Com fes de la gralha paus MW. 1,197. Andrerseits wird Ged. VI mit
Bezug auf 437,10=76,2 Appels Worte, „dass unsere Unkenntnis des
Vorbüdes noch nicht für die Originalität der Strophenform entscheidet,*
bestätigen.
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wohl von ihrer Herrin eingeweihte Zofe um Rat und Ver¬
mittlung anzugehen.
3. Was den Stil, den Inhalt und die Lebhaftigkeit der
Wechselrede angeht, so würde zwar das sechsmalige que in
der 1. Str., düe parenthetische Stellung des y. 19, die
Anakoluthie in v. 21—23, das Auslassen der den Ein¬
wand einleitenden Worte nach v. 27 und die bittere Ironie
der Alamanda in v. 32 auch in einer fingierten Tenzone
denkbar sein; auffallender für eine solche wäre aber
der Umstand, dass der Dichter der Zofe in v. 37/8 für den
Fall, dass sie nicht schweige, Schläge anbietet, was doch
voraussetzen lässt, dass sie in seiner Nähe sei und zu ihm
spreche. In einer fingierten Tenzone hätte er auch Worte,
durch welche ihm die Gunst der donsela, an deren Für¬
sprache ihm ja gerade so viel gelegen ist, für immer ver¬
loren gegangen wäre, gewiss nicht stehen lassen, da hätte
er auch sein unhöfliches Betragen nicht mit der schnell
wechselnden Stimmung des Liebhabers (s. 52/3) entschuldigen,
und ebensowenig hätte ihm von Alamanda verziehen und
Unterstützung zugesagt werden können, wenn dieselbe nicht
jene Grobheit seiner augenblicklichen, von ihr selbst beob¬
achteten Erregung zu Gute gehalten hätte.
4. Zur Zeit des Bruches, der unser Streitgedicht ver-
anlasste, lebte Guiraut am Orte seiner Geliebten, also auch
in Alamandas Nähe; dies ergiebt sich aus 49 II u. DI:
Al car si saubesson üh Quan sai valgr’us paues cortils Mais
c’ab eh us palaitz grans. Mout m'es lor solatz estrans, Eparra
me deshonors, S’ai eh tom e m’encontrada. Qui m’o lauza,
be noni vol, E tu, vars cors, qu'o volguist Que tan clar’amors
rovilh, En re no fist que gentih B. Lb. 66, 11, sowie aus
35 V: De h lausengiers me tenc molt per pagatz — Zo qe
no’n fa hom mais, de mi Vengage — Car m'an faidit de l
pah on estaz; Q'en tan m'era lo uer(s) deufs) d’agradage,
Q’eu fora morz; qe fins amics, qan ue Zo ch’ama fort, e altra
8
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pro no'i te, Mor de desir, don uoill mais qe m’aucia Amor(s)
cai (1. f ai=sai) loing qe lai, si non l’auia Arch. 33, 308 a.
6. Ist auch das Zeugnis der razo nicht unbedingt
entscheidend, so zeigt es doch zum mindesten, dass man
schon zur Zeit der Abfassung derselben gegen die Annahme
von Alamandas Autorschaft für die betreffenden Strophen
keine Bedenken hatte. Auch bei Raimon Vidal, der seiner
Novelle So fo e’l ternps c’om era iays Guirauts Liebesver¬
hältnis zu Grunde gelegt zu haben scheint 1 , wenngleich er
die Schicksale desselben später mit denen andrer Trobadors
verquickt haben mag — so z. B. spielen die 7 Jahre unbe-
lohnter Liebe (v. 121, 191, 243 etc.) bei Gaucelm Faidit (H. L.
243 b) eine Rolle —, geht der Ritter die Zofe persönlich um
ihre Vermittlung an.
Nach alledem möchte ich mich der ja auch mehr ver¬
tretenen Ansicht derer zuneigen, welche in dem Dialoge
eine wirkliche Tenzone sehen.
d) Metrisches.
Das Gedicht besteht aus 8X8+2X2 Versen oder aus
4 Strophenpaaren ( coblas doblas) und 2 Geleiten ( tomadas ).
Das Schema der Strophe ist:
10a- 10a- 10a- 10a- 10a- 4b 10a- 6b.
a, ist anda, a s onda, a„ era, a 4 uda, b ist durchweg
atz. Hinsichtlich der Gliederung der Strophe wird die Ver¬
öffentlichung der zu dem Liede gehörigen Noten aus der
Hds. R abzuwarten sein.
Eine lyrische Cäsur findet sich in v. 36.
Bei Maus ist das Gedicht S. 87 unter Nr. 3 und S. 97 unter
Nr. 22 erwähnt. Ebendaselbst S. 21 und in der Anm. dazu
1 Raimon lässt seinen Helden gleichfalls in Guirauts Heimat, der
Gegend von Essiduelh, zu Hause sein (ed. Cornicelius v. 4) und giebt ihm
nur wenig Vermögen (v. 14/5), citiert nicht nur Guiraut häufig mit Quellen¬
angabe (z. B. v. 269, 291, 320), sondern spricht auch sonst in seinen Aus¬
drücken (v. 180:148; 192:48,14 u. 2) oder doch in seiner.Weise (v. 276/7:1
1 u. 2; 264/6:19/10; 807:1 63).
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S. 91 ist auch von Entlehnungen seiner Strophenform die
Bede. Dass sich Bertran von Born in seinem Ged. D'un
sirventes no-tn cal far lonhor ganda Guirauts Si’us quer
coseih zum Vorbilde genommen hat, unterliegt keinem Zweifel.
Anders ist es mit Peire Cardenal 45, für das mit Maus
Entlehnung der Form anzunehmen, bei der Verschiedenheit
des Versmasses und des Versgeschlechtes nicht angängig
sein dürfte. Spräche man aber dennoch von einer Nach¬
ahmung durch Peire, so würde Bartschs auch von Maus
aus ZfrP. 3,409 herangezogene und acceptierte Ansicht, weil
Bertran Sirventesendichter gewesen sei* habe sich Peire
hier unzweifelhaft an Bertran und nicht an Guiraut ange¬
lehnt, hinfällig, wenn man bedenkt, dass auch Guiraut eine
Anzahl Sirventese gedichtet (s. S.14/5) und dass ja Peire auch
sonst nachweislich (s. Maus, S. 46 ff.) Guiraut nachgeahmt hat.
Was Tomier (s. Maus, S. 91) betrifft, so hätte Maus, nach¬
dem er einmal angenommen hatte, Peire sei in der Reim¬
folge Bertran gefolgt, sagen können, dass gerade die
Neuerung in der 7. Zeile bei Tomier darauf hinzudeuten
scheine, dass dieser es war, der P. Cardenals Form modi-
ficiert hat.
II (242,14=287,1).
Die dunkle Manier.
a) Inhalt. 1
I. Linhaure ersucht Guiraut um Aufschluss darüber,
warum er denn eigentlich die dunkle Dichtweise tadle, deren
Anwendung einem doch allein die Möglichkeit gewähre, sich
in dem grossen Dichterhaufen hervorzuthun.
1 vgl. Millot 2,11, Diez, L. u. W. 132, Poesie 72, Hist. litt, de
la France 17, 461, Brinckmeier, die prov. Troub. S. 164 u. die prov.
Troub. als lyr. u. polit. Dichter 8. 166, Azals, Les troub. de B4z. S.
XXIV, Balaguer 1, 166, Knobloch 8. 17, Selbach 8. 66, Zenker 8. 86.
— An verschiedenen Stellen dieses Gedichtes ist die Deutung höchst un¬
sicher, demgemlss auch die Gestaltung des Textes problematisch.
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40
II. Guiraut stellt jedem anheim, zu dichten, in welcher
Weise es ihm beliebe; er seinerseits hält es aber für ver¬
dienstlicher, die Gedichte in einer gemeinverständlichen Art
abzufassen.
m. Linhaure wünscht, dass seine mit so grosser
Mühe verfertigten Gedichte auch recht gewürdigt und nicht
mit den niedrigen poetischen Erzeugnissen gewöhnlicher
Dichter in eine Eeihe gestellt werden (?); er schreibe nur
für ein kunstverständiges Publikum.
IV. Guiraut bemerkt, auch er scheue keine Arbeit
beim Dichten; jedoch gehe sein Bemühen gerade dahin, seine
Gedichte recht klar und möglichst vielen zugänglich zu
machen; die grosse Verbreitung, die sie dann fänden, sei
der beste Lohn für die auf das Dichten verwendete An¬
strengung.
V. Linhaure bleibt dabei, dass es ihm mehr Genug-
thuung verschaffe, wenn auch nur für wenige etwas Be¬
sonderes, als etwas Gewöhnliches für viele geschaffen zu
haben.
VI. Guiraut meint, ein treuer Liebender beabsichtige
nur Gutes mit seinem Widerspruch; sollte aber jemand eins
seiner bei der grossen Masse beliebt gewordenen Gedichte, das
schwerer zu verfassen sei als ein dunkles, unverständliches
Lied, dennoch abfällig beurteilen, so mag er, wenn er auch
seine Missbilligung nicht zu begründen wüsste, es immerhin
bei seinen Leuten durch schlechten Vortrag in Verruf
bringen (?).
VII. Linhaure versteht seinen Mitunterredner plötzlich
garnicht mehr 1 ; er fühlt aber wohl den Argwohn Guirauts
heraus und bricht daher das betreffende Gespräch ab, um
sich seine gute Stimmung nicht zu verderben.
1 „Mir scheint, dass Guir. in scherzhafter Absicht selbst eine dunkle
Strophe gemacht hat, und Linh. nunmehr erklärt, er wisse auf einmal
garnicht mehr, wovon sie eigentlich reden.“ T.
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41
VIII. Guiraut entschuldigt sich wegen des von ihm
angeschlagenen Tones damit, dass die Treulosigkeit seiner
Geliebten ihm seit einiger Zeit den Kopf verdreht habe.
Er sei ja nicht des Grafen Untergebener, könne sich also
auch nicht beklagen, von ihm als seinem Herrn ungerecht
behandelt worden zu sein(?).
IX. Linhaure bedauert, dass Guiraut ihn zu Weih¬
nachten verlassen wolle.
X. Guiraut muss scheiden, da man ihn am königlichen
Hofe erwarte.
b) Das trobar eins und die Veranlassung zu dem
Gedichte.
Ueber das trobar (oder cantar) clus (oder ear, rie, oscur,
sotil, cobert), die dunkle, schwere, reiche oder versteckte
Dichtweise, welche im Gegensätze steht zum trobar leu
(i Imgier, plan), der klaren, hellen, leichten oder einfachen
Manier, vergleiche man Diez, Poesie S. 70 u. 100, L. u. W.
S. 131 und 351, Hist. litt, de la Fr. 17, 450, Bartsch im
Jb. 1, 195, Fauriel 2, 85, Canello, Arn. Dan. S. 17,
sowie Gröber im Grundriss 1, 4, (Iber das chiuso parlare ( dit-
tato forte oder sottile) in der altital. Liederpoesie Diez, Poesie
S. 277 und Gaspary, die sicil. Dichterschule des 13. Jhdts.
S. 107.
Hier kann es sich nur um den Standpunkt handeln,
welchen Guiraut von Bornelh zu den beiden Dichtweisen
eingenommen hat. Eine Zeitlang ist auch er Anhänger
und Verteidiger der überklinstlichen Manier gewesen, um
sich dann aber entschieden der einfachen Dichtweise zuzu¬
wenden; dies zeigt sich besonders deutlich in 51 VHI u. IX:
E vos entenäetz e veiatz Que sabetz mon lengatge, Quoras que
fezes motz serratz, S’eras no'ls fatz ben esclairatz. E soi m’en
per so esforsatz Qu'entendatz cals chansos eu fatz MW. 1,187.
Folgende Stellen zeigen ihn noch als Freund des
trobar eins: 10 VII E qui (1. cid) parra greus Vapenres De
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42
mon ehantar, No s'en laisse MG. 865; 72 VI Mas per miels assire
Mon xan (1. chari), Vau cercan Bos motz e cre Que son tug
eargat e ple D'us estrains sens naturals, E no sabon tuü de
quals Arch. 36, 414 und 42 II u. III Mas eras diran Que,
si m’esforsses, Cum leuieitz (leuet MU) chantes, MieiUs estera
asatz. E non es uertatz, Que sens e cartatz Adui pretz e
dona, Si cum l'uchaisona Nosens eslaissatz. Mas ben cre Que
ies ehantar se (ies chan(s) dese M) Non ual a’l comenssamen
Tarnt qant puois, qand hom Venten . . . Car s’ieu ioing ni
latz Menutz motz serratz, Puois en sui lauzatz, Qan ma razos
bona Par ni s’abandona; Com ben enseignatz . . Non uol
a'l mieu escien Ca totz chan comunalmen Arch. 33, 316,18.
Aus letzterer Stelle scheint schon hervorzugehen, dass es
Guiraut bald vor allem daran lag, in seinen Liedern verstanden
zu werden, und dass es insbesondere fremdem Einflüsse zu¬
zuschreiben war, wenn er eine Anzahl seiner Gedichte in der
dunklen Manier verfasste. Von diesem Einflüsse suchte er
sich später frei zu machen; dennoch blieben in seinen Dich¬
tungen immer noch genug Worte zurück, deren Verständnis
so ohne weiteres nicht möglich war. Fragt er in 66 III
E tu non entens Qu’ieu fas motz ben aprendens E ses maestria?
MW. 1, 200, so spricht er sich selbst über sein nicht in
jedem Falle von Erfolg begleitetes Bemühen um Deutlichkeit
in 16 I unumwunden aus: Aras sim fos en grat tengut,
Preir’ieu ses glut Un chantaret prim e menut, Q'e‘1 mon non
a Doctor que plus prim ni tant pla Lo preses Ni mieills
Vafines; E qui crezes Caissi chantes, Polira, Forbira Mon chan
Ses affan Oran. Mas allor (1. a'l lor) veiaire, Car non sabon
gaire, Faitt, car no l'esclaire D’aitan Que Ventendessm neus
l’enfan Arch. 51, 21. Wie ernst es ihm aber mit dem
Uebergange von der dunklen zur klaren Dichtweise gewesen
ist, mögen folgende Stellen aus seinen Gedichten bezeugen:
79 I Tot soauet e de’l (de V) pas Rizen jogan Vauc un
chantaret planan De ditz escurs Cus noi remaigna Arch.
34,400a, ferner 7 I A'l plus leu qu'ieu sai far chansos, Cum,
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seih que daur'ez estanha, Mi empren eras, mos doptos, Suj
mm saber non s'en franha (Sol mos sabers no'm soffraingna I);
Mas per tal mi platz assajar Cum leu chansoneta fezes,
Quar so chanfom mais qu'es meyns car, Per qu’eu uau planan
mm chantar D'escurs digz qu'om leu Vaprezes MG. 205 und
schließlich 11 I bis EU A penas sai comensar Un vers que
vudh far leugier; E si m’ai pessat des ier Que'l fezes de tal
razo Que Ventenda tota gens, E que'l fassa (1. fass'a) leu
chantar, Qu'ieu l fas per plan deportar. Be l saupra plus
cubert far, Mas nm a chans pretz mtier, Quan tug no'n sm
parsmier. Qui que's n'azir, mi sap bo, Quant aug dire per
cmtens Mo smet rauquet e clar, E Vaug a la fmt portar.
Ja plus (pois A, Arch. 51,24b) volrai clics trobar, Nm eug
aver mon (maint A) parier, Ab so que hm ai mesüer A far
una leu chanso; Qu'ieu eug qu'atrestan grans sens Es, qui
sap razm gardar Cum de'ls motz mtrebescar MW. 195/6.
Das letzte Citat zeigt, dass Guiraut in Ged. 11 zum ersten
Male seine neuen Grundsätze darlegen und zur Anwendung
bringen wollte. Durch die Worte Qui ques n'azir . . .
musste sich natürlich ein Mann, wie der in 42 ELI (cit. S. 42)
erwähnte om ben enseignatz, welcher ihn bisher davon ab¬
gehalten hatte, „für alle“ zu dichten, aufs höchste getroffen
fühlen, und es konnte nicht ausbleiben, dass Linhaure, der
die dunkle Manier zu der seinigen gemacht hatte und der
vielleicht gar unter jenem om enseignatz gemeint war, Guiraut
wegen der von ihm eingeschlagenen entgegengesetzten
Richtung zur Rede stellte. Dass Ged. 11 in der That die
Veranlassung# zu der Fragestellung des Linhaure und so zu
unserem Zwiegespräche gegeben habe, das meint schon Diez,
Poesie S. 72, und dieser Ansicht wird man auch, wie sich im
nächsten Abschnitt (5. Arg.) zeigen wird, vom chronologischen
Standpunkte aus zustimmen können.
c) Dichtgattung und Autorschaft.
Das Gedicht ist in 4 Hdss. erhalten; E und R nennen
es in der Ueberschrift eine Tenzone, während die beiden
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andern über seine Gattung nichts andeuten, wenn auch D‘
es nicht unter den auf fol. 199c—211a zusammenstehenden
Tenzonen, sondern auf S. 183 unter den Liedern bringt
(s. Gröber, Rom. Stud. 2, 463). In Anbetracht der Form
und des Inhalts des Gedichtes ist an der Angabe von E
und R nichts auszusetzen; daher wird es auch von Bartsch
im Grundriss als Tenzone vermerkt und allgemein als solche
anerkannt. Dass die Tenzone eine wirkliche sei, zeigt be¬
sonders das erste Geleit, in welchem Linhaure sein Bedauern
darüber ausspricht, dass Guiraut im Begriffe stehe, ihn zu
verlassen, was doch auf ein persönliches Zusammensein der
Dichter schliessen lässt.
Als Verfasser des Streitgedichtes ergeben sich aus den
im Gedichte verwendeten Anreden Linhaure und Guiraut
von Bornelh, welche denn auch in der Ueberschrift des
Gedichtes in E genannt sind. D* und N* setzen den Namen
des Raimbaut von Aurenga über das Gedicht, was Mussafia,
Del Cod. Est. di rime prov. R. 391 Anm. 2 für einen Irr¬
tum hält, der insofern leicht möglich gewesen sei, als die
Worte des Linhaure ganz im Sinne des der dunklen Manier
huldigenden Raimbaut von Aurenga gesprochen waren, wie
auch Chabaneau diese Attribution in der Rdlr. 19, 288 als
evidemment erronnee bezeichnet, da ja Linhaure ein auch
durch den Planh Guirauts (242,65) bekannter Trobador
gewesen wäre.
Die Frage, was denn den Veranstalter von D* und
N* oder ihrer gemeinschaftlichen Quelle veranlasst haben
mag, Raimbaut als den Verfasser oder Mitverfasser des
Gedichtes zu nennen, schien mir einer näheren Unter¬
suchung wert, die dann auch keine vergebliche gewesen ist.
Es hat sich nämlich gezeigt, dass D* und N* mit ihrer An¬
gabe völlig im Rechte sind, denn Linhaure and Raimbaut
von Aurenga sind eine and dieselbe Person.
Die Argumente, welche mich zu diesem Resultate
geführt haben, seien hier zusammengestellt:
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1. Es ist nicht gut denkbar, dass der Veranstalter
einer Sammlung ein Gedicht, in dessen erster Zeile der ihm
bekannte Trobador Guiraut von Bornelh angeredet wird
und dessen Str. III, V, VII u. IX mit dem Namen Guiraut
beginnen, während die Anfänge der Str. II, IV, VI, VIII
und X Linhaure als den Unterredner erkennen lassen, dem
Raimbaut von Aurenga ganz oder teilweise zugeschrieben
hätte, wenn dieser bei der Abfassung desselben völlig un¬
beteiligt gewesen wäre. Vielmehr zeigt dieser Umstand,
dass der im Gedichte von Guiraut von Bornelh als Linhaure
Angeredete in Wirklichkeit den von D* und N 2 in der
Ueberschrift angegebenen Namen Raimbaut d'Aurenga ge¬
habt habe.
2. Der Name Linhaure 1 ist als Versteckname ver¬
wendet worden. Gaucelms Faiditz, heisst es in der Biographie
dieses Dichters (H. L. 10, 246 b), si apellava . . . Lignaure
en Baimon d’Agot 2 .
8. Zur Anrede höher geborener Unterredner und
Gönner bedienten sich die Trobadors öfters der Versteck-
1 Für den Namen Linhaure giebt Emeric-David, Hist. litt, de la
Fr. 17, 449 die kaum ernst zu nehmende Etymologie „ignore res (qui
n’ignore rien)“. Ich versuchte, den Namen als vielleicht aus link aure
oder in der Form der Hdss. D* u. N 2 „Linhaura“ aus ltnA'aur(e)a her¬
vorgegangen und als das Produkt eines mit Anspielung an den Namen
Aurenga — wenngleich dieser mit aur (Gold) nichts zu thun habe,
sondern eine Umbildung von Arausica, Arausio sei — von Guiraut ge¬
machten und möglicher Weise (s. d. nächste Anm.) von G. Faidit nach¬
geahmten Wortspieles zu erklären ; Herr Prof. Tobler hält jedoch diese
Deutung, „wobei aure — aureus (durchaus unvolkstümliches Wort) wäre“,
fhr verfehlt und bemerkt, unter Berücksichtigung des altfranzösischen
Lai d* Jgnanre (s. Bartsch, Langue et littär. 553, sowie Rom. 7,459 und
8.368), das Gaston Paris, La litt^r. fran^aise au moyen flge* ß. 247
ins letzte Drittel des 12. Jahrhunderts setzt, „Vielleicht ist aus n’Jgnauro
durch Dissimilation L’Jgnaure entstanden, dessen L mit dem Namen
verwuchs“.
2 Wenn Rob. Meyer, das Leben des Trob. G. Faydit, S. 57 diese
Bemerkung des Biographen für „jedenfalls unrichtig“ hält, weil ja Li-
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namen, um ihr Verhältnis zu jenen vertraulicher zu ge¬
stalten und sich nicht fortwährend durch den Gebrauch der
wahren Namen oder Titel an den zwischen ihnen bestehen¬
den Rangesunterschied erinnern zu lassen. So nennt
R. von Miraval den Grafen Raimon VI. von Toulouse seinen
Audiart und R. von Vaqueiras den Grafen Guilhem von Baux
Engles (s. H. L. 10, 274a u. 295b), und so erklärt es sich
auch, dass Guiraut den Linhaure, den er in 17 VIII und
65 II moe Linhaure nennt, in unserer Tenzone anfangs
Senker Linhaure , nachher aber, ihn nicht mehr als den
Grafen, sondern nur noch als Kunstgenossen und Freund
betrachtend, einfach Linhaure anredet.
4. Raimbaut von Aurenga und Linhaure residierten
an dem nämlichen Orte. Raimbaut war in Orange (d6p.
Vaucluse, Provence) zu Hause (s. H. L. 10, 284a), Linhaure
gleichfalls in der Provence (vgl. Guiraut 65 IX) und zwar
nach 17 VIH lai pari Lers , d. h. in Orange, denn Lers an
gnaure „nachweislich der wirkliche Name eines provenzalischen Ritters*
war, nämlich desjenigen, der „Guir. v. Bornelh befreundet war und mit
ihm eine Tenzone dichtete* (S. 66), so hat 'er eben nicht erwogen, dass
auch Guiraut diesen Namen für seinen Freund als senhdl angewendet
haben konnte, wie doch oft dieselben Verstecknamen von verschiedenen
Trobadors auf verschiedene Personen bezogen worden sind. In der That
hatte auch Braeric-David (Hist. litt, de la Fr. 17, 449) schon in dem
von Guiraut gebrauchten Namen Linhaure einen senhal gesehen, wenn
er auch fälschlich glaubte, dass Alphons II. von Aragon damit bezeichnet
worden sei, dem gegenüber Guiraut doch aber sein Scheiden nicht damit
hätte entschuldigen können, dass er an „den königlichen Hof“ gehe. —
Vielleicht hat nach Guirauts Vorgang auch Gaucelm Faidit einen späteren
Verwandten des Raimbaut mit „Linhaure“ bezeichnen wollen. Da sich
der Versteckname auf den von der Biogr. (H. L. 10, 246 b) genannten
Raimon von Agot in der That nicht beziehen kann, weil in den Geleiten
von 167, 37 und 46 (MG. 71 u. 121) beide, Linhaure und Agot, zugleich
Vorkommen, so könnte man bei Gaucelms Linhaure an Wilhelm IV. von
Orange denken, welcher ja auch ein Gönner der Trobadors war (s. Diez,
L. u. W. 263. 396 Anm. 646) und Herrn Agoult nahe stand (s. H. L.
10, 286a und B. Gr. 209,2 III).
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der Rhone grenzte an die in der Diözese Orange gelegene
montagne Bellebuissonne (cf. Barth41emy, Inventaire des
Chartes de la maison de Baux, Marseille 1882, Nr. 1807,
1428, 629 u. 1727).
5. Beide lebten zu derselben Zeit. In dem Schmäh¬
lied des Peire von Alvernhe sind Guiraut von Bornelh und
Raimbaut von Aurenga als Zeitgenossen genannt (B. Chr.
80, 11 u. 81, 17, cf. Appel, P. Rog., S. 10); Guiraut war
aber auch Linhaures Zeitgenosse, wie die von beiden zu¬
sammen gedichtete Tenzone, sowie 17 VIII und Gedicht 65
zeigen, demnach werden auch Raimbaut und Linhaure
gleichzeitig gelebt haben. Dazu stimmt, dass diejenigen
Gedichte, in welchen Linhaure als noch lebend vorkommt, vor
1173, dem Todesjahre des Raimbaut von Aurenga, gedichtet
sein können. Es sind dies neben der Tenzone die Gedichte
17 und wahrscheinlich 37, wenn nämlich Hds. R mit Linaure
in Str. VII (MG. 841) gegenüber den anders lesenden Hdss.
ABN Recht behält. Die Tenzone ist allem Anscheine nach
mit der Satire des Peire von Alvernhe, welche vor 1173
entstanden ist (cf. Appel, P. Rog. S. 10), ungefähr gleich¬
zeitig gedichtet worden. Beide Dichtungen scheinen nämlich
durch dasselbe Gedicht, Guiraut 11, beeinflusst worden zu
sein. Betreffs unserer Tenzone wurde das schon S. 43 be¬
merkt, und diese ist dann gewiss nicht lange nach jenem
Gedichte Guirauts, von dem Linhaure als Freund und
Gönner des Verfassers schnell Kenntnis erhalten haben mag,
sobald Guiraut wieder zu ihm kam, gedichtet worden. Peire
ist wohl zu seinem Urteil, Guirauts Gesang sei ein chans
de velha portaseih (B. Chr. 80,14), durch dessen eigene Worte
in 11 II mi sap ho, quan . . l'aug a la font portar veran¬
lasst worden. Er hatte aber wahrscheinlich bei der Abfassung
seines Sirventeses auch von anderen bereits vorhandenen
Dichtungen Guirauts Kenntnis. Ged. 17 könnte mit seinen
Str. III und VII bei ihm das Gleichnis mit dem oire sec
und die Epitheta magre und dolen für Guirauts cantar her-
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vorgerufen haben, aber auch sonst hindert uns nichts, Ged.
17 vor 1173 anzusetzen. Was schliesslich Ged. 37 betrifft,
so ist Diez’ von Millot 2, 8 übernommene Angabe, es sei
zwischen 1217 und 1230 entstanden (s. Diez, L. u. W.
S. 133), in der Hist. litt, de la Fr. 17,449 und von Suchier,
Jb. 14,305 Anm. bereits dahin richtig gestellt worden, dass
es eher zwischen 1158 und 1188 gedichtet worden sei.
6. Raimbaut und Linhaure waren „Herren“ und
„Grafen“. Von dem Trobador Raimbaut von Aurenga wird
H. L. 3, 799 ausdrücklich konstatiert, dass er nicht ver¬
schieden sei von dem „fils de Guillaume d’Omelas etcomte
ou seigneur d’Orange“; den Linhaure redet Guiraut H 8
Senhe-n an, spricht 65 VI von der führenden Stellung, welche
er im Lande eingenommen habe, und bezeichnet H 56
(s. d. Anm. dazu) einen Untergebenen desselben mit dem Worte
comtal.
7. Beide zeichneten sich durch Tapferkeit aus. Raim¬
baut war ein bans cavailliers d’armas (s. d. Biogr.), und mit
Linhaure hätte selbst Olivier sich nicht messen können
(65 V).
8. Beide waren Dichter. Raimbaut wird in der Biogr.
bons trobaires de vers e de chansos genannt und hinterliess
etwa 40 Gedichte (cf. H. L. 10, 376a), und dass Linhaure
Verse machte, zeigt ausser II 16 u. 29 auch 65 VII, wo
Guiraut Linhaures trobars esmeratz lobend erwähnt.
9. Beide dichteten in der dunklen Manier. Von Raim¬
baut sagt die Biogr.: mout s’entendet en far caras rimas e
clusas, und Linhaure zeigt sich als Anhänger des trobar
eins in Str. I, III u. V der Tenzone.
10. Beide waren Gönner der Trobadors. Raimbaut
von Aurenga begünstigte z. B. den Peire Rogier, dessen
Biogr. berichtet lonc temps estet ab en Raembaut d’Aurenga
(H. L. 10, 261 a), und Linhaure, dessen largetatz in 65 VIH
gerühmt wird, bedauert in II 57/8 Guirauts Abreise.
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11. Beide hatten Beziehungen zu Guiraut(von Bomelh).
Linhaure und Guiraut von Bornelh waren Freunde nach
17 VIH u. 65 II. Raimbaut von Aurenga entsendet einmal
einen Boten Än Giraud, de cui ai peccat, A Perpignan, pari
Laucata MW. 1,76; da aber Guiraut von Bornelh viel mit
Alfons II. von Aragon verkehrte 1 , welcher häufig in Per¬
pignan residierte und schliesslich auch dort starb, so ist es
nicht unwahrscheinlich, dass er mit jenem „Herrn Giraud“
gemeint gewesen sei, zumal da er auch späterhin mit
der Familie der Baux in Verkehr gestanden zu haben
scheint*. Der Titel „Herr“ dürfte, wenn auch Linhaure
Guiraut in der Tenzone nirgends mit demselben anspricht,
doch da, wo L. einem Boten gegenüber von G. redet,
kaum Bedenken erregen; übrigens bedient sich Alamanda
I 57 der Anrede: Senker Guiraut.
12. Der eine und der andere wird als esenhatz gelobt,
Raimbaut in der Biogr. und Linhaure bei Guiraut 65IV u. V.
13. Beide zeigten eine grosse Verehrung für Frauen.
Von Raimbaut sagt die Biogr.: Mout se deleitet en domnas
onradas e en domnei onrat, und im Hinblick auf den Tod
Linhaures sagt Guiraut 65 VI Ar es. . . dompneis oblidatz.
14. Beide konnten in der Freude sehr ausgelassen
sein. Betreffs Raimbauts genüge es, auf 389,1 hinzuweisen
> g. Bern. 2 in dem Abschnitte b der Besprechung der Tenz. III.
* Vielleicht ist unter der Pro contessa cui Proenea mante Et tot
lo mal * fax tomar en he in 36 VII die Gräfin Tiburge, Raimbauts
Schwester, zu verstehen, welche von 1181—1183 in Orange regiert zu
haben scheint (cf. Barthdlemy a. a. O. Nr. 74 ff., sowie Chab., H. L. 10,
296 Anm. 1 u. Schultz, Briefe 7 Anm. 21). In den beiden Bertrans,
welche in 46 X erwähnt werden, mochte ich nicht, wie Diez, L. u. W.
146, Guilbem von S. Didier und seine Freundin, die sich unter einander
und mit Hugo Marschall „Bertran* nannten, sehen, sondern fiertran de
Bauz I. und seinen Sohn Bertran. Das Gedicht wäre dann kurz vor
dem Tode des älteren Bertran (1180/1, cf. Barthelemy Nr. 73-76) ver¬
fasst worden (8. Hist. litt, de ls Fr. 17, 448); l'us de'ls Bertran» in
68 VI ist dann wohl der jttngere B.
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und daraus den von Diez, L. u. W. 63 übersetzten Satz
anzuführen: „Soviel Freude habe ich, dass ich tausend Be¬
trübte damit bereichern könnte, und alle meine Verwandten
könnten ohne Nahrung bloss von meiner Freude leben“;
die bela foudatz des Linhaure wird von Guiraut in 65 VI
besonders hervorgehoben.
15. Beide schwören beim heiligen Marsal, Raimbaut
389, 6 VI und Linhaure II 57.
16. Der Tod beider fällt in dieselbe Zeit. Raimbaut
starb gegen 1173 (s. Diez, L. u. W. 68). Auch Linhaures
Ende lässt sich wohl auf 1173 ansetzen, wenigstens scheinen
die in dem Geleite des Klageliedes auf den Tod Linhaures
wohl an einen der Hinterbliebenen gerichteten Worte 65 X:
jBeiz «eigner francs, si fos aciers Lo coms, si'm degra fax
eartiers MG. 126 „wenn der Graf Stahl wäre, müsste er
sich ergeben (F) 1 2 * * “ der damaligen Lage des Grafen Raimond V.
von Toulouse zu entsprechen, welcher gegen den mit
dem Hause Baux verbündeten* König Alfons II. von Aragon
Krieg führte und wirklich diesen im Nov. 1174 um Frieden
bat, nachdem er schon 1173 dem König Heinrich II. von
England und 1174 dem Papste Alexander HI. unter¬
legen war.
17. Beide starben in der Provence, Raimbaut in
Courteson (Orange), s. H. L. 3, 799, und Linhaure in seiner
Heimat (s. Guiraut 65 HI und IX).
18. Beide starben vorzeitig. Raimbaut ist in dem am
8. März 1155 ausgefertigten Testament seines Vaters als
minderjährig erwähnt und erhält einen Vormund, der ihn
erziehen, beschützen und zum Soldaten machen solle 8 (H. L.
5, Sp. 1177); zur Zeit der darauf folgenden Urkunde vom
1 s. auch Littre s. v. quartier 4, 1406 b und c.
2 s. H. L. 6,26.
8 Raimbaut von Aurenga kann also nicht, wie Diez, L. u. W. 62
angiebt, schon 1160 selbständig regiert haben.
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März 1158 (eb. Sp. 1178) scheint er seine Qrossjährigkeit
erreicht zu haben, so dass als sein Geburtsjahr etwa das
Jahr 1140 gelten könnte; demnach wäre er in der That
nur ungefähr 33 Jahre alt geworden. Dass Linhaure allzu
früh starb, ergiebt sich aus Guiraut 65 II a dien non platz
Que nuills mos bos amics priuatz Viua tant cum Yautra gens
fax; Aissi m’eschai per mon Hygnaure MG. 126.
19. Die Form, welche Linhaure als Fragesteller den
Strophen der Tenzone giebt, ist ähnlich derjenigen einiger
Gedichte des Raimbaut; B. Gr. 389, 1, 5, 7, 8, 11, 20, 23
und 27 sind gleichfalls in 7-zeiligen Strophen gedichtet,
davon 7, 8, 11 und 27 auch in'4-reimigen Strophen. Auch
in der Beimfolge stehen besonders 389,7 u. 8 derjenigen
Linhaures nahe; ist das Reimschema unserer Tenzone
a b b c c d d,
so ist dasjenige von 389,8 a b b c c d a
und das von 389,7 a a b c c d d.
20. Wäre Linhaure der wirkliche Name des Freundes
Guirauts, so müsste es schon sonderbar erscheinen, dass
von den Gedichten des allem Anscheine nach recht frucht¬
baren Trobadors Linhaure, von den von einem Guiraut
von Bornelh als trobars esmeratz (65 VII) bezeichnten
Liedern, ausser jenen Strophen unserer Tenzone garnichts
auf uns gekommen sein sollte; kaum glaublich aber wäre
es, dass ein mit so grossen Tugenden ausgestatteter Graf
Linhaure existiert haben sollte, über den auch nicht eine
Notiz uns irgendwelchen Aufschluss gäbe.
Sprechen nun alle diese Gründe deutlich dafür, dass
Linhaure kein anderer als der Graf und Trobador Raimbaut
von Aurenga ist, so war andererseits ein Argument, das
dieser Identifizierung entgegen wäre, nirgends anzutreffen.
Demnach sind die Verfasser unserer Tenzone
Raimbaut von Aurenga und Guiraut von Bornelh.
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52
• d) Metrisches.
Das Gedicht umfasst 8 Strophen (coblas unisonans)
und 2 Geleite; jede Strophe hat 7, jedes Geleit 2 Zeilen. Das
Schema der Strophe ist:
8a 8b 8b 4c 4c 8d 8d.
a ist ein Korn (clavis, rims espars oder brutz); a elh,
b an, c atz, d al.
Homonyme (rührende) Reime (rims equivocs ) bilden pre-
zatz = pretiatis in v. 5 (Linhaure) und prezatz = pretiatus
in v. 12 (Guiraut), sowie mal = malum (Subst.) in v. 14
und mal = male (Adv.) in v. 41 (beide Male Guiraut); afan
in v. 23 und 38 (beide Male Guiraut) ist ein identischer Reim
(motz tomatz en rim), wenn man es nicht auch insofern
nur als rim equivoc ansehen möchte, als es das erste Mal,
im Gegensätze zu sojorn, den mühevollen Zustand oder die
rastlose Zeit, an zweiter Stelle aber die aufgewendete An¬
strengung bezeichnet.
Bei Maus ist die Tenzone, für welche Linhaure
Form und Reime angegeben hat, unter Nr. 6t>0,4 ver¬
zeichnet. -Die' übrigen unter Nr. 660 angegebenen Ge¬
dichte haben zwar dieselbe Reimfolge, aber andere Reim¬
endungen und Verslängen, so dass, zumal bei der nicht un¬
gewöhnlichen Anordnung der Reime, von Beziehungen der¬
selben zu unserem Gedichte schwerlich die Rede sein dürfte.
HI (242,22 = 324,1).
Der König als Liebhaber.
a) Inhalt 1 .
I. Guiraut bittet den König, ihm, falls er Zeit habe,
freimütig darüber Auskunft zu erteilen, ob er als Herrscher
einer edlen Dame ebenso aufrichtig huldige, wie dies ein
1 s. (Jliasteuil, Rdlr. 23,72 u. Jeanroy, Ann. du midi 2, 467. —
Ihrem Inhalte nach stehen diesem Gedichte nabe 146,1; 201,2; 119,6
(s. Selbach 8. 76).
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— 68 —
gewöhnlicher wackerer Ritter thun würde; er frage nicht
in böser Absicht.
II. Der König erwiedert, seine hohe Stellung könne
ihn doch unmöglich daran hindern, eine Dame aufrichtig
zu lieben.
III. Quiraut bestreitet, dass eine edle Dame einem
Mächtigen, der ja doch nur darauf ausgehe, seinen Leiden¬
schaften zu fröhnen, lediglich um seiner Hoheit willen ihre
Liebe schenken werde.
IV. Der König macht dagegen geltend, dass einen
Mann von guten Charaktereigenschaften sein hoher Rang
den Damen doch nur um so begehrenswerter erscheinen
lassen müsse.
V. Guiraut beschuldigt die Mächtigen, von Anfang
an die äusserste Gunst von ihren Damen zu verlangen,
während es doch Sache eines treuen Liebhabers sei, sich
durch längeres Dienen des Liebesgenusses erst k würdig zu
zeigen.
VI. Der König will in Liebessachen seine Machtstellung
niemals missbraucht und sich ihrer nur bedient haben, wo
es galt, sich die Freundschaft einer ehrenwerten Geliebten
zu bewahren. Liebten auch andere Mächtige bald diese,
bald jene, so könne er von sich versichern, dass er es mit
den guten Damen ehrlich meine.
VII. Guiraut sähe gern, wenn auch sein Solatz de
Quer und Herr Topiner offen Damen liebten.
VIH. Der König wünschte, dass sie, da sie dies wohl
in leichtsinniger Weise thun würden, ihm nur nicht in
seinen Liebesangelegenheiten in den Weg kämen; er habe
auch so schon keinen Mangel an Nebenbuhlern.
b) Dichtgattung und Autorschaft.
Von den 4 Hdss. D*IKQ giebt zwar keine an, welcher
Gattung das Gedicht angehöre; in I steht es aber unter
den Tenzonen, welche die Seiten 151—163 einnehmen
4
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54
(cf. Gröber, Rom. Stud. 2, 464), auf fol. 154; ausserdem
nennen D* und I in der Ueberschrift 2 Verfasser, und daher
hat Bartsch es im Grundriss und haben es andere mit
Recht als Tenzone bezeichnet. Selbach S. 72 hält das Ge¬
dicht für ein Partimen, Zenker S. 85 sagt nur, es enthalte
schon eine Art joc partit, und Jeanroy S. 294 weist dem
gegenüber darauf hin, dass doch, genau genommen, eine
mehrgliedrige Frage darin nicht gestellt sei, weshalb er es
auch S. 457 nicht als Partimen gelten lassen will. Es ist
ein Streitgedicht ohne joc partit, eine Tenzone im engeren
Sinne, und zwar eine wirkliche, da das persönliche Zu¬
sammensein der beiden Verfasser aus den Anfangszeilen
(s. d. Anm. dazu) hervorgeht.
Als Interlokutoren treten in dem Gedichte selbst
Guiraut von Bornelh und ein König auf, und die Ueber-
schriften in D* und I belehren uns darüber, dass sich hier
Guiraut mit dem König von Aragon im Wechselgespräch
befinde. Welcher König von Aragon gemeint sei, darüber
gehen die Vermutungen bisher weit auseinander. Chasteuil
nennt Guirauts Unterredner Alfons (s. Rdlr. 23,72), Bastero,
La Crusca prov. 1724, S. 72 sieht in ihm Alfons I. von
Aragon, Raynouard im Choix 5, 290 und im Lex. rom.
з, 218 b u. 4, 155 b Peter II.; ebenso Diez, L. u. W. 133,
Kannegiesser, Ged. d. Troub. S. 128, Bartsch im Grundriss
unter Nr. 324,1 sowie im Jb. 4, 338 und Zenker, S. 56, 85
и. 87; Emeric-David erkennt gleichfalls a. a. O., S. 443
Peter II. als den betreffenden König an und weist S. 449
die Meinung, Peter III. könne in Frage kommen, zurück;
Brinckmeier, die prov. Troub. (1844), S. 147, 153 und 155
schwankt zwischen Alfons I., Alfons II. und Peter II., Ba-
laguer zwischen Alfons II. (Bd. 1, 121) und Peter II.
(Bd. 1, 231 u. 6, 190), und Mila y Fontanals, Delostrov. en
Esp. S. 263 lässt die Frage, ob Alfons II. oder Peter II.
gemeint sei, unentschieden, während Chabaneau die auch
von Jeanroy S. 294 Anm. 1 ohne Zusatz wiederholte An-
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56
sicht ausspricht, der betreffende Teil der Tenzone werde
vielleicht eher dem Alfons II. als Peter n. zuzusprechen
sein (H. L. 10, 329 a u. 369 b).
Man sieht, die Verwirrung ist hier eine grosse und die Frage
einer näheren Untersuchung bedürftig. S. 24 sahen wir, dass
GuirautetwaimJahrell65 seine dichterische Laufbahn begann,
Ged. 6 dichtete er im Jahre 1189, als Richard, noch „Graf“, sich
zum Kreuzzuge rüstete (s. das Geleit: El coms Richartz es
ben gamitz MW. 1, 210), den Sirventes 73, in dem
er den wohl erst kurz vorher verstorbenen König Richard
preist, und Ged. 56, den Flank auf Aderaar V. von Limoges,
im Jahre 1199 1 . Der Sirv. 52 scheint das letzte Gedicht
Guirauts zu sein; das zeigen in Str. I die Worte Mas er
m’en sui giguitz und die Tornada: Eros non plus (mais A)
per gue no m’o demans (1. Eros non m’ais. Per gue? No m’o
demans!), Que blasmes er, si vau d’aissi clamans (oder, wie
A im Arch. 51, 8 b schreibt, Que plaingis) sera, s’aissi rema
mos chans) MW. 1, 203. Nach Chabaneau H. L. 10, 223
Anm. 6 wäre das Gedicht 1211 entstanden; da jedoch die
Angabe der razo, auf welche diese Datierung sich stützt,
mit dem Gedichte selbst, wie S. 28 gezeigt wurde, nicht im
Einklänge steht, so lässt sich daraus nicht ersehen, in
welchem Jahre Guiraut zu dichten aufgehört habe. Jeden¬
falls hat Suchier Recht, wenn er Jb. 14, 305 Anm. meint,
Diez habe „Guirauts poetische Thätigkeit zu spät angesetzt
oder doch zu weit ausgedehnt“, und ich möchte annehmen,
dass Guiraut kaum noch Uber das Ende des 12. Jahrhunderts
hinaus gedichtet habe, was auch dazu stimmen würde, dass
er in dem Schmähgedichte des Mönchs, für dessen Entstehung
sich als terminus ad quem jedenfalls das Jahr 1200 ergiebt(s.u.),
1 Demnach wird B. Or. 305,16, in dessen Anfang von einer An¬
zahl Dichter, zu denen auch Guiraut gehört, als von den trobadors que
«on passat die Rede ist, eher mit Philippson, der UOnch v. Montaudon,
S. 72 auf 1199(—1200), als mit Suchier Jb. 14,121 vor 1194 und mit
Levy, LgrP. 7,457 auf 1194—1199 anzusetzen sein.
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66
schon zu den „vergangenen“ Dichtern gerechnet wird.
Hat nun Guiraut von c. 1165 — c. 1200 Lieder
verfasst, so kann als der König von Aragon, welcher
die Tenzone mit ihm zusammen gedichtet haben soll,
nur entweder Alfons H. 1 (1162—1196) oder Peter H.
(1196—1213) in Betracht kommen. Wer von diesen beiden
der Interlokutor Guirauts gewesen sei, wird sich aus den
folgenden Bemerkungen unschwer erkennen lassen:
1. Unter den aragonesischen Königen ist nur Alfons II.
ein Dichter gewesen. Die prov. Lebensnachricht sagt (H. L.
10, 304a): Lo reis d'Aragon, aquel quetrobet, si ac nom Am-
fos ... que fo paire de’l rei Peire. Hätte Peter aber
Verse gemacht, so würde der Biograph es sicherlich gewusst
und nicht unterlassen haben, diese einen König betreffende
interessante Thatsache auch der Nachwelt mitzuteilen. Mit
Recht hat daher Chabaneau den Namen des Peter H. in
seine Trobadorlisten (H. L. 10, 320 b u. 322 b) garnicht auf¬
genommen.
2. König Alfons n. stand mit Guiraut von Bornelh
in freundschaftlichem Verkehr, was von Peter nicht nach¬
zuweisen ist:
a) Ist es auch nicht ausgeschlossen, dass der in 28 VI,
37 IX u. 76 VI von Guiraut genannte König Anfos der
König Alfons VHI. von Castilien (1158—1214) sein sollte,
der, wenngleich in Guirauts Gedichten nichts davon er¬
wähnt zu sein scheint, doch gemäss der 5. razo (H. L. 10,
223 b) den Dichter reich beschenkt haben soll, so ist doch
aus den Versen in 15 Vn E fora m'en plus tost tornatz,
Se’l seigner cui seru Aragos No me tenges Arch. 34,400a auf
freundschaftliche Beziehungen zwischen Guiraut und Alfons H.
1 König Alfons II. von Aragon hiess als Graf der Provence
Alfons I.; vielleicht liegt darin der Grund der irrtümlichen Kennung des
Alfons I. als Mitverfassers der Tenzone.
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57
von Aragon zu schliessen. Von Peter, an den Mil& S. 135
eher denken möchte, kann die Rede hier nicht sein, da das
Gedicht im Jahre 1192 entstanden ist (vgl. Hist. litt, de la
France 17,448).
ß) In dem in 2 VI angeredeten Senker reis <f Aragon
sieht schon Milä S. 113 den König Alfons II.; Diez, L. u. W,
134 deutet die Stelle auch auf Alfons H. oder, was bei
seiner Verschiebung 1 der Dichterzeit Guirauts nicht auffallen
kann, auf Jacob I. (1213—1276), dagegen könne Peter, „der
keine glückliche Thaten vollbrachte,“ nicht gemeint sein.
r) Guiraut hat sich eine Zeitlang in Spanien, wahr¬
scheinlich in Aragon und zwar am Hofe des Königs
Alfons II. aufgehalten. Dass er in Spanien war, ersieht
man aus 70 HI Si socors ded eors adreig , Ab que m eonort
e'm refraing, No'm uen ia sai part Vabril , A l tom q'ieu farai
d'Espaigna, Ja lai non crezatz Que flors ni uergiers ni pratz
Gaire m’aiut ni bo'm sia Nid chans pe'ls plaissatz Ni cCaur
trui paria No m'agrat tant cum solia Arch. 33,332 a u. aus
den an einen von ihm gesandten Boten gerichteten Worten
in 79 H a bos agurs Eissiras d'Espaigna Arch. 34,400. Auf
seinen Aufenthalt in Aragon aber weisen die Worte in 791
hin Caixi leu , si s'era plans, Poiria entre'ls Gatalans Passar
1 Der ebenda von Diez genannte König Sancho der Starke (1194
bis 1234) dürfte auch weniger der von Guiraut gemeinte König von Na¬
varra gewesen sein, als dessen Vater Sancho der Weise (1150—1194).
Die dem König von Guiraut in 66 IX und 67 VII gegebene Benennung
lo bos reis wäre jenem wohl nicht zugekommen (s. H. L. 223, razo 6 u.
Anm. 5), während letzterer auch von BBorn (s. Stimming zu 32,40) „der
gute König“ genannt wird. Uebrigens scheint die Form des Ged. 67
von Peire Vidal in dem Ged. 17 (ed. Bartsch) schon im Jahre 1187
(s. bezügl. der Entstehungszeit Schopf, Beitr. z. Biogr. des P. Vidal 1887
S. 28) nachgeahmt worden zu sein;
Guirauts Schema ist 7a 7b 7b 7a 7c- 7c- 7d,
dasjenige Peires 7a- 7b- 7b- 7a- 7c 7c 7d- .
Peire hat die männl. und weibl. Reime vertauscht und die Endung aire
gleichfalls verwendet
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58
en Proerna Arch. 36,421, wenn man dieselben nicht wie
MM S. 113 dahin versteht, dass Guiraut das Gedicht zu
den Katalanen in der Provence, sondern dass er es durch
das Gebiet der Katalanen hindurch nach der Provence
sendet. Die folgenden Worte Que chansos leu entenduda Sai (so
steht nach Mil4 in der Hds. V) val e lax fes uertuda (s'esuertuda H)
„denn ein leicht verstandenes Lied gilt hier und dort sucht
es sich Geltung zu verschaffen“ legen die Vermutung nahe,
dass Guiraut das von dunklen Worten gesäuberte Lied an
Linhaure (in der Provence) richtet, in der Hoffnung, dass
auch er, trotz seiner ausgesprochenen Abneigung gegen die
klare Manier, es so wohlgefällig aufnehmen werde, wie man
dies in Aragon thue. Ged. 79 schliesst sich mit seinem Be¬
mühen um Deutlichkeit im Ausdruck gut an die Tenzone über
die dunkle Manier an, und es könnte wegen seiner Strophe I
scheinen, dass Guiraut, als er es verfertigte, jenes Gespräch
mit Linhaure noch frisch im Gedächtnis gehabt habe.
Sicherlich ist 79 bald nach jener Tenzone geschrieben, und
wenn dort am Schlüsse Guiraut sagt, er müsse an den
königlichen Hof gehen, so ist damit wohl kein anderer als der
von Aragon und zwar, da der Verkehr mit Linhaure in die
Zeit vor 1173 fällt (s. S. 47 u. 50), der des Königs Alfons n.
gemeint.
<?) Alfons II. kannte die Dichtungen Guirauts. In der
2. Biogr. des BBorn (H. L. 10, 224b) heisst es: E-l reis
d’Arago dornt per molhers las chansons d’en Guiraut de Bor-
nelh a sos sirventes. Dieser König ist aber ohne Zweifel
Alfons H. gewesen, welcher sich für die Dichtungen der
Trobadors derartig interessierte, dass er, wie Nostradamus,
Les vies des po&tes prov. 1575 S. 2 berichtet (s. auch
Ginguenö, Hist. litt. d’Italie 1, 243 u. 303 Anm. 2), durch
den Mönch Hermenthre des Klosters St. Honorat eine Lieder¬
sammlung veranstalten liess.
3. Der Verstecknamen Solatz de Quer in v. 49 lässt
sich auf Verwandte des Hofes von Aragon deuten, welche
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59
aber nur bis 1182 diesen Namen hätten tragen können
(s. d. Anm.).
4. Das Ged. ist allem Anscheine nach von P. Vidal
schon um 1175 als Vorlage benutzt worden (vgl. den folgenden
Abschnitt).
Somit wird man nicht umhin können, sich für
Alfons II. von Aragon als den Unterredner Guirauts zu
entscheiden.
c) Metrisches.
Das Gedicht setzt sich zusammen aus 6 achtzeiligen
coblas unisonans und 2 dreizeiligen Geleiten. Das Schema
der Strophe ist:
8a 8b, 8b 8c; 8c 8d, 8d 8e.
a und e sind Körner, a ist eis, b er, c or, d er, e en. Zu
gliedern wäre die Strophe wohl in 2 pedes und 2 versus,
obgleich die rhythmischen mit den syntaktischen Pausen
dann öfters nicht zusammenfielen.
Der König gebraucht, was in einer Stegreifdichtung
entschuldbar ist 1 , zweimal dasselbe Wort valor in der näm¬
lichen Bedeutung im Reime (v. 29 u. 44).
Maus erwähnt das Gedicht unter 669,2. Peire Vidal
scheint die Form in zwei verschiedenen Liedern, 364, 23
und 25 (ed. Bartsch Nr. 26 und 11) nachgeahmt zu haben,
welche beide (s. darüber Schopf, S. 22) zu den
frühesten Liedern Peires gezählt werden, also etwa 1175
entstanden sind. Ersteres hat dieselbe Reimordnung und
gleichfalls nur männliche Reimendungen; letzteres hat neben
derselben Reimfolge auch die Endung or verwendet, zeigt
nur in der 8. Zeile weiblichen Reimausgang und erinnert
mit seinen vv. 22 und 23 E domna fax gran folor Que
s’enten en gran rieor stark an die vv. 18—21 bez. 39—40
1 s. B. Chr. 73, 18 u. 74, 1 beide Male avia=babebat im Reime.
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60
unseres Gedichtes. Ob Gavaudans 174, 3 (R. Ch. 3, 167)
sich an unser Gedicht, mit dem es die beiden dreizeiligen
Tornaden gemein hat, oder an 364, 23, mit dem es in den
Reimendungen d ir und e ar tibereinstimmt, anlehnt, ist
schwer zu bestimmen; BBorn 28, das nach Stimming, BBorn
S. 54 zwischen 1185 und 1186 entstanden ist, stimmt, was
seine Strophenform und selbst die Reimendungen betrifft,
genau zu 364,25.
Datierung der 3 Tenzonen.
Gedicht II „Die dunkle Manier“ entstand, da es von
Raimbaut von Aurenga mitverfasst wurde, jedenfalls vor
dessen Todesjahr 1173 und, wie wir S. 47 sahen, ungefähr
gleichzeitig mit dem vor 1173 gedichteten Rtigeliede desPeire
von Alvernhe. Aus seinen Geleiten zeigt sich, dass Guiraut
es vor seiner Abreise ves cort reial gedichtet habe. Alles deutet
darauf hin, dass unter diesem „königlichen Hofe“ derjenige
des Königs Alfons II. von Aragon zu verstehen
und dass unser Dichter dort seit Weihnachten 1168
einige Zeit zu Gaste gewesen sei. Seit 1166 weilte
Alfons in der Provence; er war mit dem Hause Baux
verbündet, also wohl auch ein Freund des Raimbaut von
Aurenga. Von diesem aus begab sich nun wahrscheinlich,
wie Peire Rogier (s. Appel, P. Rog. S. 9 u. 11), auch
Guiraut von Bornelh zum König Alfons II., der ja (nach
S. 56 ff.) freundschaftlichen Verkehr mit ihm unterhielt. S. 49
glaubten wir bereits Grund zu der Annahme zu haben, dass
der Guiraut in Perpignan, an welchen R. von Aurenga ein
Gedicht sandte, unser Dichter gewesen sei; schon in Perp.
mag er sich kurze Zeit bei Alfons aufgehalten haben. Als
aber dieser im Dezember des Jahres 1168 nach Spanien
zurückkehrte (s. Schmidt, Geschichte Aragoniens im Mittel-
alter S. 121 u. Anm. 4), da scheint auch Guiraut, der ja
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61
nach II 58 Weihnachten den Aufenthalt bei Linhaure mit
demjenigen am königlichen Hofe vertauschen sollte, ihm
nach Aragon gefolgt zu sein.
Die Tenzone HI könnte dann schon bei jenem Zusammen¬
sein Guirauts mit dem Könige, also im Winter 1168/9, ent¬
standen sein, zumal da Alfons II. in dem von Milä, Trov.
S. 265 auf 1170, von P. Meyer, Daurel et Beton S. I Anm.
allerdings viel später angesetzten ensenhamen des G. de
Cabrera als Dichter erwähnt wird; ist dem aber auch nicht
so, dann hat das Gespräch doch gewiss zwischen 1169, dem
Jahre, in welchem Guiraut an den 1152 geborenen Alfons
jene Frage wohl frühestens gerichtet hätte, und 1175, wo
seine Form allem Anscheine nach (s. S. 59) von P. Vidal
nacbgebildet wurde, stattgefunden, wenn man nicht 1174,
das Jahr von Alfons’ Vermählung, als den terminus ad quem
annehmen will.
In den Winter 1168/9 fiele etwa, wie wir S. 58 sahen, die
Entstehung des Ged. 79; aber auch 70, das in seiner 1. Str.
gleichfalls die verschiedenen Dichtweisen andeutet, hat
Guiraut wohl damals verfasst, und aus der S. 57 citierten
Str. HI dieses Gedichtes ist ersichtlich, dass er in der That
etwa einige Monate vor dem April, also die Zeit nach
„Weihnachten“, in Aragon verbracht haben mag.
Wäre nun Tenzone II wirklich vor Weihnachten des
Jahres 1168 entstanden, so stände dies wieder damit im Ein¬
klänge, dass das seiner Str. I gemäss gleichfalls beim Wechsel der
Dichtweisen verfasste Lied 45 auch deshalb im Jahre 1169 ge¬
dichtet zu sein scheint, weil Robert I. von Alvernhe, der
von Guiraut auch 55IX gerühmte Kenner, dem das Ged. 45
nach Str. I zugedacht war, gerade in diesem Jahre Delphin
wurde, bei welcher Gelegenheit der Dichter es ihm gewidmet
haben dürfte; mit dem Herrn Ebles, den das Gedicht wo¬
möglich „auf geradem Wege“ treffen sollte, ist dann wohl
der auch von P. Alvernhe in der vor 1173 entstandenen
Satire als Zeitgenosse erwähnte Ebles de Saignes gemeint,
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62
der ja ein Auvergnat gewesen sein soll (s. Chabaneau,
H. L. 10, 345 Anm. 5).
Die Worte, mit denen Guiraut sich in Str. Vlii des
Zwiegespräches mit Linhaure diesem gegenüber entschuldigt,
zeigen, dass Ged. II, für dessen Entstehung wir soeben
die Zeit vor Weihnachten 1168 angesetzt haben, nicht
lange nach dem Bruche mit der Geliebten verfasst
wurde. Tenzone I ist aber unmittelbar im Anschluss
an den Bruch und noch, bevor Guiraut den Wohnort
der Geliebten verlassen hatte (s. S. 37), entstanden. Wenn
nun die Pastorelle 44 in Str. I und III bezeugt 1 , dass
Guiraut an demjenigen 1. August, welcher dem Bruche
folgte, sich in die Provence begab, so geht man wohl in
der Annahme nicht fehl, dass Gedicht I, das, wie schon
Chabeaneau H. L. 10,222 zeigt, bestimmt vor 1182, dem
Jahre seiner Nachahmung durch BBorn, abgefasst worden
ist, vor dem 1. August des Jahres 1168 gedichtet
wurde. Dieser Termin wird sogar im Anschluss an 49 I
noch um einige Monate weiter hinaufzurücken sein. Dort
klagt der Dichter nämlich: No'm platz chans de rossinhol,
Svm sent mon cor morn e trist, E per o si'm meravilh Car
no m’alegret abrils, Canc mais no fon negus ans, De joi non
agues dos tans; Mas ogan no'm plac la flors Ni'l frutz d'eras
no m'agrada B. Lb. 66. Da nun dieses Ged. auch nach
dem Bruch und, wie wir S. 37 sahen, ebenfalls am Wohnorte
der Geliebten gedichtet ist, so geht jedenfalls aus jenen Versen
hervor, dass der Bruch im April schon eine vollzogene
Thatsacbe war.
Nach unserer Berechnung ergiebt sich somit, dass
Tenzone I wohl vor dem April 1168, Tenzone II vor Weih-
1 44 I: L'autr'ier, lo primier jorn <Taost, Vinc en Proensa part
Alest E cavalcav' absemblan mest, Quirn' m tenia sobrieira und 44 III:
eru me soi departitz D'una folg abetairitz MW. 1, 198/9.
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63
nachten desselben Jahres und Tenzone m zwischen 1169
und 1174/5 verfasst worden ist.
S. 24 fanden wir, dass, wenn der Bruch im Jahre
1168 stattfand 1 , Guiraut etwa 1165 seine Dichterlaufbahn
begonnen haben mag. Ist dem so, dann hat er auch Peire
von Alvernhe, dessen erstes Auftreten Diez, L. u. W. 71 in
das Jahr 1155 setzt, über 10 Jahre Zeit gelassen, um sich
den Titel des Meisters der Trobadors zu erwerben, welchen er
ihm später streitig machte.
2. Die 3 bisher unbekannten Gedichte.
Gröber glaubte im Jahre 1877 in Böhmers Rom. Stud.
2,353annehmen zu können, dass wir die Lieder des Guiraut von
Bornelh „nahe vollständig“ besitzen, und Chabaneau sprach
1 Eine soeben im Arch. 1894 S. 229ff. von 0. Schultz über die vida
des R. von Aurenga angestellte Betrachtung bringt mich auf die Vermu¬
tung, dass die von Raimbaut verehrte contessa valen lai en Urgel (H. L.
10, 285 a), von welcher der Biograph berichtet Maut fon onrada e pre -
sada sobre totas las pros domnas d * Urgel, identisch sei mit der von
Raimbauts Freunde Guiraut von Bornelh in 43 VII Mas sai m'an inon dol
cregut Usclams (Li clam M) que fan entre lor Gil d'Uriel , per que'tl
plusor Seran mort (e) confondut; Que l comtessa, on pretz nais E sabers
e iois uera\8,S' en cuida issir , Se so il uolon consetitir MG. 815,6 erwähn¬
ten Dame. Ged. 43 entstand bald nach dem Bruch mit der Geliebten
(s. II: Q'aist in’es esdevengut Tot Heu qe pert ma ualor , E solatz no m'a
sabor; Esdeuenc anc mais a drut? MG. 816; V: un couen mi frais und VI:
ausir mi pod o garir MG. 815, 4 u. 5) und wahrscheinlich noch zu Leb¬
zeiten des 1173 gestorbenen Raimbaut. Die sich in der citierten Str. VII
findende Bemerkung von den internen Zwistigkeiten in Urgel und der
Absicht der Gräfin, das Haus zu verlassen, wären wohl geeignet,
Chabaneaus Annahme (H. L. 10, 284 Anm. 5), Douce sei die zweite Frau
des Ermengaud VII. von Urgel geworden, nachdem der Graf sich von
seiner ersten Gattin getrennt habe, zu bekräftigen, geeignet aber auch,
die sonst bisher jedweder Stotze entbehrende Nachricht des Biographen
von dem Eintritt der Gräfin von Urgel ins Kloster an Glaubwürdigkeit
gewinnen zu lassen.
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64
sich 1885 nach Veröffentlichung seiner „Po^sies inMites des
troubadours du P6rigord“ dahin aus, dass die Gedichte der
Trobadors von Pärigord, also auch diejenigen Guirauts,
nunmehr alle gedruckt seien (s. Rdlr. 27,159). Indessen
wusste von den in S‘ befindlichen Gedichten Guirauts
Milä schon 1876 (Rdlr. 10,229/30) vier nicht unterzu¬
bringen; auch Pag&s vermutete in seiner „Notice sur le Chan¬
sonnier prov. de Saragosse“ (Ann. du midi 2, 524 Anm. 13)
in unserem Ged. IV eine „pi&ce inconnue“, und, wenn er
das nach Milä Pos lo gratz beginnende Lied schon richtig
mit B. Gr. 242,60 Qan lo freitz e'l glatz identificiert hat, so
hat sich doch seine Annahme, Ben deu hom, unser Gedicht V,
sei mit 242,18 und No's pot sofrir, unser Ged. VI, etwa
mit 242,51 identisch (s. eb. S. 526, Anm. 7 u. 8), wie wir
sehen, nicht bestätigt. Abgesehen davon, dass IV, V und VI
in Bartschs Verzeichnis auch mit anderen Attributionen
nicht aufgeführt und in Maus’ Verzeichnis nicht berück¬
sichtigt sind, ist auch der Umstand, dass sie hier und da
für Grammatik und Wörterbuch manches bieten, was sich
noch nirgends belegt findet, massgebend gewesen, sie als bis¬
her unbekannt zu betrachten.
Was nun die Frage betrifft, ob diese Gedichte auch
wirklich Guiraut von Bornelh zum Verfasser haben, so
werden zahlreiche in den Anmerkungen gegebene Parallel¬
stellen zeigen, dass sie ganz und gar in Guirauts Denkweise
gehalten sind. 1 Da ausserdem die Betrachtung ihres
Strophenbaues, besonders im Verhältnis zu ähnlich gestalteten
Gedichten anderer Trobadors, nichts ergiebt, was gegen
Guirauts Autorschaft spräche, auch sonst ihre Unechtheit zu
beweisen oder sie gar anderweitig unterzubringen, kaum
möglich sein dürfte, so wird uns wohl nichts anderes übrig
bleiben, als dem Veranstalter der Sammlung S‘, solange
1 „Von der Schreibweise scheint mir dies weniger. Ist Guiraut
sonst so unnötig breit, so wenig gedrängt, so platt?“ Tobler.
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65
nicht andere Handschriften Besseres lehren, Glauben zu
schenken und die drei Gedichte als von Guiraut von Bornelh
herrührend zu bezeichnen.
IV (Si ja d’araor).
Ersehntes Liebesglück,
a) Inhalt.
I. Unsagbar wäre das Glück des Dichters, wenn seine
Liebeshoffnungen sich doch noch erfüllten.
H. Seine Angebetete sollte, wenn sie ihm ihre Gunst
schenken würde, mit ihm als Liebhaber zufrieden sein; jeder¬
mann sollte dann an ihm seine Freude haben, er selbst
würde sich aber vor Wonne kaum zu lassen wissen.
HI. Dass er neben ihr noch eine andere lieben werde,
das sei gänzlich ausgeschlossen; denn alle seine Wünsche
würden erfüllt sein, sobald er sie sein eigen nennen werde;
was sie dann auch von ihm verlange, er wolle ihr auf den
Wink gehorsam sein.
IV. Keinen Kaiser gebe es, der auch nur halb soviel
Hoheit besitze, wie er dann besitzen würde; sie sei das
reizendste Geschöpf der Welt, dem keine noch so grossen
Schätze an Wert gleichkämen. Besässe er sie, so würde
er sich so glücklich schätzen wie ein Kaiser.
b) Metrisches.
Das Gedicht ist eine aus 4 zehnzeiligen coblas unisonans
gebildete Halbkanzone; der Strophenbau ist folgender:
4a 6a 6b 6b 6c 6c 10d- lOe lOe 10d- .
a ist or, b at, c is, d aire, e atz. Die Strophe ist un¬
gegliedert, also una oda continua.
v. 7 ist wohl als cäsurfrei anzusehen.
Hiatus begegnet in v. 40 seria emperaire (s. d. Anm.).
Ein rührender Beim ist privatz = privatos (Subst.)
v. 18 und privatz — privatus (Adj.) v. 28. Das Gedicht ist
in Maus' Verzeichnis unter Nr. 167 hinzuzufügen. Das dort
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66
vermerkte Lied des Uc von San Circ 457,20 ist vielleicht
dem unsrigen nachgebildet; besteht auch seine Strophe nur
aus Sechssilbnern, so muss es doch auffallen, dass es sich
gleichfalls aus 4 coblas unisonans zusammensetzt, ebenso
wie hier gerade den Reim d weiblich hat und füre dieselbe
Reimendung atz aufweist.
In S‘ sind die ersten beiden Verse der Strophe zu
einem Zehnsilbner vereint, so dass sich das Schema ergiebt:
10a 6b 6b 6c 6c lOd- lOe lOe lOd» .
In derselben Reimfolge sind 3 bei Maus unter Nr. 686
verzeichnete Gedichte verfasst. Von diesen hat Gaucelm
Faidit 167,57 in den vv. 1, 2, 7, 8 und 9 die nämliche
Silbenzahl, für den Reim d gleichfalls weiblichen Ausgang,
für c durchweg dieselbe Endung is und ist auch unserem
Gedichte insofern ähnlich, als auch bei ihm in der Anfangs¬
zeile von amors die Rede ist und am Schlüsse das Ai, blanca
flor . . . e mi en paradis Podes metre de ioi e d'alegransa
MG. 100 an den Ausruf in unserer Str. IV lebhaft erinnert.
Für Beziehungen der Tenzone 233,5 des Guilhem von San
Gregori und Blacatz zu unserem Gedichte spricht ausser
derselben Reimfolge auch die nur um 2 Geleite vermehrte
Anzahl von 4 Strophen, die Verwendung derselben Endung
aire als einziger weibl. Reimendung, wenn auch an anderer
Stelle, die des Reimes or, der bei uns a ist, für c, sowie
die Anklänge von v. 5 de tan gran ricor an unseren v. 31
und von v. 17/8 no s coveQu’ieu an ad autra part preian MW.
2, 140 an unsere vv. 21—23. Im Ged. 281,3 des Rambertin
de Bovavel(?) erinnert nur v. 37 (im Arch. 35,101a, wo es
dem R. von Vaqueiras attribuiert ist) an unsere vv. 21—23,
a ist auch hier zehnsilbig, wenn auch weiblich, und or steht
an Stelle von e.
Soviel steht nach alledem fest, dass das Gedicht IV
am Ende des 12. Jahrhunderts bereits bekannt gewesen sein
muss.
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67
V (Be deu om).
Amors Schuld,
a) Inhalt.
l. Einen irrenden Freund soll man rechtzeitig warnen,
auch wenn ihm das unangenehm ist.
II. Deshalb kann der Dichter nicht umhin zu sagen,
was an Amors Verhalten auszusetzen sei.
m. Je treuer ein Liebhaber sei, desto mehr Pein
bereite ihm die Minne.
IV. Seine Geliebte würde ihm gewiss geneigter sein,
wenn nur Amor es ihr gestattete.
V. Sollte ihm die Gunst der Geliebten auch ferner
noch vorenthalten bleiben, so werde er sich von Amor los¬
sagen müssen.
VI. Aber noch hoffe er, mit Amors Hilfe der Liebes-
freude teilhaftig zu werden.
VII. (Die w. 50 u. 51 sind unverständlich.)
b) Metrisches.
Das Gedicht, eine Kanzone, besteht aus 5X9 +
1X4 + 1X2 Siebensilbnern. Die Strophen sind coblas uni -
sonans; ihre Gestalt ist folgende:
7a- 7b 7b 7c- 7d- 7e 7e 7c- 7f- .
a, d und f sind Körner, a ist ire, b en, c ansa, d ia,
e ir, f aire. Die Strophe ist ungegliedert.
Das Reimwort languir v. 25 findet sich auch in der
Tornada, v. 47.
Grammatische Reime bilden dire 1: dir 24, sofrire 10:
sofrir 15, servire 19: sermr 43, jauzire 37: jauzir 46.
Bei Maus wäre diese in der prov. Lyrik noch nicht
nachgewiesene Strophenform hinter No. 715 einzuschieben.
VI (No s pot sofrir ma lenga).
Die Schlechtigkeit der Welt.
a) Inhalt.
I. Die dem Herzen botmässige Zunge hat ohne jede
Rücksicht zu sagen, was nur immer das Herz ihr befiehlt;
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so wird auch des Dichters Zunge sich j etzt eines Auftrages
des Herzens entledigen.
II. Die Schlechtigkeit greift in der Welt immer mehr
um sich; vor den bösen Buben muss man sich hüten, auch
wenn sie einem Wohlthaten anbieten (?).
IH. Jetzt handeln die Meisten nach dem Grundsätze:
Nehmen ist seliger denn Geben.
IV. Ohne Gottes Beistand werden jedoch die wenigen
Guten gegen die zahlreichen Schurken nimmermehr etwas
auszurichten vermögen.
V. Die Guten mögen sich in ihr Schicksal ergeben
und auch ferner nach Gottes Willen handeln.
VI. Besser ist es, in niedriger Stellung gut, als in
hoher gemein zu leben; der Lohn für die Rechtschaffenheit
wird nicht ausbleiben.
VII. Bertran, ein Mann von untadeligem Charakter,
wird aufgefordert, auch in Zukunft auf der von ihm beschrit-
tenen Bahn weiterzuwandeln.
b) Metrisches.
Das Gedicht ist ein Sirventes und umfasst 3 Strophen¬
paare (coblas doblas) nebst einem Geleite oder 6 X 8 +1X 4
zehnsilbige Verse; das Schema der Strophe ist:
10a- 10b 10b 10a- 10c 10c 10a- 10a- .
a, ist ia, a, endre, a 3 ansa,
b x o, b 4 i, b 8 fr,
Cj is, c„ nr, Cg an.
Die Strophe zerfiele, wenn diese Teilung gestattet wäre,
in einen Aufgesang und einen Abgesang; denn nach ihrem
4. Verse, bei dem auch das Geleit einsetzt, ist überall eine
syntaktische Pause vorhanden.
Die Cäsur ist lyrisch in v. 7, 14, 18, 24 und 30; als
cäsurfrei betrachtet man am besten die vv. 5, 6, 9, 10 und 12.
Hiatus findet sich v. 23 prendre o (s. d. Anm.), 49
qui etz, 51 qui avetz, 52 lo en (s. d. Anm.) und dizia e, wo
das a durch die Cäsur gestützt ist.
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69
Das Beimwort tan v. 45 wird in der Tornada, v. 49
wiederholt.
BUhrenden Beim ergiebt dia — dicat v. I und dia = diem
v. 4.
Bei Maus ist das Gedicht unter 510, 3 nachzutragen.
Es hat Sordel in seiner Tenzone mit Bertran von Lamanon
(437,10 = 76,2) zum Vorbilde gedient; denn abgesehen davon,
dass das Streitgedicht naturgemäss zwei Geleite hat, stimmt
es in der Form und in den Beimendungen mit unserem Sir-
ventes genau überein. Auch die aus 3 Strophenpaaren und
2 Tornaden bestehende Tenzone des Guiraut Biquier mit
Guilhem von Mur (248, 36 = 226, 3) lehnt sich bezüglich des
Strophenbaues eng an unseren Sirventes bez. an Sordels und
Bertrans Tenzone an.
Datierung der 3 bisher unbekannten Gedichte.
Zwar bieten die 3 Gedichte selbst gar keine sicheren
Anhaltspunkte zur Feststellung ihrerEntstehungszeit; dennoch
wird man für dön Fall, dass sie wirklich unserem Dichter
zugehören, auf Grund anderer Dichtungen Guirauts, in denen
ähnliche Stimmungen ihren Ausdruck finden, ermitteln können,
in welche Zeit sie ungefähr gehören.
Gedicht IV zeigt seinen Verfasser noch in der grössten
Hoffnungsseligkeit; er wagt es hier noch nicht, der Minne,
die ihn nicht so schlecht behandelt habe, dass er ihr nicht
ferner dienen sollte, irgendwelche Vorwürfe zu machen. In
derselben Verfassung tritt uns Guir. in den Liedern 1,81 und
72 entgegen, ln 1 111 u. IV heisst es: Era nom par Que
chastiars Mi ralgucs ni clatns ni tensos; Per o no’m cuich
qu’anc Amors fos Plus fina, s'amadors trobes, Que, qui per
dreg la razones, Ades se meillura e val mais . . . De castiar
Me suy tan pars Que pro vetz n'estau cossiros, Que vey qu’ab
ponher d'esperos Non puesc tan far que joi cobres MW. 1,188,
6
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70
in 81 IV: Mout mi ten car Amors . . . Mas pro'm dona dolors
E fwm pauc de socors E d'aiudae de be Arch. 51,19a und in
72 I: Svm sentis fizels amics, Per uer encusera Amor; Mas
er m'en lais per paor Qe*m dobles Vanta e'l destrics Arch.
51,10. Von diesen drei Gedichten ist 1 nicht lange nach
dem Bruche mit der Freundin entstanden, was ersichtlich ist
aus den Worten in Str. V: Que la bona esperansa'm pais
E m y aeompanha ab cantadors E m’a fait[z] solatz recobrar,
Don m'era totz loignatz de cors MW. 1, 188; 81 dichtete
Guiraut 2 Jahre nach der Trennung, s. Str. II Ben a dos
am passatz, E ies no m'en recre Arch. 51,18b, und 72 rührt
gemäss Str. VI (s. S. 42) noch aus der Zeit der dunklen
Dichtweise Guirauts her. Zu jener Zeit, als Guiraut der
Minne gegenüber noch schüchtern auftrat, um es mit ihr
nicht zu verderben, ist auch unser Ged. IV entstanden. All¬
mählich aber mochte er, als er sah, dass sein langes Harren
vergeblich blieb, ärgerlich geworden sein, und zeigt er sich
in 9 I schon unwillig über die schlechte Behandlung, die
Amor ihm zu teil werden lässt, indem er sagt: Amors, e svm
dam de vos, Sera'us honors? No, per ma fe! Car no’s coue,
Desqa'en uostra mantenmza Mauiatz , Qu’era'm gecatz , Ans
pessatz Com ceila'm uuela Cui eu aueill MG. 864, so nimmt
er sich in Ged. V gar heraus, die Minne der Härte und
Ungerechtigkeit zu zeihen, sie zu beschimpfen hnd ihr den
Dienst aufzusagen für den Fall, dass sie seine Bitten nicht
endlich erfülle. Dass Ged. V zu seinen letzten Liebesliedern
gehört, scheinen auch die Worte in v. 46 Enquera pogra
jauzir zu beweisen. Vielleicht ging es dem Ged. 38, das
nach Str. VII und VIII während des Kreuzzuges entstand,
um einige Jahre voraus, denn in Str. IV sagt da der Dichter:
Mas era'm lais aconseillar E conosc, tan son eiscernitz, Qe
damages sembla petitz, Pos es passatz; Ben sai q'enant n'es
hom iratz, Mas pueis s'en uai la pen'e'l fais. Folz es qi de
Vanar (1. amar) s J irais Arch. 34,398 a.
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71
In der Hds. folgt VI unmittelbar auf V, und es ist
auch möglich, dass beide Gedichte ziemlich gleichzeitig ent¬
standen; wenigstens ist VI wohl ein Produkt derselben Zeit,
welche das Ged. 77, in dem gleichfalls von der Verderbnis
der Welt die Rede ist, hervorgebracht hat; Ged. 77 setzt
nun Maus S. 47 zwischen 1187 und 1189 an, und ich möchte
wegen der w. 33/4 u. 43/4 — s. den Text beim Beginn
der Anmerkungen zu Ged. VI — meinen, dass es in der
Zeit von der Eroberung Jerusalems am 29. September 1187 bis
zum Entschluss des Kaisers Friedrich im März 1188, einen
Kreuzzug zu unternehmen, entstanden wäre.
Wie dem aber auch sei, so dürfte sich doch wenigstens
dagegen, dass hier die mit unseren Voraussetzungen in Ein¬
klang stehende handschriftliche Reihenfolge der Lieder bei¬
behalten worden ist, kaum etwas einwenden lassen.
Zur Orthographie.
Die Orthographie in den rekonstruierten Texten suchte
ich möglichst einheitlich zu gestalten; ich schied daher u und v,
i und j von einander, bezeichnete das mouillierte l durch Ih,
das mouillierte n durch nh, gab die gutturale Media vor
a und o durch g und vor e und i durch gu, die gutturale
Tenuis vor a, o und u durch c, vor e und i durch qu wieder;
dem durch *j vor a, o und u dargestellten Reibelaut ent¬
spricht g vor e und i, für stimmhaftes s setzte ich z, für
stimmloses dagegen s und für den aus lat. t + s, c vor e
und i, t + Hiatus - i hervorgegangenen z - Laut am Ende
der Wörter tz; wo sich am Ausgange der Wörter in den Hdss.
statt der gewöhnlichen Tenuis die Media zeigte, ersetzte ich
sie, ausser in ab und ad, durch die entsprechende Tenuis
und schrieb im Innern der Wörter Tenuis vor Tenuis, sowie
Media vor Media. Den sich in den Hdss. in verschiedenen
Funktionen findenden Buchstaben x habe ich ebenso wenig
angewandt, wie das dort nicht selten vor vokalischem An¬
laut und zwischen Vokalen stehende h. Für que, o, a (= lat.
6 *
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72
ad) und e (= lat. et oder in) führte ich vor Vokalen die
Formen quez, oz, ad und et bez. en ein und hielt cor = Herz
und cors = Körper, sowie die Konj. mas und pos und die.
Adv. mais und pueis auseinander; t nach n im Auslaute
und vor s, sowie bewegliches n vor konsonantisch anlautenden
Wörtern und in den Vorsilben co(n) und e(n) vor Labialis
oder Sibilans liess ich regelmässig weg und behielt Gemination
von Konsonanten nur bei ursprünglich doppeltem r bei. Im
übrigen waren für die Wahl der Spielformen, auch in den
von den Interlokutoren Guirauts gedichteten Strophen der
Tenzonen, welche Guiraut doch wohl später ebenfalls in
seiner eigenen Weise niedergeschrieben haben wird, die Re¬
sultate massgebend, welche eine Beobachtung der Reime in
Guirauts Dichtungen ergab. Da jedoch bei dem gegen¬
wärtigen Zustande der Texte von einer gründlichen Dar¬
stellung der Sprache des Dichters noch keine Rede sein
kann, so begnüge ich mich hier damit, einige wichtige Be¬
sonderheiten derselben hervorzuheben.
I. Lautliche Eigentümlichkeiten.
A. Vokale.
1. Betontes e in offener Silbe giebt f, nicht ie, ei
oder iei :
esmer : quer : er (erit) 74, quers : sers : Inders (Biter-
ris) 17, sers : fers : guerrers : Dcders 60, fern : esmera : en-
quera (noch): cuidera 31.
Auch eu bleibt und wird nicht zum Triphthong ieu :
seus : manteus 20.
2. Betontes 8 in offener Silbe wird (bei folgender gutt.
Tenuis) zu ue diphthongiert:
luec : muec : vuee : nec (Vbsubst. von negar, cf. Tobler
bei Philippson, Mönch v. Mont. zuH27) 63 (Rdlr. 25,211)’.
1 Ueber die Seltenheit der Gegenüberstellung von einfachem Vokal
und steigendem Diphtbg. im Reime s. die daftlr von Tobler, Frz. Versbau 2
S. 124 (*S. 138) angegebenen Stellen.— In welchen Fällen im Prov. Diph¬
thongierung eintreten konnte, darüber s. Suchier in Grübers Grundr. 1,574.
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73
B. Konsonanten.
1. c , im Anlaut oder nach Kons., vor a geht in eh
über, ebenso wie ursprüngliches et zu eh wird 1 :
dicha (dictam) : richa (ricam) 17, esducha (exductam) :
hucha (*hucat) 59.
2. Im übrigen wird intervokale Gutturalis zu i:
esbaudei : vei : trei (= tres) 40, lei : dbnei : autrei : vei
(video) 6, lei : frei (= tres) 36; desdui : fax (fugio) : cui
(pron. rel., dat.) 47.
i 4* Gutt + Vok. = i + Vok.:
dia (dicat) : perdria 18, chastia : conoisseria 70, dia
(dicat) : trobaria V, dia (dicat) : dia (diem) VT.
3. In el + flex. s löst sich l in u auf 2 : auzeus : neus 60.
4. II ergiebt auch vor vokalisch gebliebenem i mouill. I:
destuelh (deextollit): suelh (soleo) 3, falh (fallit): miralh 47.
5. p nach i vor t schwindet: escritz : partitz 6. — Die
Gruppe mps wird zu ms : tems (tempus) : nems (nimis) 25.
6. Gemination des m findet nicht statt: flama : clamabl.
7. Bei tr zwischen Vokalen ist t untergegangen :
derera : ofera I 45.
II. Flexivische Eigentümlichkeiten.
1. Sbst.: Eigennamen mit flex. s im Nom. verlieren
dasselbe im Voc., bilden also denVoc. gleich dem cas. obl.:
Segur : auf 53.
Pron.: ilh : filh 49 ( lor : plor 43).
Verb.: crare, 1. Pers. sing, praes. ind. stets cre:
28 u. 48 : sove, 42 wie 34* : fe, 71 : te (tenet), 72 : me;
1 Die Ansicht Suchiers, Dkm. p. XI, die Dordogne gehöre dem
chauza-fach — Gebiete an, bestätigt sich somit für Guiraut.
2 Nach Suchier in Grobers Grundr. 1,582 sollte im 12. Jhdt die
Auflösung des l vor den Zungenlauten mit Ausnahme des 8 stattge¬
funden haben.
8 R. Vidal wirft Guiraut von Bornelh mit Unrecht vor (s. seine
prov. Gramm, ed. Guessard S. 83 und ed. Stengel 84, 9), in 34 III die
Form cre in der 1. Person statt er ei fälschlich gebraucht zu haben, cre
ist auch in der 1. Pers. die regelmässige und von Guiraut überall ange-
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74
f
recre 81 : fe; 19 : cre (= credit). — conguerre, part. perf.
conquis : grazis 13.
HI. Einzelnes.
„Jetzt“ heisst ar (1 : avar), „noch“ enquera (31, 39,
76 : cudera), „die Weise“ guia (2 : cortezia), „mehr“ mais
(78 : estrais) oder mai (2 : amarai ), „alle“ tuch (3 : aduch),
nicht tut, wie Mann, A. u. A. 41, S. 105 aus Ged. 48 VI
ersehen will, wo tut (: aiut) nicht — toti, sondern = tutet
ist; wegen des Sbstv. cuda (Gedanken) (34 : recrezuda ) lasse
ich das dazu gehörige Yb. cudar lauten.
Text der 6 Gedichte.
I.
242,69.
14 Hdss. 1 : A 18 (Arch. 33,322: Studj di filol. rom. 3,34),
B 18 (MG. 1377; Var. zu A Studj di filol. rom. 3,677), C 8
(MG. 829), D 11, G 70, H 37 (MG. 937; Studj di filol.
rom. 5,475), I 23 (MG. 828), K 12, N 181, Q 87, R 8a
u. Str. I besds. mit Noten R 8b(=R‘), V 74 (MG. 938; Arch.
36,421), a 41 (Var. zu A Arch. 33,322), ff 67 *und hinter
der razo Str. I besonders (= ff').
Das wahrscheinliche Abhängigkeitsverhältnis der Hdss. 4
möge nebenstehende Figur veranschaulichen:
wandte Form; eine Form crei begegnet in den 7 Ged. mit ei = Reimen
(6, 15, 36, 40, 48, 62 und 73) nicht ein einziges Mal.
1 In N* (Phillips 1910) ist nur die Anfangszeile des Gedichtes ent¬
halten, nicht, wie C. de Lollis Rom. 18,467 angiebt, das ganze Gedicht.
2 Hier bietet sich zum ersten Male die Gelegenheit zu dem von
Jeanroy, Rev. des Pyr. 1893, S. 19 gewünschten Versuche, den Platz
von S* unter den übrigen prov. Liederhdss. zu bestimmen.
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75
a
V
£ rj u Ha 7t
i x
j r
n
Die beiden Haupttypen ß und y ergeben sich aus v. 53
und 30. ß wurde die Quelle von 8 und 8 wies in v. 50
und 62 Lücken auf, während * vollständig war: £ mag nun
den v. 50 sich anderswoher verschafft und die eine Lücke
ausgefüllt haben, so dass es A und B mit nur einer Lücke
in v. 62 ergab, dagegen blieb unvollständig, und ihm ent¬
stammen & und A r mit beiden Lücken; aus # flössen sodann
* und *, von denen letzteres oder sein Ausläufer S* beide
Lücken zu füllen vermochte, ersteres aber nur v. 62 und
zwar aus einer anderen Quelle in seinen Text ein¬
fügte; aus < entstanden ** und 1) mit fehlendem v. 50;
während nun D die Lücke ausfüllte 1 , indem es den
1 1) erweist sich adch in v. 63, wo es für eine Stelle 2 verschiedene
Lesarten bietet, als Mischhds.
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76
Vers allerdings an falscher Stelle einschob, gingen aus * die
Redaktionen I und K hervor, von denen letzteres erst nach¬
träglich den v. 50, anscheinend aus ff, am Rande hinzuftigte.
Die Zusammengehörigkeit von A und B zeigen ausser
der ihnen gemeinsamen Lücke in v. 62 die in beiden ent¬
haltenen Fehler, in v. 5 demanda, das schon in v. 2 im
Reime steht, statt desmanda und in v. 37 enquera, das in
v. 43 den Reim bildet; sie gehen aber auseinander in v. 47.
DLKS’ stimmen überein in v. 25, 26, 27, 28, 36, 41, 52,
63 u. 67, von ihnen sondern sich DIK in v. 2 u. 11 und
weiterhin IK in 1,5, 13, 22, 23, 33, 34, 44, 61 u. 64 ab.
Die Verwandtschaft von ABN zeigt sich ausser in v. 62
auch in v. 47 u. 57, die von IKN ausser in v. 50 auch in
v. 31, wo esdug neus in IK und esdui nius in N auf ein
fälschliches esdugneus statt esdugueus (= esdugu’ e’us) in n
hinweisen. ABTK gehen in v. 10, ABDS ' in v. 22 zusammen.
N nähert sich der Gruppe * in v. 39 und steht mit * zu¬
sammen zu y in v. 23; besonders nahe steht N der Hds. Q
in v. 23 sim trazes plus und in v. 48 mit fis. G und ff haben
Nachbesserungen erfahren; in G ist z. B. eis, in ff ist vos
in v. 15 mit anderer Tinte von späterer Hand hinzugefügt.
G und ff allein schreiben in v. 18 tot statt ja, G und Q
haben in v. 15 und 19 Flexionsfehler gemeinschaftlich, welche
sich freilich auch in einigen anderen Hdss. finden; die Ge¬
leite fehlen in G. Die Hdss. ff und a haben häutig die¬
selben Lesungen, so in 2, 3, 34.
Von y gingen I und o aus, letzteres mit einer Lücke
im v. 12, welcher V fehlt. I las in v. 43 statt vos, indem
es die Stelle anders auffasste, nous, was dann bei a zu uous
wurde, während es durch auf CR überging; » schrieb in
v. 47 statt ofera, indem es q statt o/las, qera, das R ohne
weiteres übernahm; C veränderte es in enqueira und stellte
aus Versehen die vv. 25 und 26 um.
Im Grossen und Ganzen wird die Varia lectio unsere
Anordnung der Hdss. bestätigen.
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77
Nach ABCHIE ist das Gedicht bereits von 0. Schultz,
die prov. Dichterinnen S. 19, nacli ebendenselben Hdss. mit
Zuhilfenahme von D und V von Appel 1 , Prov. Chresto¬
mathie S. 129 ediert.
I. Si’us quer coselh, berami’Alamanda,
No l me vedetz, c’om cochatz lo*us demanda;
Que so m’a dich vostra domna truanda
Que luenh sui fors eisitz de sa comanda,
Que so que m det m’estrai ar e m desmanda. 5
Que m coselhatz ?
C’a pauc lo cor dins d’ira no m’abranda,
Tan fort en sui iratz.
II. Per deu, Guiraut, ges aisi tot a randa
Volers d’amic nos fai ni nos garanda; 10
Car si Tus falh, l’autre cove que blanda,
Que lor destrics no crescha ni s’espanda.
I. 1 Sieus ABCHtyRS* S v a, Seiis D; Cousoii uos quier bell IK;
ajmj V; alemanda H. 2 No*l me] No lom DGIKS r ; vedatz AGS*‘ , ne dez D;
Per dieu lom datz com i/a; coms QS* 1 ; cochat W, choza(z) G t coitos IK ,
coitas D; ious Q, los DIK , luos G. 3 Que so] Qui so jV, que(m) G ,
queras RV, caras C, cara S , S*‘, carar D\ Que som retrais uostra Ha;
domna duranda Q. 4 Que luenh] Calhors DGIKS 1 calhons RR‘\ luenh
s. f.] fort son loin HV, totz soifor a; sui] fuy R; for Z>, fortz S*'; yssit R.
6 Que] pus RV, pois Q, car CS en IK, mas H ; qe det Q; m’e. ar]
tot m’e. a, er mestra R; ar e*m] er nim HV, er est G, e me CS* 1 ; de¬
manda AB; m’e. ar e*m d.] nos toi era nos mäda Q. 6 Quim N; cos-
selhat R . 7 Capau A , Cabpau B; le S*\ mos a; dins d’i.] dira dins R , dira
totz N, totz d’i. ABC; nos abranda S*\ sos trabanda a.
II. 9 Amics Gerard G; guirautz C; tost H; aisi t.] tot aissi a;
airanda R. 10 Voler CRV , vol N; damics AB1K; nos nos fai H (Studj),
noul fai Q; nois fai ni nois AB. 11 Car] que AD1KS*; lun S*; si l’us]
lus se D; lautres mestiers que DIK; ques b. 12 fehlt V;
lors AC; destreg R; nois c. ABQ; Que nuls (mils I) destrics
entrel8 dos (entrel dos /, entre lor Ha) no s’e. DHIKS*a.
1 Herr Prof. Appel war so liebenswürdig, mir bald nach der Druck¬
legung einen Abzug dieses Gedichtes zu übersenden.
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15
E s’ela us ditz d’aut puei que sia landa,
Yos la u crezatz,
E plasa vos lo bes e l mals queus manda,
C’aisi seretz amatz.
III. No puesc mudar que contr’orguelh no gronda;
Ja siatz vos, donsela, bel’e blonda,
Pauc d’ira’us notz e paucs jois vos aonda,
Mas ges non etz primera ni segondal 20
Et eu que tem d’est’ ira que*m cofonda, —
Que m’en lauzatz, —
Srm sen perir, que m traia plus ves l’onda?
Mal cut que*m chabdelatzl
IV. Si m’ enqueretz d’aital razo preonda, 25
Per deu, Guiraut, no sai com vos responda;
13 E sielaus B, E sellaos G; E silaus dis E sil uos die D, Anz
sella ditz a, Pero sius (sil V , sieus R) ditz CRV; si landa G, sia la
landa IK. 14 la'n] len G, o R. 15 vos in H erst später hinzugefQgt;
los CGQRS t ; ben NV; eis CGlRS*a (in G von andrer Hand); mal NQV;
qeos G , qil AB, sil HNQVa.
III. 17 No]com HS*a; pues S c , puos Z>; mudar] sofrir HNQRVa;
quieu C, qes DV; quencontrorguoill IKN ; oigol G, egoil a; nom H\
g*nda granda V (Arch.), gornda D. 18 Ja] Jaus V, Tot GH (und in
K noch besds. am Knnde); sia S*, siat H; Quiia est uos d. N, Sitot uos
est d. d. e bell BH\ bronda S*. 19 Paucs a; iraos G\ notz] uoz a,
no IJ\ e pauts V (Arch.), e pauc CGQRS r . 20 Mas ges] Mas qe HRa,
fors que V , pero 1KNQ; noi etz HIKNV\ E non (noi D) es ies DS*.
21 Et eu q. t.] Mas eufieus Q) que tem NQR V, Mas ieu tem tan C, Eu
qem tem fort AB: quem tem Ga; d’e. i.] de lira CNQR, desira D, dest
im G. 22 Que m’en] Con men N ., coraa V , vos quem G, Vos que me
1K, vos (vas D) me ABDS*. 23 Si*m] siem S*, sieu C, si GR, tan NQV ;
sen] tem CGHNQRVa ; peritz S* 9 murir RV ; que V, quen K; traia]
tenga ABV; que*m t. p.] sim trazes plus N, si traqes plus Q, e nom
traetz C; pueys R, trop H; vas sonda IK. 24 cut] cre AHa ; quen K\
captenjatz a.
IV. 25 und 26 sind in C umgestellt. 25 Si m’e.] Si n’e. G; Si mapelatz de
t&\DIKS*; datal G; raz H (Studj). 26 Per deu] per deun V, amics DIKS c ;
Girard G ; com vos] que uos G, queus mi CNQR, qe men Ha.
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79
Per o, si us par c’ab pauc fos jauzionda, —
Mais vuelh pelar mo prat c’autre lo m tonda.
E s’e*us er’uei del plach far dezironda,
Vos eserchatz 30
Com so bo cor vos esduf e*us resconda!
Be par c’om etz cochatz!
V. Dönsel’, ueimais no siatz trop parlera!
S’ilh m’a mentit plus de sine vetz primera,
Cudatz vos donc que totz tems lo sofera? 35
Semblaria c’o fezes per nesera
D’autr’amistat! — Ar ai talan que us fera,
Si no*us chalatz!
Melhor coselh dera na Berenguera
__ Que vos no me donatz! 40
27 Mais sauos par queu sia i. F, Vos me dizetz de pauc sui i. DIKS*, Vos ma-
pellatz de leu cor i. ABG, Pos vos dizes capauc son i. a; sieus K .
28 Mai HR, ans DIKS*; pratz S*; cautrel mi t. ABRV, cantre lo t. Q ,
cautre mel t. G, cantre mi t. C; t.] conta N. 29 E] Que ABDGS*, Mas NQ;
sVus er’uei] sill er oi HNQ, si ser hoi G, si sera IK, sius sera S*,
sioserai Z>, seus era AB; dei] de DQS*; plaitz S x ; Vos uej que etz
del F, Vosselaray del R; Cum sieu del plag fos aras d. C, 80 encertatz DG;
Jal (ja C) ensercatz CRV, ja li cerchatz a. 31 Col DIKS*; sieu IK, sieus
S*, 80 sC, sen D, sa/i;ba R, bei ABDIK , bels frö’*,gons C % cors ABCDGIKS 9 ;
nous N; esdui’] enduia AB , esdigu a, esdui uos Q; e*us] neus IK , nius X,
es D, eos G, e R; resconda] esconda CIK, responda V. segöda R. 32 Rem
CF, be R; c’om] cum ABCD, con GKNQVa, que R; netz ABCIKNR.
V. 33 Donzella mais II; Deserenan no C; nous fassatz IK; trop]
tantJ-B.SdS’il^Si/üC^Q 11 *! ABG V, ja DS*;ma\ ^>;pl Jmais^s. v.] M. v. IK,
ce u. G, .V. C. u. D; Sela ma trag may de . C. v. pr. R; Sil ma mentit .C.
uetz en una tejra F; Plus de cent uez ma ia mentit (iamtit n) pr. Ha.
36 Lauzatz mi (vos V) CRV; qieu ABH; t. t.] oimais H; loi HQR ,
lho C y lio a, loil G, o F; sofreira D. 36 Cuiariatz CF, nous cuiaratz R , ja
creiriatz DIKS*; c’o] queu F, qe H, qel GQ , o R; feres I; neroeira a.
riqueira F. 37 Dautramistatz G V, Cest amistatz H; ar ai] et ai N, rai Q ;
telan H; quieus /, cos D; Ar ai t. q. f.] ai talan quieus enqieira AB;
trop auetz dit en talant ai queus o feira F 38 Si] Co /<*, saora F; no*us]
nos IK, no CDGS*Va . 39 Meillors G, moiller Va\ dara S*. daua AB,
njdera V, donet GHN(J (donor //in Mahns Cird.). saup dar a; na] ma a.
40 Que] So G (später in Que geändert); no me] nol me F, no men AB, nom D.
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80
VI. L’ora vei eu, Guiraut, qu’elaus o mera
Car Papeietz chamjairitz ni leugera;
Per so cudatz que del plach vos enquera?
Mas no cudetz que sia tan manera;
Ans er ueimais sa promesa derera, 45
Que queus diatz,
Si Pen destrenh tan que ja vos ofera
Treva ni fi ni patz.
VII. Bela, per deu, no perda vostr’aiuda,
Car be sabetz com me fo covenguda. 50
S’ eu m’ai falhit per Pira c'ai aguda,
No*m tenba dan; s’anc sentitz com leu muda
VI. 41 Ara G, Enquer DIKS*; eu] fehlt I, eo Q , en KV; Gu.]
fehlt Q, geräd G ; qelaos G, qellas A, queus V ; o]mS c ; o m.] engiera Q. 42 Ca
D ; lapelatz GHRS*a , mapellatz B , mapelletz V; ch.] mentejritz V;
lengieira K, leogera Q. 43 Per sous C, pero ABR ; P. s. c.] Cuiatz uos
donc GHa, uos atendetz V; que] qeil Q, quil V; de l] de CHQa, des V ;
vos] nos G f nous CR , vous a. 44 Mas] ieu ABH, ni a, e G; Mas eu
(eo Q) no cre (cug CR) CNQRV; non cug (aig a) ges (cuges IK)
ABDGHIKS'a ; quen D, quilh ABCa; tan] tals sa R. 45 A. e. u.] Ans
gardara C, Nis er totz tems F, Cadücs sia ö;proeza CDRV, pro(s)sa G;
entieira CV. 46 qeos G, qem 2>, quel F, quen KN, que IQ, 47 Si
Ten] Sil F, silh se C, si sen HlKS*a, Si iaus ABN, No la Q; desdeingS*;
Si ia fai tan G, Ja tan fai 7>; t. q. j.] que contra DG; q; j. v.]
que contra uos A, q la ja uos R, que no uos C, que ia nous a; noferaS*,
sofeira ABG1KN, quieira R, enqeira C. 48 Tregas H , tregaq Q; fis NQ;
De treua ni de patz CF, Huey may treua ni patz R.
VII. 49 per deo Q; perga C; vostra uida GRS*; nous aia aixi per-
duda F v. 50 fehlt in IN und ursprgl. auch in K, wo es später hinzu¬
gefügt wurde. 50 und 51 sind umgestellt in D, 50 Car] Que QR; be 8.]
ia saubes Q; Ja sabetz vos ABDGS*; fos F 51 Sieu ai ABGHRS*a;
l’ira] Iura G, ira F 52 tenigna (/. teingna) N; danc Q; s’anc] so R;
sentisc Q, sencist N, sabez G , saubez DS r , saubest IK; com] can HNS*,
ca R, cam Q; leo Q, len S g ; s'a. s. c.] ans se cug que F, quar ben sabeta C,
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81
Cor d’amador, ami\ e s’anc fotz druda,
Del plach pesatz;
Que be vos die: Mortz sui, si Tai perduda! — 55
Mas no m’en descobratz!
VIII. Senher Guiraut, ja n’agr’eu fi volguda,
Mas elam ditz c’a drech s’es irascuda
C’autran preietz com fols, tot a saubuda,
Que no val leis ni vestida ni nuda. 60
No fara donc, si nous gic, que vencuda,
S’autra n preiatz?
Beus en valrai, ja Tai’eu mantenguda,
Si mais no us i mesclatz.
IX. Bela, per deu, si d’ela n’etz crezuda, 65
Per me lo lh afiatz!
53 d'a.] lamodor (später in lamador verbessert) G; dom irat R;
amig’e o, amiga C, amoros R f amor e V , bela e ABDGHIKNQS*.
54 De*l] De Q; patz R. 56 Que] Car CHV, queu iV, qem Q\ be] ves N,
ver Q; v. d.] sapchatz H (und in K neben v. d.); mort RV\ sui] om I;
si] sieu DKQS*a\ Quieu (Car G) sui be mortz (mortG) senaissi (sinaissi
AB) lai ABG. 66 Mais a, may R\ no io DN , nö loi QRS c , nolho ABC.
VIII. 57 Seignen ABN\ Seignor K\ G.] amies CDHS*a ; S.G.] Sen-
namic R ; Per dieu en guiraut la fin agreu u. V, P deu giraud benagra
fin u. G. 68 ella d. AB V; die ab d. I)\ cab £ c ; dreitz GS*. 69 Autran V,
Caltram HS*. Cautra N ; preiatz CV , pogues S*\ fol R f foil V ; tost K;
assa saupuda R . 60 Quil V ; no la ual (uol V im Arch.) ACNQRV;
ual ges (valgues D) lei u. DGIK. 61 Noi AB , nos C ; fora N ; N. f. d.]
Nö o farai G , ni non fara IK\ sil B ; nos GK, uos I)l\ giec R , dit G\
que] fehlt iV, car GIK\ Donc si nous gic be fara que HS*a % Faraio eu
ben huimaisque V; uenguda D, uetuda R. 62 fehlt ABN; Ner so sapchatz
DGIK , Sautran amatz V. 63 en] i Gila; ja l’ai’eu] si tot lai HR, et
(es Q) ai laus ABNQ, ja lagreu D ; m.] captenguda CDV\ ja Tai’eu m.J
mas (mais KS*) can vos er renduda DIKS*. 64 Si] Sol R ; nos 2>; mescl.]
toraatz V ; Samors no laus tollatz 1 K.
IX und X (65—68) fehlen in G. IX. 65 Bella Q, Bell IK; sielaÄ;
de lai (laiz H in Mahns Ged.) ABHVS*a y de lui V (im Arch.);
n’etz] nes RS f , mes V, nos IK , vos a. 66 loi HQR, lio a, lo ABNV,
autrejatz DHlKS*a.
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82
X. Ben o farai, mas can vos er renduda
S’amors, no la us tolhatz!
II.
242,14 = 287,1.
4 Hdss.: D‘ 183, E 22L (MG. 336), A 75 (Cod. Pliill.
1910, Berlin) 18, R l 24 (MG. 821).
Das Verhältnis der Hdss. wird wohl am besten durch
folgende Stammtafel dargestellt:
«
I
fl
y C
8 e E R 2
i l n 2
Schon in der Ueberschrift trennen sich D' A 72 von
ER 2 : D' A 2 attribuieren das Gedicht allein dem Raimbaut
d’Aurenga, ER 2 enthalten allein für dasselbe die Bezeichnung
der „Tenzone“, E nennt aber auch „Linhaure e Guiraut de
borneill“ als Verfasser des Gedichtes, was R 2 unterlässt.
In v. 37 stand das später nur von E in anians verbesserte
aman wohl schon in p, welches wahrscheinlich auch
in v. 7 foran undeutlich schrieb, so dass nur R? es
richtig wiedergab, während y und E von einander
unabhängig seran dafür lasen. D' und A 2 gehen zu¬
sammen in v. 12, wo aber chans , wie Quvl fai in v. 13
zeigt, nicht zu entbehren ist, in v. 17, wo man das den Gegen¬
satz zu bo bezeichnende avol wegen der folgenden Gegen¬
überstellung von jMucundyran nicht gut wird missen können, so-
X 67 En Beus i (i fehlt H in den Studj) ualrei Ha\ mays 12,
sol DIKS*\ vos] nos N; Si farai eu mas pus uos V ; 68 amor A22S C F.
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83
wie in v. 16, 29, 30, 31, 35 und 38. In 44 ist wohl y ein
kleiner bourdon untergelaufen: vielleicht hat der Schreiber
von s beim Kopieren den Fehler nachträglich bemerkt, im
Sinne behalten, dass etwas nach per einzuschieben sei, und
schliesslich an falscher Stelle, nämlich in v. 47 die Korrektur
vollzogen, die D* dann ohne weiteres übernommen hat;
e hat wenigstens das Wort clardat wiederhergestellt und
an der Verschlimmbesserung in v. 47 nicht teilgenommen.
Hinter v. 18 scheint auch in y schon der Absatz gefehlt
zu haben, der noch inD* hinter fatz vermisst wird; e schrieb
gleichfalls 18 und 19 als 6inen Vers, welches Versehen dann
auch dem Schreiber von N* passierte, der desselben aber,
am Schlüsse der Strophe angelangt, gewahr wurde, die
Wörter von Non er bis ual ausstrich und nunmehr in 3
besonderen Versen noch einmal richtig kopierte. Nicht dem
aufmerksamen Schreiber von V 2 , sondern dem von « wird
dann auch wohl das Auslassen des v. 5 zuzuschreiben sein.
Im v. 34, wo aur den Gegensatz zu sal bildet, muss £
fälschlich auer eingeführt haben, worauf R* die überzählige
Silbe in seiner Weise fortschaffte; ebenso ist die Verderbnis
von v. 41/2 in ER 1 von £ ausgegangen; v. 6, 10 und 24
weisen gleichfalls auf die i? und R 2 gemeinsame Quelle £ hin.
Gedruckt findet sich Str. I nach R inRayn. Oh. 5,249;
Diez, Poesie 72 und Balaguer 3,266 geben Str. 1 und II
nach E und R wieder.
I. Ara m platz, Guiraut de Bornelh,
Que sapcha per c’an atz blasman
Trobar clus ni per cal seinblan.
Aiso in diatz
Si tan prezatz 5
So quez es a totz comunal;
Car adonc tuch foran egal.
I. 5 fehlt JV 2 ; prezeratz (prezaratz Rayn.) R. 6 que vas (ca vos
■B, c’a nos Rayn .) totz es c. ER. 7 tug seraun coininal E, tut (tu D)
seran e. DN*.
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84
II. Senilem Linhaure, no - m corelh,
Si quecs se trob’ a so talan;
Mas eu so n jutjaire d’aitan
Qu’es mais amatz
Chans e prezatz,
Quil fai levet e venasal,
E vos no m’o tornetz a mal!
III. Guiraut, no vuelh qu’e tal trepelh
Torn mos trobars, quez om am tan
L’avol co'l bon el pauc cod gran.
Ja per los fatz
Non er lauzatz;
Car no conoiso ni lor chal
So que plus char es ni mais val.
IV. Linhaure, si per aiso velb
Ni mo sojorn torn en afan,
Sembla que m dopte de l mazan ?
A que trobatz,
Si no vos platz
C’ades o sapcho tal e cal?
Que chans no port’autre clmptal.
V. Guiraut, sol que l mcllis aparolh
E di’ades e trai’enan,
10
15
20
25
30
II. 8 Senher ER; linaure H , li(n)gnaura DN 2 (so auch v. 22, 36,
50 u. 59): no c. E; c.] querelh R. 9 qes N 2 .10 Mas me (mi R) eis uueill
iutgar daitan ER. 12 E plus prezatz DN 2 ,13 e uenansal E , e uenarsal DN\
el uer massalh R. 14 tenetz R; a]en E.
III. 15 nom uoill quem N 2 ; trebalh R. 16 que ia ogan DN 2 .
17 Lo lauzol bon el pauc el gran DN 2 . 20 chal] can Z>. 21 cars N 2 .
IV. 22 sieu E. 23 sejorn E. 24 de*l] de ER. 26 nous p. E.
28 pot R; cabal R.
V. 29 quei] qe DN 2 . 30 die DN 2 ; el trac DN 2 .
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Me no chal, si tan no s’espan;
C’anc grans viutatz
No fo denhtatz;
Per so prez’om mais aur que sal
E de chan es tot atretal. 86
VI. Linhaure, fort de bo coselh
Es fis amans contrarian;
E per o, sim val mais d’afan
Mos sos levatz
C’us enraumatz, 40
Lo m deisazec e l dia mal,
Qui nol denh, ad ome sesal.
VII. Guiraut, per sei ni per solelh
Ni per la clardat que resplan,
No sai de quens anam parlan 45
Ni don fui natz;
Si sui torbatz,
Tan pres d’u fi joi natural,
'Can d’als cosir no m’escoral.
VHI. Linhaure, si m vira l vermelh 50
De l’escut sela cui reblan
Que vuelh dir: ‘A dieu me comanl’
Cals fols pesatz
Outracudatz
M’a mes doptansa desleial! 55
No m sove c’om me fetz comtal.
31 si tot non DN 2 . 32 Car gran uieutatz R. 33 dintatz D, deutatz N 2 , dieu-
tatz R. 34 auer E; E mays prezom auers que R. 36 E de tot cbant es a. DN 2 .
VI. 37 E fis DN 2 -, auian DN 2 R. 38 si nai mais DN *. 39 M. s.]
Me son R. 41 Lonh de sa gen nim (nin R) diga ER. 42 Que DN 2 ;
deig D; A cui no) deia hom sensal E, A cuy bom non deya sensal R.
■ VII. 44 per lardat D, per clardat N 2 . 46 ques a. N 2 ; anan D;
anem E. 47 Si soi par la torbatz D; Si fui trobatz E. 48 Tan pes D.
VIII. 60 gira) DN 2 . 61 cui] que R. 62 Que eu die a N 2 . 63 Tan
fol R, 66 M’a mes] Me trais E, mestra R; deslia D, del leial E. 66com
mi fes E, com y fes R; com me fes con tal D, con me fes com tal N 2 .
6
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86
IX.
Guiraut, greu m’es, per San Marsal,
Car vos n’anatz de sai nadal.
X.
Linhaure, que ves cort reial
M’en vauc ades rieh’ e chabal.
60
m.
(242,22 = 324,1).
4 Hdss.: Z>* 199, I 154 (MG. 822), K 140, Q 8 1 .
Die Abweichungen der 4 Redaktionen von einander
sind zu gering, als dass sich aus ihnen Schlüsse Uber ihr
Abhängigkeitsverhältnis ziehen Hessen. Gedruckt sind auf
Grund der Hds. I Str. I Rayn. Ch. 5, 166 und darnach
MW. 1, 215, Str. II in Rayn. Ch. 5, 290, Str. I, II, IV u. VI
in der Hist. litt, de la Fr. 17,445 und Str. I, II, III, IV,
VI u. VHI bei Milä S. 340. [Balaguer sagt von dieser tension
1,231, sie sei incompleta e incorreda und 6, 190 incompleta
y mutilada .]
I. Be me plairia, senhen reis,
Ab queus vis u pauc de lezer,
Queus plagues que m dizesetz ver,
Si'us cudatz qu’e la vostr’amor
A bona domna tan d’onor 5
Com d’un autre pro chavaler;
E no m’en tenhatz per guerrer,
Ans me respondetz franchamenl
IX. 67 greu] mal 22.
X. 69 rial DtfiR. 60 Ment N 1 ; uau 22.
I. 1—8 fehlt Q. 1 Bern DIK; seingner IK. 2 leier K. 6 Si (Si
fehlt K) con dun autre cauallier IK.
i Chabaneaus Zweifel an dem Vorhandensein des Gedichtes in Q
(s. Rdlr. 23,72 Anm. 2) rührt wohl daher, dass Grüzmacher es bei seiner
Beschreibung der Hds. übersah (s. ZfrP. 4,604).
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87
II. Guiraut de Bornelh, s’eu mezeis
No'm defendes ab mo saber, 10
Be sai ves on voletz tener.
Per o be vos tenh a folor,
Sius cudatz que per ma ricor
Valha menbs a drut vertader!
Aisi vos pogratz u dener 15
Azesmar contr’u marc d’argen.
-in. Sim sal deus, senher, me pareis
De domna qu’enten e valer,
Que ja no n falha per aver,
Ni de rei ni d’emperador 20
No n fasa ja son amador;
50 m’es vis, ni no lh a mester;
Car vos, ric ome sobranser,
No - n voletz mas lo jauzimen.
IV. Guiraut, e non esta genseis, 26
51 l ries sap onrar ni temer
Sidons el cor ab lo poder
L’ajosta? Co l te per senhor,
Preza l donc menhs per sa valor,
Si mal no l troba ni sobrer? 30
Ja sol om dir e l reprover
Que sei que val mais, e melhs pren.
II. 9 Guirautz IK, Ujraut Q. 10 Mun defendiai ab raon sab Q.
11 s. t.] saues IK. 12 Per so IK. 13 per fehlt I. 16 Aismar Q.
HI. 17 sal] fal K; parens D (verbessert in pareis). 19 failaz Q.
20 d. r.] di rex Q. 21 fehlt D; fara Q. 22 vis] ris K. 23 s.J sobran siere Q.
24 uols Q.
IV. 26 Guirautz IK, Siraut Q. 26 Sils DKQ, ni] e Q. 27 porder Q.
28 Li josta IK. 29 Prazal Q. 30 no trobam (1. troba ni) s. K; ni fehlt T.
32 Car ser q mais ual e miels pin Q.
er
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88
V. Senher, mo.ut pren gran mal domneis
Can pert la cud’ e - l bon esper;
Que trop val enan del jazer 35
L’afars de l fin entendedor.
Mas vos, ric, car etz plus maior,
Demandatz lo jazer premer,
E domn’ a l cor sobreleuger
C’ama selui que noi enten. 40
VI. Guiraut, anc trop ries nom depeis
E bona domna conquerer;
Mas e s’amistat retener
Met be la fors’e la valor.
Si'lh ric se so galiador 45
E tan non amon uei com er,
De me no n crezatz lauzenger,
Qu’eu am las bonas flnamenl
VII. Senher, de mo Solatz de Quer
Volgra ben e d’en Topiner 50
C’ameso domnas a prezen.
VHI. Guiraut, oc be, d’amar leugerl
Mas a me non donetz parer,
Qu’eu n’ai gazanhat per u cen.
IV.
Si ja d’Amor.
Hds. & (Gil in Saragossa) 69.
I. Si ja d’Amor
Pogues aver lauzor
Y. 33 don eis Q. 35 enans Q. 36 de fin D. 37 c. e.] quaros K ;
car ß maior Q. 39 donabcor Q.
VI. 41 Guirautz IK , Siraut Q; ric Q. 45 so] fan I. 48finament Q.
VII. (49 dequier DIKQ). 50 Uol gn Q\ d’en T.] deu trop auer I,
dentopimer Q y dent o pni ier K.
VIII. 52 Guirautz IK; von d’amar bis cen fehlt Q; (hoc ben damar
BIK). 53 d.] donos K. 54 Qu a tien n ai guaignat K; per cen DIK.
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Ni guizardo ni grat,
No m’a tan malmenat
Qu’enquera nolh servis. 5
E si mos precs auzis,
No pot pesar cor ni bocha retraire
Los gauchs e is bes c’auri’adoncl Diatz,
Pos de l’auzir seria tan paiatz,
De so befach queus seria veiaire? 10
II. E si m secor
Vostre cors cui onor
Tan quel meu n’ai donat,
Aisi com per orat
M’auretz, so vos plevis, 15
C’anc mais d’autr’om no vis
Tan grans esfortz. de negu nat de mair'e!
Qu’eu servirai los estranhs e is privatz
E serai fols f et az oras senatz
Az oras gais et az oras pesaire. 20
HI. E ja temor
No n’aiatz qu’eu alhor
Mais vir ma volontat;
Que tot aurai trobat
So que totz tems ai quis 25
E serai vos tan fis,
C’als enemics ponharai e desfaire
Et als amics serai dous e privatz;
Aital m’auran, si vos m’o comandatz,
Li mal ab mal elh bon ab ben a faire. 30
IV. A de ricor
E'l mon emperador
I. 5 Que m qoieras. 8 gaug; cauvria doncx.
II. 15 vos per levis. 17 gran.
HL. 28 volentat. 26 sarai. 27 p. en 28 doa. 30 eis bos ab benefaire.
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90
Q’en valgues la meitat?
Non! ai pauc galiatl
Qu’e'l mon non a faitis 85
Cors que melhs m’abelis.
Ai! francha res, corteza de bon aire!
E l mon non es emperis ni renbatz
Que contra tos nom fos grans paubretatz,
Et ab sol vos seria emperaire! 40
V.
Be deu om.
Hds. S' 94.
I. Be deu om chastian dire
A - 1 seu amic umilmen
50 bo coselh drechamen,
Can el fai desmezuransa,
51 tot no lh platz c’om o dia; 5
Car qui ve l’amic falhir,
Tazen lo i fai enardir;
Amdui falho d’un’esmansa,
L’us qui tatz, l’autr’a mali'aire.
II. Per o no serai sofrire 10
Qu’eu nous dia mo talen
D’aiso don om vos repren,
Si tot n’qvetz greu pesansa.
Car legen o trobaria,
Amors, om nos deu sofrir 15
De dir, si tot so li tir,
Ee que porta benanansa
A l’amic cui es amaire.
m. E car sui vostre servire,
Die vos be seguramen: 20
IV. 33 Que v. 36—6 no a cors. 38 enperi ne regnat.
I. 2 amiex. 6 amich. 7 Taszen hofai.
II. 13 letir. 17 ben amansa.
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91
On plus trobatz fl sofren,
Plus a de vos malanansa.
Be cre c’aiatz companhia
Ab aquel c’om no deu dir
Et ab datz qui fan languir 25
Totz sels qui sego lor dansa,.
On cre que us siatz tuch fraire.
IV. Per deu, volhatz mo martire
Adousir e mo tormen,
Car ma domna nom cosen, 30
A cui port leial amansa.
Eu cre be qu’ilh o volria,
Mas no m pot ges trasalhir
Vostre coman, so m’albir;
Car plus l’avetz e posansa 35
Que non a so filh lo paire.
V. Si de leis no sui jauzire,
E us die tot apertamen:
Vostr’ onors vai descreisen,
Car avetz falsa semblansa. 40
Pos c’om vos serf e fadia,
Be degra totz om fuir
Vos onrar ni gen servir;
• Car servizis non enansa,
7 *
S’om no n’es guizardonaire. 45
VI. Enquera pogra jauzir,
Si de leis que m fai languir,
Amors, me donatz fiansa,
Qu’es la genser de bon aire.
IIL 23 crei. 25 Esz ab. 27 crei.
IV. 32 crey. 36 le p.
V. 38 apartamen.
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92
Vll. A amil val m’esperansa 50
Poi en vos e mon afaire.
VI.
No s pot sofrir ma lenga.
Hds. S' 95.
I. No's pot sofrir ma lenga qu’ilh no dia
So que mos cor li dai e mandazo;
Car lo cor fai a guia de baro,
Qu’e sa comand’ a los membres tot dia;
E per so, si tals dichs non es vezis 5
A cortezia, be mi par devis
Que la lenga s’ escus per senhoria,
Car es de l cor ansela ses bauzia.
II. Lo segles es chamjatz de cortezia,
E vilanatg’ es et e perdizo; 10
Plus es lauzatz qui tot toi a bando
Que sei qui dona per sa manentia;
C’ardis lo crois sordeiors e m’es clis
L’us ab l’autre; tals e tals vai tapis
Pe l seu donar, e per sa trufardia 15
Gardem nos be d’aital poestaria!
HI. Donc non a luecs so que sol Pauls «prendre,
Qui dizia e son escrit aisi:
„Plus es lauzatz qui don’ a l seu vezi
Que sei qui pren,“ c’ar sol franqueza vendre, 20
Ni no coselh demandar jutjador
Cals sia melhs e de maior lauzor,
Prendre o dar; car li croi volran rendre
Garentia: no val tan dar com prendre.
VLL 50 A amil val ma e. 51 Poien vob.
I. 2 li] le. 3 lo] le. 4 Que comanda a les m. 5 tal.
II. 9 Le. 10 osq en p. 13 lo] le. 14 vai rapis. 15 Perl. 16 Garden.
III. 17 pro pendre. 21 iutgeor. 22 Qual sia. 23 Prender. 24 con
pendre.
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98
IV. E si li bo yolran lor drech defendre 25
Contra los crois, ni lo ser ni l mati
No'l poiran far, si com pes dins de mi,
Car trop es fortz lor tortz per escoisendre.
Car per u bo so cen li sordeior,
Donc qu’en valgra la garentia lor 30
Contra los crois, cuis chaps puescha deus fendre?
Pauc o nien, so puesc per drech entendre.
V. E pos li bo perdut an la posansa
E lh savai croi elh janglos lauzenger
Tolguda l’an a b fei cor brau e fer, 35
Qu’i faran ilh, si deus no fai venjansa?
Remarran ilh de proar so talan?
No'l lor coselh, si deus mi do bon an.
Melhs am be far ses aver nuV onransa
Qu’eser prezatz ab malvaia bombansa. 40
VI. Car eu am mais, de bo cor ses efansa,
Eser anheus e prat oz e verger
Que lops ni ors, si tot ai cosirer
D’eser trenchatz o d’ aver greu pesansa;
Car qui mor bos, sivaus gazanba tan 45
Que pres de se dieus lo vai eoronan,
E laissa ries sos filhs de sa nomansa;
E l mon non es rictatz de tal egansa.
VII. Amics Bertran, qui etz conoissens tan,
Paucs en conosc c’ab vos valhon u gan. 50
Conortatz vos qui avetz ses dop tan sa
Ries pretz conquis! tenhatz lo e membransa!
IV. 25 lor] 80 Q. 27 pogran. 30 quell v. 31 dieu. 32 Se nien
so puesc per dreig defiendre.
V. 33 pots. 34 Bis savais croys i anglos. 35 ab] a. 38 Non
los c. 30 aver honrausa.
VI. 44 ö da un. 46 Que apres se dieus ö vai bonoran. 48 eogansa.
VIL 40 bertrans.
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— 94 —
Vebersetzong.
^— Dichter und Zofe. 1 * *
I. Wenn ich euch um Rat ersuche, liebe Freundin
Alamanda, versagt ihn mir nicht, da ein bedrängter Mann
euch darum bittet; denn eure falsche Herrin hat mir vor¬
geworfen, dass ich mich von ihrer Botmässigkeit weit ent¬
fernt habe, so dass sie, was sie mir gewährte, mir jetzt
entzieht und von mir zurücknimmt. Was ratet ihr mir?
Denn beinahe entbrennt mir innen das Herz vor Kummer,
so sehr bin ich darüber betrübt.
n. Bei Gott, Guiraut, keineswegs wird der Wunsch
eines Liebhabers so auf ein Mal erfüllt oder verbürgt; denn
wenn das eine* einen Fehler begeht, muss das andere wohl¬
wollend verzeihen, damit ihr Zwist nicht wachse und sich
ausdehne. Und wenn sie euch von einem hohen Berge sagt,
er sei eine Ebene, so glaubet ihr darin, und das Gute und
das Ueble, das sie euch befiehlt, gefalle euch, denn so
werdet ihr geliebt werden.
HI. Ich kann nicht umhin, gegen Hochmut zu murren;
obgleich ihr, Fräulein, schön und blond seid, schadet euch
wenig Zorn und eine kleine Freude nützt euch, da ihr
durchaus nicht erste noch zweite seid 8 ! Und ich, der ich
von diesem Kummer fürchte, dass er mich vernichte, — was
ratet ihr mir darin, — ich solle, wenn ich merke, dass ich
untergehe, mich mehr zur Flut hinwenden 4 ? Schlecht,
glaube ich, leitet ihr mich!
1 Inhaltsangabe S. 16, Text S. 77.
Verstehe: das eine, das andere von zwei Liebenden oder der eine,
der andere Teil eines Liebespaares.
* „Ihr seid ja ein hübsches Mädchen; aber da ihr nicht erste noch
zweite (sondern eine Dienerin) seid, so ist schon eine leichte Ungnade
für euch schwer und eine geringfügige Gunst ein grosser Gewinn.* T.
4 d. h. ich solle mich noch tiefer (in mein Unglück) „hineinrudern.“
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95
IV. Wenn ihr mich Uber einen so schwierigen Gegen¬
stand zu Rate zieht, bei Gott, Guiraut, weiss ich nicht, wie
ich euch antworten soll; jedoch wenn es euch scheint, dass
ich mit wenigem zufrieden wäre, 1 — lieber will ich auf
meiner Wiese alles ausrupfen, als dass ein anderer sie mir
abmähte. Und wenn ich heute begierig war, für euch die
Aussöhnung zu bewirken, so suchet ihr, wie sie ihr Wohl¬
wollen euch entziehen und vorenthalten möge! Wohl scheint
es, dass ihr in gar grosser Bedrängnis seid.
V. Fräulein, seid fortan nicht zu geschwätzig! Wenn
sie zuerst mir mehr als fünfmal nicht Wort gehalten hat,
glaubt ihr da, dass ich es allezeit dulden solle? Es schiene,
dass ich es aus Ermangelung anderer Freundschaft thätel —
Ich habe jetzt Lust, euch zu schlagen, wenn ihr nicht
schweigt! Besseren Rat würde Dame Berenguera geben, als
ihr mir gebet!
VI. Die Stunde sehe ich, Guiraut, dass sie es euch
vergelte, dass ihr sie unbeständig und leichtsinnig nanntet;
meint ihr, sie bitte darum* euch um Versöhnung? Aber
glaubet nicht, dass sie so zahm sei; vielmehr wird es
nun ihre letzte Zusage sein, was ihr auch sagen möget,
wenn ich sie deshalb so lange quäle, bis sie euch jemals
Waffenstillstand, Vertrag und Friede anbiete.*
VII. Schöne, um Gott, möge ich nicht euren Beistand
verlieren, denn ihr wisst wohl, wie er mir zugesagt ward.
Wenn ich infolge des Kummers, den ich hatte, gefehlt habe,
so schade es mir nicht; wenn ihr je fühltet, wie leicht das
Herz eines Liebhabers wechselt, Freundin, und wenn ihr je
1 Verstehe: so möget ihr wissen: Gerade das Gegenteil ist richtig;
ich wäre nicht so genugsam wie ihr, würde als Liebhaber meine Ange¬
betete lieber ganz für mich besitzen wollen, als durch mein Verhalten
bewirken, dass ein anderer sie mir streitig macht.
* „um solcher Reden willen“ T.
* d. h. wenn ich sie durch meine inständigen Bitten dahin bringe,
euch Frieden anzubieten, so wird sie das diesmal, wenn sie es eben Ober¬
haupt noch thut, doch unwiderruflich zum letzten Male gethan haben.
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96
eine Geliebte wart, so seid auf die Aussöhnung bedacht;
denn ich sage euch wohl: „Tot bin ich, wenn ich sie ver¬
loren habe“! Aber verratet mich deswegen nicht!
VIII. Herr Guiraut, gern hätte ich bereits Frieden
herbeigeftlhrt, aber sie sagt mir, dass sie sich mit Recht
geärgert hat, weil ihr, wie ein Narr, ganz öffentlich einer
anderen den Hof machtet, die ihr weder bekleidet noch nackt
gleichkommt. Wird sie also nicht, wenn sie euch nicht
aufgiebt, die Rolle der U nterlegenen spielen, wenn ihr einer
anderen den Hof macht? 1 2 * Wohl werde ich euch, wenngleich ich
sie® verteidigt habe, darin helfen, wenn ihr nie wieder Streit
mit ihr anfangt.
IX. Schöne, bei Gott, wenn ihr bei ihr in dieser Hinsicht
Glauben findet, versichert ihr es für mich!®
X. Wohl werde ich es thun, aber wenn ihre Liebe
euch zurückgegeben sein wird, beraubt euch ihrer nicht!
n.
Die dunkle Manier . 4
I. Jetzt möchte ich gern wissen, Guiraut von Bornelh,
warum und auf Grund welcher Anschauung ihr die dunkle
Dichtweise tadelt. Saget mir, ob ihr das, was allen
gemeinsam ist, so sehr schätzet; denn dann würden alle
gleich sein.
H. Herr Linhaure, ich beschwere mich nicht, wenn
jeder nach seiner Neigung dichtet; aber ich urteile darüber
insoweit, dass Gesang mehr geliebt und geschätzt ist, wenn
man ihn leicht und einfach macht, und legt mir das nicht
Übel aus!
1 Al. will sagen: Wenn sie euch trotzdem noch ihre Gunst
schenken würde, würde sie sich doch in der That viel vergeben.
2 nämlich: soeben.
2 dass ich nie wieder streiten will.
4 Inhaltsangabe S. 39, Text S. 83.
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97
m. Guiraut, ich will nicht, dass mein Dichten zu
solcher Unruhe werde, damit man ebenso sehr das Gemeine'
wie das Gute und das Geringe wie das Grosse liebe (P 1 2 * ).
Von den Thoren wird es 9 nie gelobt werden: denn sie ver¬
stehen nicht, noch liegt ihnen am Herzen, was teurer ist
und mehr gilt.
IV. Linhaure, wenn ich um deswillen® wache und
meine Ruhe in Mühe verwandle, scheint es dann (kann dann
jemand urteilen), ich scheue Belästigung? Wozu dichtet ihr,
wenn es euch nicht gefällt, dass alle Leute es alsbald
wissen? denn Gesang bringt keinen anderen Vorteil.
V. Guiraut, wenn ich nur das Beste bereite und
jederzeit sage und vorbringe, so liegt mir nicht daran, wenn
es sich nicht so sehr verbreitet; denn nie war Alltäglichkeit
ein „Futter für Kenner“; deshalb schätzt man Gold mehr
als Salz, und mit Gesang ist es ganz ebenso.
VI. Linhaure, ein treuer Liebender ist beim Wider¬
sprechen ein sehr guter Berater; und doch, wenn mir mein er¬
hobener 4 * * * * Gesang mehr Anstrengung wert ist als ein heiserer,
möge, wer ihn nicht billigen mag, ihn mir zergliedern und
einem Untergebenen gegenüber schlecht vortragen (?).
1 Wül Linh. damit sagen, er wolle sich heim Dichten nicht so sehr
abmtlhen, tun schliesslich mit ganz gewöhnlichen Dichtern auf eine Stufe
gestellt zu werden, könne vielmehr, wenn er auf seine Gedichte soviel
Fleiss und Sorgfalt verwende, verlangen, dass sie mit anderen Augen
betrachtet werden als die niedrigen Erzeugnisse des gemeinen Dichter¬
haufens? Oder wie wäre diese Stelle sonst zu verstehen?
2 nämlich mein Dichten; vielleicht ist aber auch nu n'er zu schreiben
und zu Übersetzen „V. d. Th. werde ich deshalb nicht g. w.‘
* d. h. wohl: gerade um sie recht klar und verständlich zu machen;
vgl. dazu 45 I en l'escurzir Non es l'affanz, Mas en l'obra selarzir
(I. l'obr'esclarzir) Rom. Stud. 2,414.
* Der »erhobene* Gesang ist derjenige, welcher mit lauter Stimme
gesungen wird, d. h. mit Lust, weil er verständlich ist; im Gegensatz
zu ihm steht der heisere, unverständliche.
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98
VII. Guiraut, beim Himmel und bei der Sonne und
'bei dem Lichte, das erstrahlt, ich weiss nicht, wovon wir
sprechen noch wo ich geboren ward; so verwirrt bin ich,
so sehr erfasst von einer lauteren, wahren Freude, wenn
ich nicht wegen anderen Kummers mutlos werde.
VIII. Linhaure, so wendet mir die, welche ich mir
wieder geneigt zu machen suche, das Rote des Schildes 1 ,
dass ich sagen will: „Gott empfehle ich mich!“ Welch ein
närrischer, überschwenglicher Gedanke hat mir schändlichen
Zweifel verursacht! Ich erinnere mich nicht, dass man mich
gräflich machte.
IX. Guiraut, es thut mir leid, beim heiligen Martial,
dass ihr Weihnachten von liier scheidet.
X. Linhaure, denn ich gehe alsbald an den könig¬
lichen Hof, den vortrefflichen und herrlichen.
m.
Der König als Liebhaber 2 .
I. Wohl gefiele es mir, Herr König, vorausgesetzt,
dass ich bei euch ein wenig Müsse sähe, dass es euch be¬
liebte, mir die Wahrheit zu sagen, ob ihr glaubt, dass in
eurer Liebe eine gute Dame so viel Ehre geniesst, wie (in
derjenigen) eines anderen wackeren Ritters; und haltet mich
deshalb nicht für einen Feind, vielmehr antwortet mir frei¬
mütig!
II. Guiraut von Bornelh, wenn ich mich nicht selbst
mit meinem Wissen verteidigte, so weiss ich wohl, worauf
ihr hinauswollt. Demnach rechne ich es euch wohl als
Thorheit an, wenn ihr glaubt, dass ich wegen meines hohen
Standes weniger zu einem wahrhaften Liebhaber tauge!
1 sie ist mir so feindlich gesinnt (s. d. Anm.).
2 Inhaltsangabe 8. 52, Text 6.86. — Eine deutsche Uebersetznng
der 1. Str. giebt Kannegiesser 8. 134, eine franzOs. Uebs. der Str. I. II,
IV u. VI Emeric-David in der Hist. litt, de la Fr. 17,445.
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99
Ebenso könntet ihr einen Heller gegen eine Mark Silber
abschätzen 1 .
DI. So schütze mich Gott, Herr, mir scheint von
einer Dame, welche auf Trefflichkeit hält, dass sie um der
Habe willen nie fehle und aus einem König oder Kaiser nie
ihren Liebhaber mache; das scheint mir, und sie braucht
es auch nicht; denn ihr, vornehme, hochgestellte Leute,
wollt davon nur den Liebesgenuss.
IV. Guiraut,und ist es nichthübscher, wenn derMächtige
seiner Dame Ehrfurcht zu erweisen weiss und ihr das Herz
mit der Macht vereint? Schätzt sie ihn denn, wenn sie ihn
zum Herrn hat, weniger um seiner Macht willen, wenn sie
ihn nicht schlecht oder hochmütig findet? Pflegt man ja
doch im Sprichwort zu sagen, dass derjenige, der mehr ver¬
mag, das Bessere erhält.
V. Herr, sehr grossen Schaden nimmt Frauendienst,
wenn er die Sorge und die gute Hoffnung einbüsst; denn
hohe Bedeutung hat die Stellung des echten Liebenden auch
vor dem Beiliegen. Aber ihr, Mächtige, verlangt, weil ihr
grösser seid, das Beiliegen zuerst, und ein zu leichtsinniges
Herz hat eine Dame, welche denjenigen liebt, der nicht in
sie verliebt ist.
VI. Guiraut, niemals bezeichnete ich mich als sehr
mächtig beim Gewinnen einer guten Dame; aber auf die
Erhaltung ihrer Freundschaft setze ich wohl die Kraft
und die Tüchtigkeit, Wenn die Mächtigen Betrüger sind
- und nicht heute so wie gestern lieben, so glaubet darin
in Bezug auf mich keinem Verleumder, denn ich liebe die
guten Damen ehrlich!
1 d. h. dass ein König in Liebessachen weniger gelte als jeder be¬
liebige wackere Ritter, ist ebenso unrichtig wie etwa die Behauptung,
dass eine Mark Silber einem Heller an Wert nachstehe.
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100
VIT. Herr, von meinem Solatz de Quer und von
Herrn Topiner würde ich wohl wünschen, dass sie offen
Damen liebten.
VIII. Guiraut, jawohl, in leichtsinniger Liebe! Aber
schaffet mir keinen Nebenbuhler, denn ich habe deren hundert¬
mal mehr, als mir lieb ist.
IV.
Ersehntes Liebesglück . 1
I. Wenn ich je von der Minne Ehre, Lohn und Gunst
erlangen könnte, so hat sie mich nicht so schlecht behandelt,
dass ich ihr nicht noch dienen sollte. Und wenn sie meine
Bitteu erhörte, die Freuden und die Annehmlichkeiten, die
ich dann haben würde, kann kein Herz denken und kein
Mund erzählen! Saget, da ich vom Erhören so befriedigt
sein würde, was würde euch dünken (wie befriedigt ich
wäre) von ihrer Gutthat?
H. Und wenn ihr, die ich so sehr ehre, dass ich
mich selbst deshalb hingegeben habe, mir helfet, werdet
ihr mich ganz nach Wunsch haben, das versichere ich euch,
so dass man nie von einem anderen Sterblichen so grosse
Anstrengungen gesehen hätte! Denn ich werde den Fremden
und den Bekannten dienen und werde närrisch sein und
bald vernünftig, bald lustig und bald bekümmert.
HI. Und habet nie Angst, dass ich fürder meine
Neigung einer anderen zuwende; denn alles, was ich stets
gesucht habe, werde ich gefunden haben und werde euch
so treu sein, dass ich deshalb die Feinde zu vernichten
suchen und zu den Freunden sanft und leutselig sein werde;
so werden mich, wenn ihr es mir befehlet, die Schlechten
mit Uebel- und die Guten mit Wohlthun haben.
IV. Giebt es in der Welt einen Kaiser von Adel,
der die Hälfte davon wert wäre? Nein! dabei ist wenig Trug!
1 Inhaltsangabe S. 65, Text S. 88.
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101
Denn in der Welt giebt es keine (schöne) Person, die
mir besser gefiele. Ach, edles, höfisches, gütiges Wesen!
In der Welt ist kein Kaiserreich noch Königtum, das mir
im Vergleich zu euch nicht grosse Armut wäre, und mit
euch allein würde ich Kaiser sein!
V.
Amors Schuld 1 2 3 .
I. Wohl soll man belehrend seinem Freunde seinen
guten Rat geradezu sagen, wenn er Ungebührliches thut,
auch wenn es ihm nicht gefällt, dass man ihn sage; denn
wer den Freund einen Fehler begehen sieht, lässt ihn durch
sein Schweigen mutig werden; beide fehlen sie gleich sehr*,
der eine, indem er schweigt, der andere beim Unrechtthun.
II. Deshalb werde ich nicht abstehn, euch zu sagen,
was ich will, hinsichtlich dessen, weswegen man euch tadelt,
obwohl ihr davon schweren Kummer habt. Denn lesend
würde ich finden, Amor, man soll sich nicht enthalten, etwas,
was dem Freunde, den man liebt, Glück bringt, zu sagen,
obwohl das ihn ärgern mag.
III. Und weil ich euer Diener bin, sage ich euch mit
aller Zuversicht: Je treuer ihr einen Dulder findet, um so
mehr Leid hat er von euch. Wohl glaube ich, dass ihr mit
jenem Umgang habt, den man nicht nennen darf, und mit
Würfeln*, welche alle diejenigen schmachten lassen, die ihrem
Tanze folgen, weshalb ich glaube, dass ihr alle gleich seid.
IV. Um Gott wollet meine Pein und meine Qual
lindern, denn meine Dame, zu der ich treue Liebe hege,
giebt mir nicht nach. Ich glaube zwar, dass sie es wollen
würde, aber sie kann euer Gebot keineswegs überschreiten,
1 Inhaltsangabe S. 67, Text S. 90.
2 »gleich sehr (in Einer Schätzung) (?)“ T.
3 „die wie der Teufel betrügen, wer ihnen vertraut“ T.
7
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102
denke ich mir; denn ihr habt sie mehr in eurer Gewalt,
als der Vater seinen Sohn.
V. Wenn ich mich ihrer nicht erfreue, so sage ich euch
ganz offen: Eure Ehre nimmt beständig ab, denn ihr habt
eine falsche Art. Da man euch in falscher Erwartung dient,
sollte wohl jedermann es vermeiden, euch zu ehren und
hUbsch zu dienen; denn Dienst fördert nicht, wenn man
ihn nicht vergilt.
VI. Noch könnte ich Freude haben, wenn ihr, Amor,
mir von ihr, die mich schmachten lässt, Zusicherung gebet,
von ihr, welche die Trefflichste ist, von guter Art.
VII. Diese Tornada ist mir leider unverständlich geblieben (s. d.
Anm.).
VI.
Die Schlechtigkeit der Welt'.
I. Meine Zunge kann nicht umhin, zu sagen, was mein
Herz ihr aufträgt; denn das Herz thut nach Ritterart, da
es jederzeit die Glieder in seiner Botmässigkeit hat; und
demnach scheint es mir, wenn solches Wort der Höflichkeit
nicht nahe ist, wohl ausgemacht, dass die Zunge sich mit
Botmässigkeit entschuldige, denn sie ist ohne Lüge des
Herzens Magd.
H. Die Welt hat von Höflichkeit abgelassen, in Ge¬
meinheit ist sie und in Verderbnis; mehr gelobt wird, wer
alles nach Belieben wegnimmt, als derjenige, welcher gemäss
seinem Reichtum giebt; denn der Gemeine ermutigt die
Schlechteren, und sie unterstützen einander(?); der und jener
geht im Verborgenen (?) um seines Gebens willen, und wegen
seiner Betrügerei wollen wir uns vor solchem Besitze wohl
hüten 1
IH. Also nicht hat statt, was Paulus zu lehren (?) pflegte,
welcher in seiner Schrift also sagte: „Mehr gelobt wird, wer
1 Inhaltsangabe S. 67, Text 8. 62.
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103
seinem Nachbar giebt, als derjenige, welcher nimmt“, denn
jetzt pflegt der Edelmut sich entgelten zu lassen, und nicht
rate ich, einen Schiedsrichter zu fragen, was besser und
ehrenvoller sei, Nehmen oder Geben; denn die Schurken
werden sich dafür verbürgen wollen, dass Geben nicht so
viel gilt wie Nehmen.
IV. Und wenn die Guten ihr Recht gegen die Schurken
werden verteidigen wollen, so werden sie es weder abends
noch morgens thun können, wie ich bei mir denke, denn ihr
Unrecht ist zu stark, um es zu vernichten. Weil auf einen
Guten hundert Schlechte kommen, was würde ihnen da in
dieser Hinsicht der Schutz gegen die Schurken, deren
Köpfe Gott spalten möge, nützen? Wenig oder nichts, das
möchte ich wahrlich meinen (?).
V. Und da die Guten die Macht verloren und die
feigen Schurken und schmähsüchtigen Verleumder mit hartem,
trotzigem und grausamem Herzen sie geraubt haben, was
werden sie da thun, wenn Gott nicht Rache nimmt? Werden
sie aufhören, seinen Willen anzuerkennen? Ich rate es
ihnen nicht, so gewiss (ich wünsche, dass) Gott mir ein
gutes Jahr gebe. Lieber will ich Gutes thun, ohne (irgend
eine) Ehre zu geniessen, als mit schlimmer Prahlerei ge¬
schätzt werden.
VI. Denn ich will lieber, bereitwillig ohne kindischen
Leichtsinn, in Wiese oder Garten ein Lamm sein, als ein
Wolf oder Bär, obwohl ich dabei die Sorge hege, zerrissen
zu werden oder schweren Kummer zu haben; denn wer gut
stirbt, gewinnt wenigstens so viel, dass Gott ihn bei sich
krönt (?), und er hinterlässt seine Söhne reich an seinem
Ruhme; in der Welt giebt es keinen Reichtum, der diesem
gleich wäre.
VH. Freund Bertran, der ihr so einsichtig seid, wenige
kenne ich, die im Vergleich mit euch einen Handschuh
wert wären. Fasset Mut, da ihr ohne Zweifel hohe Ver¬
dienste erworben habtl Bleibt dessen eingedenk 1
7 *
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104
Anmerkungen.
I.
(Inhaltsangabe S. 16, Text S. 77, Uebersetzung S. 94.)
1—2 citiert Barbieri nach H, cf. Mussafia, Sitzungsber.
d. phil.- hist. Klasse der Wiener Ak. der Wissensch.
Bd. 76,242.
1. Situ. Das sich in einer Anzahl Handschriften
findende Sieus könnte ja aus si + ieu + us entstanden sein;
vielleicht schrieb man es aber fälschlich statt des aus se + us
entstandenen seus , das sich doch von dem aus se + eu + us
entstandenen seus nicht unterscheidet; vielleicht steht aber
auch sieus für sius, da ja der Triphthong ieu für den Diph¬
thong iu sich häufig, und selbst im Reime, findet; vgl.
Weisse, die Sprachformen Matfre Ermengaus S. 10 § 3,5:
ieu (ego): vieu (vivit): vieu (vivum). — Ueber die Entstehung
des Namens „Alamanda“ aus „Alamanna“ s. 0. Schultz,
Dichterinnen S. 9,3.
4. Die Bemerkung des Nostradamus (s. Bartsch im
Jb. 13,49) über Guiraut von Bornelh „qu’amour n’eust
jamais pouvoir sur luy et qu'il a tousjours mespris£ son
royaume et la beaut6 des plus belles femmes de son temps“
ist ganz unbegreiflich, wenn man ausser Ged. I, IV, V, so¬
wie II 50 ff. etwa noch folgende Stellen aus Guirauts Werken
vergleicht: 43 I Al eo m'aue, dieus m’aiut, Qu'er, quan cug
ehantar, plor! Seria ia per amor Que m’a sobrat e uencut?
E per amor no uen ■ iais? Si fai! Doncs per que m'irais Ni
que’m fai marrir, Que non o sabria dir? MG. 815; 4 IV De
lonx temps non agra cana, Si s'amor non enuejes MG. 198;
31 V Qed pretz prezans E l cors adreitz e benestans, Duichfs)
de bella paria M’a mes en sa baillia Arch. 51, 14b; 70 VI
Caissi'm ten amors destreig Q’entcndeire ses gazaing Sui (Tun
ric luoc seignoril Celat e de terra estraigna, Don no sui casatz
Arch. 33,332 b und 2 II Ab bei semblan mi fai uoler Midonz
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so que plus mi deffen; Ab art et ab fals geing mi pren, Oum
s'ieu Vera trichaire. Per lieis pert mm ueiaire; Tant m’es
abeUida, Car m plus m’oblida, Qand ops me seria, Mos eors
s’en uai Lai on li plai; Ses cor uiu, ear ab mi nm l'ai,
Qu’ül l’a en baülia Arch. 51, 25b.
Trotzdem meint Bartsch, des Nostradamus Aeusserung
sei gewiss berechtigt und beziehe sich „ohne Zweifel“ auf
eins von Guirauts Liedern. Anzunehmen wäre nur, dass
Nostradamus Guiraut missverstanden habe, als er sagte:
37 VI E s'ieu ia tom uas Essiduoill, Vauc uiran de mal
en peior, Que per dompna ni per seignor Nm me uolc trop
mouer ded fais Arch. 33,329 a,46 oder 73 I Si per mm
Sobretotz no fos Que'm ditz qu'ieu ehant e sia gays, Jad suaus
temps, quan Verba nays, Ni pratz ni rams ni bosc(s) ni flors
Ni durs senhers ni van' amors Nirm pogran metre en eslays
MW. 1 , 203.
Vielleicht sind es auch diese Stellen, aus denen Nostra¬
damus den Schluss zog, Guiraut habe nie, welchen Lohn
man ihm auch anbot, in den Dienst eines Fürsten oder
Herrn treten wollen; dass diese Nachricht ebenso irrig ist
wie jene, zeigt 54 I Ops m'agra, Si m'o consmtis La
sazos ded temps entenerc, , Qu'en cal que solatz m'esgauzis,
Que cmtrad freit m'agr’ops vestirs, E cmtrad tort qu'eu
prenc merces E cmtrad trop tazer chantars E cmtrad camje
de'ls baros Francs seigner e cortes e bos B. Chr., 104/5.
7. abrandar als intransitives Verbum, in der Bedtg.
„entbrennen“, entsprechend dem afz. abrander (s. Godefroy
s. v.) steht nicht im Lex. rom.
10. Neben dem nach Diez, E. W., S. 177 im Afz.
vorkommenden garandir existiert ein garandar verbürgen,
das in dieser Bedeutung nicht im Lex. rom. vermerkt ist,
wie etwa neben revertir das gleichfalls im Lex. rom. fehlende
revertar zurückkehren, welches Stichel, Beitr. z. Lexiko¬
graphie des altprov. Verbums, A. u. A. 86 s. v. und Levy
ZfrP. 15,543 durch eine Anzahl Beispiele belegen. — Aehn-
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106
lieh wie hier Alamanda sagt Guiraut in 9 V: E sors anc
res que ioys fos Leu (ni) de cors? Arch. 36, 422.
11. blandir heisst hier „wohlwollend entgegenkommend
vgl. auch 3611: Car nuills fins amaire Non sap d'amor gaire
Que leu s’irais; C Amors dona lei Com l'autrui fort blanda e
mereei Arch. 33,313 a, 26.
12. no crescha ni s’espanda. Perissologieen finden sich
hier öfters, und zwar stets in den Worten der Alamanda:
31 esdui’ e’us resconda, 42 chamjairitz ni leugera, 48 treva
ni fi ni patz. — Vgl. mit dieser Stelle Guiraut 58 V: Ja
non soans So que plus uols ni tfen feignas iratz; Que guerra
toi souen so qu’adui patz Arch. 33,320 a 53 und 78 III: per
pauc de meseap trasvai Amors d’amic e de senhor Rdlr.
25,217, 41.
13,14 und 16citiert Rayn. im Lex. rom. 4,16b, s. v. landa.
15. Lo bes e'l mals = „Alles ohne Ausnahme“, wie v. 60
ni vestida ni nuda — „ganz und gar nicht, in keiner Ver¬
fassung“ und VI 26 ni lo ser nvl mati = „niemals“; über
diese Ausdrucksweise s. Stimming zu BBom 4,23, Perle,
ZfrP. 2, 415 und Grosse, Franz. Stud. 1, 255. — In 71 II
sagt Guiraut: Mas ieu sec sos manz, Sia m pros o danz, En’ai
mal e be Arch. 34,398b.
17 citiert Rayn. im Lex. rom. 3,513a s. v. gronhir.
18. bei’ e blonda. Andere Beispiele von Allitterationen
bei Guiraut sind feinz, fals e felos 15 I, benignes ebos 1511,
pe o ponh 27 II, paucs pereatz 27 III, don e despenda 27 VIII,
pretz prezans 31 V, jois ejovens 24 V, fis e ferms 33 VI, vol
ni vir und lo cor nvl coratge 43 Ul, lo dampnatges e l dans
55 I, frag e flor 5 I u. 67 III, falh e fui 73 I und die
schon von Appel, P. Rog. in der Anm. zu S. 23 hervor¬
gehobenen afan ni fays, los defragz e’ls frunitz, esproar los pros.
20. Mas ist wohl hier am besten in der Bdtg. von „da,
weil“ aufzufassen, die es z. B. auch B. Chr. 51,14 und Flam.
v. 2927 u. 4307 hat. Den Uebergang zu dieser auch von
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Diez in der Gramm. 3,351 Anm. angegebenen Bedeutung
bilden nach Herrn Prof. Tobler Fälle, wo „aber“ den Grund
angiebt der Art, dass die Kenntnis der Thatsache den
andern sofort aufklärt; z. B. ich komme nicht, aber (du
brauchst dich nicht zu wundern) es ist schlechtes Wetter.
21. Welche Leiden dem Dichter die Liebe verursacht,
geht z. B. aus 25 V hervor: non vezetz Los mals qu'ieu
trac ni'ls plains ni'ls gems Q’ieu fatz la nuoich, qan sui col-
gatz, E'l jom non puosc estar em patz Arch. 33,331b, und in
59 VI sagt Guiraut in Bezug auf die Liebespein: Ab ma
voluntat paurueha No m’ai ( m’a C) laissat cam ni sanc
B. Chr. 108,9.
23. Statt sen können verschiedene Schreiber, auch un¬
abhängig von einander, das paläographisch nahestehende
und auch in v. 21 vorkommende tem eingeführt haben.
— Die Wassersgefahr spielt in verschiedenen Gleichnissen
Guirauts eine Rolle, so 60III: sui plus despers Per sobramar
Que rums, qan uai tomban per mar Destreicha d’ondas e de
uens; aissi'm destreing lo penssamens Arch. 51,19 b und 67IV:
sobregabaire, Dins o defors son repaire, A pejor perilh que
naus 1 MW. 1,197.
27. vgl. dazu Guirauts Worte in v. 19.
28. Der Satz ist als Sprichwort im Lex. rom. 4,485b
und von Cnyrim S. 49 unter No. 873 citiert. — pelar ist wohl
dasselbe wie das franz. peler, nämlich „abhaaren, die Haare
abbrühen“ (s. Maetzner, Afz. Lieder S. 279), also „gänzlich
enthaaren,“ während tondre „abscheeren“, d. h. nur „teil¬
weise der Haare berauben“ bedeutet; so heisst es in einem
der heutigen Volkssprache angehörenden Satze in Sachs’
Wbch. s. v. peler: II n’y avait que quatre tondus et un
pel6. In Bezug auf die Wiese wendet auch La Fontaine,
1 StOssel, Bilder und Yergl. d. altprov. Lyrik, 1886 S. 51, No. 266
liest aus diesem Satze fälschlich heraus, dass die Gefahr des Gross¬
prahlers «eine weit geringere* sei als die des Schiffers.
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Fabl. VII 1 tondre an, indem er sagt: Je tondis de ce pr6
la largeur de ma langue.
29. Dieser Vers und IV 27 sind Beispiele für das
Verwachsen der den Inf. begleitenden Präpos. mit dem
Artikel des von demselben regierten, ihm vorangestellten
Nomens; vgl. Tobler, vrai aniel, S. 22 Anm. zu 5, Tobler,
Verm. Beitr. 1. Teil, S. 75 und van Hamei zum Renclus 44,7.
30—32 sind mit heissendem Spott gesagt; mit om cochatz
spielt Alamanda auf Guirauts Worte in v. 2 an.
34. Ueber mentir „die Treue brechen“ s. Tobler,
Verm. Beitr. 1, 177 Anm. — Aehnliche Vorwürfe macht
Guiraut seiner Dame wiederkolentlich: 4 III Svm fos d'atnar
tont humana Cum ieu suy, ben cug m’ames. De talan uolgra'm
camjes; Bom fora, s'a Heys plagues; Mas alons se fax grazir
MG. 198; 33 DI Epesam car iois es faillitz, E uau per una cam-
iaritz Desconortatz, Cuisui (fui V), mentrem semblet uertatz Sa
mensonia, fis e xierais, En qu’ella'm galiet e’m trais Arch. 34,398a
und 35 HI Ben son mane[i]nz de % l maltrag qe’m donaz Soffrir
en patz, deu(s) m’en don älegrage, E soi paubres , quant uos
no m’esgardatz Et a ls autres d'entern fax (1. fatz) bei usage
(1. uisage) MG. 837.
36—37. Guiraut giebt hier in der Erregung zu, dass
der Vorwurf, den ihm seine Angebetete wegen seiner Treu¬
losigkeit (v. 4) gemacht hatte, berechtigt sei; daher lässt
er auch die ihm durch Alamanda von ihrer Herrin über¬
mittelten Anschuldigungen (s. Str. VHI) unwiderlegt. Die
„anderen Freundschaften“ scheint er aber nur zum Scheine
eingegangen zu sein, um seine ungetreue Geliebte zu be¬
strafen und eifersüchtig zu machen; denn in 48 I u. VII
sagt er: Mamigam mena estra lei; Non sai perque, Q’ieu
non l'ax forfaich Baue ni re, Si dieus rrüaiut! Doncs per que
m'azxra, Pois ieu nuill enoi no'il fatz? Car Ix platz! Dal res
no’i sai; Eper so die que mespren E car encolpat no’m sen...
Dane des l’ora q'ieu fui natz, Apenssatz, Sil s’o retrai, No'ü
fraissi son mandamen Neseis ni ab escien Arch. 33,324al
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109
u. 825 a 73, in 58 IV Mas des que ui qe'l cors era camiatz,
Camiera'l mieu , s’aissi no'i fbs fermatz Arch. 33,320 und in
63 IY Cor flae e vuee D’essenhamen Ag'im, s’anc de s’amor
m'estrays, Pos la vi, ni si de mentir L'ai cor Rdlr. 25,212,
aber in dem Devinalh 80, Str. V Brutz ai estat una sazo
Seines engan ab trario B. Chr. 104,1.
39. na Berenguera. Berenguera ist, ein zu Guirauts
Zeit in Stldfrankreich sehr häufig verkommender Name.
Die Tochter Sanchos YI. von Navarra, an welche
Selbach S. 56 bei dieser Stelle dachte, kann hier nicht ge*
meint gewesen sein; sie heiratete 1191 den König Kichard
Löwenherz und war vielleicht bei der Abfassung dieser
Tenzone noch garnicht geboren. Möglich wäre es, dass die
Dame Guirauts noch eine andere Zofe namens Berenguera
hatte, möglich aber auch, dass Guiraut hier an die Eselin
aus dem Roman de Renart dachte (s. ed. Martin 1, v. 780
l’anesse Berenger) und andeuten wollte, dass Alamanda mit
ihren schlechten Ratschlägen sich dümmer zeige als eine
Eselin; das wäre eine Grobheit, die sich den unmittelbar
vorhergehenden Schmähungen und Drohungen nicht Übel an¬
schlösse. — Herr Prof. Tobler glaubt, dass die Berenguera eine
durch eine Novelle als schlechte Beraterin sprichwörtlich ge¬
wordene Frau ist.
41. Levy schlägt im LgrP. 10, 182 die Lesung vor:
L'ora vej’ieu „möchte ich doch die Stunde sehen“; aber
Alamanda ist trotz der ihr von Guiraut zu Teil gewordenen
Unbilden nach wie vor (v. 29, 57 u. 63) bemüht, den
zwischen den Liebenden ausgebrochenen Zwist aus der Welt
zu schaffen, so dass ihr ein derartiger Wunsch ferne gelegen
hätte.
43. Die Zofe giebt ihrer Verwunderung darüber Aus¬
druck, dass Guiraut bei solchem Verhalten, das doch nur
geeignet sein könnte, ihn seiner Dame immer mehr verhasst
zu machen, sich zu der Hoffnung versteigen könne, dass
diese ihn um Versöhnung bitten werde.
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— 110 —
44. Die Warnung, welche Alamanda nach meiner
Auffassung dem Dichter in diesem Verse erteilt, wäre nach
den vorausgehenden Zeilen wohl angebracht; dagegen läge
in den Worten „ich glaube nicht, dass sie so zahm ist“
nichts Anderes, als was soeben ausgesprochen war. Aus einem
cugetz des Originals konnte leicht cuges und eug ges ent¬
stehen, worin die Differenzen in den Hdss. begründet zu
sein scheinen.
47. Mit R lese ich Si l'en destrenh, das mit der
v. 29, 57 u. 63 ausgesprochenen Bereitwilligkeit der Zofe
im Einklänge steht und erst verstehen lässt, warum Guiraut
in der folgenden Strophe Alamanda gegenüber einen so
sanften Ton anschlägt und sie inständigst um Verzeihung
und Hilfe bittet; si s’en destrenh, das, da s und l sich
paläographisch sehr ähnlich sind, leicht für si l’en destrenh
verlesen worden sein konnte, ergäbe zu v. 44 einen Wider¬
spruch. ABN mit. si iaus (statt si laus?) und das la in Q
können die Lesart von R nur stützen.
48. treva ist die Femininform zu dem von Guir. im
Ged. 20 im Reime gebrauchten treus.
55. Que he vos die bezieht sich wohl darauf, dass der
Dichter die damit eingeführte Aeusserung in v. 21, wenn
auch in anderen Worten, bereits gethan hat. — Auch in
43 V heisst es Km fara murir, Sol q’en son atur no'm uir
MG. 816.
56. Guiraut mochte in seiner Angebeteten die in
v. 36 angedeutete Vermutung nicht aufkommen lassen und
für den Fall, dass sie nicht nachgebe, seinen Plan, sich
durch Scheinfreundschaften an ihr zu rächen, nicht vereitelt
sehen. Der Wunsch des Dichters, seinen Schmerz zu ver¬
leugnen, ist auch in 34 IV enthalten: leugieiramen se muda,
Per saubuda m’estrai So qe'm fetz gai E me descapte. Merce
No'il deman Mas uau m'alegran Com no’n conogues Ni saubes
L'afan Arch. 33, 326,75.
57. Vgl. dazu v. 29.
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58. ira8cuda ist das Fern, des Part. perf. von iraisser;
dagegen kommt iratz v. 8 unmittelbar vom lat. Part, „iratus“
(s. dazu Sternbeck, Unricht. Wortaufstellungen u. Wort¬
deutungen in Rayn.’s Lex. Rom. S. 64).
59. Ueber a saubuda und a saubut s. Stimming zu
BBom 8,48 u. 12,40.
61—62. Die verschiedene Auffassung des que scheint
hier in den Hdss. die Verwirrung veranlasst zu haben; da
die Worte s’autra'n preiatz mir nach dem kurz vorher da¬
gewesenen Cautra'n preietz etwas verdächtig schienen, als
seien sie von einem Schreiber, der das Ner so sapchatz
der Hdss. DGIK oder ihrer Quellen nicht verstand, zum
Ersatz dafür eingeführt worden, während andere (so AßN)
den v. 62 vielleicht aus demselben Grunde gänzlich aus-
liessen, so wollte ich, zumal da auch So sapchatz den Ueber-
gang in angemessener Weise vermittelt hätte, die Stelle
lauten lassen „No fara donc } si no'us gic , que vencuda Ner?
So sapchatz doch hält Herr Prof. Tobler das dann sich
einstellende Enjambement für „schwer annehmbar.“
64. In 9 in gesteht Guiraut selbst ein, ohne Grund
mit seiner Geliebten Streit angefangen zu haben: Fohrs fo
ma sospeizos Ca trop meillors; no sofre re Cuiar de se. Be
fatz doncs foV atendenza; Trop uiatz Me son camjatz. Non
digatz Qu’ela's me tuella\ Qu’eu la’m tuell! Arch. 36,422;
ähnlich sagt er 48 VI ieu li cre Mout auer forfait. Qui la
fe, s’il platz que'n (1. que'm) tut? Mout m’en abellira Sus pe'l
cap colps d’astellatz, ar sapchatz , E si's riestrai , semblara'm
deschausimen. — Die mal? Oc! s’il o enten. Arch. 33,325a,57.
66. Wie nachgiebig und demütig Guiraut hernach
wurde, zeigen folgende Stellen: 25 VII E svm tenetz pres
e m l liam E no'm ual forsa ni ualors, No'm deu ualer humili -
tatz? Si fai , mas en re non trassaill Vostres mans Arch.
33,331b; 60 V Aissrus clam merce humilmens , Bona dompna
pros e udlens Arch. 51,20a und 12 VI Qu’ieu sui d’un
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112
latz Pe’l col lassatz, A vos donatz Et autreiatz, Quar tant
eratz De hon aire MW. 1,195.
n.
(Inhaltsangabe S. 39, Text S. 83, Uebersetzung S. 96.)
1. Bomelh hat e estreit, nicht wie Wiechmann, Üb. d
Ausspr. des prov. e, Halle 1881, S. 14 aus der irrigen, jetzt
durch Cornicelius in v. 319 (s. d. Anm.) geänderten Lesart
von Bartsch (Chr. 226,30) schliesst, ein e lare. Salvini
(s. Crescimbeni, Ist. 2, 99) hatte hinsichtlich des Namens
„Bornelh“ an „Brunello“ gedacht. — Nach Chabaneau , H. L.
10,352 Anm. 1. ist Bornelh vielleicht der heutige Name Bour-
neix („l’x est lä sans valeur phonique ou etymologique“), den
ein Excideuil nahegelegener Ort führt, aus dem Guiraut ge¬
bürtig sein könnte. —
2. Statt per c’anatz schreiben Diez und Balaguer:
que anatz.
3. Über das trobar clus s. S. 41. — Bai.: percal.
7. Die Form seraun bei Diez entstammt E, dem
Chansonnier Peiresc: vgl. dazu P. Meyer, Rom. 9, 193/4.
8. Senhe'n (mit dem Stützpunkt vor n) schreibe ich
hier und in III 1 mit Stimming (zu BBorn* 7,73). —
Dem prov. Senker en entspricht im Span. „Seäor Don,“ das
Wiggers, Gramm, d. span. Sprache 2 , §16,5 S. 32 bespricht.
10. es er jutjaire steht hier für jutjar wie in V 37 eser
jauzire für jauzir. — Diez folgt E, und Bai. schreibt ohne
Rücksicht auf das Versmass m’eis; will man bei ER bleiben,
so muss man wenigstens me in eu ändern, da der Dichter
nicht sich selbst beurteilt, sondern eine allgemeine Ansicht
ausspricht, me aber bei eis, wie moi in moi-meme, in Nomi¬
nativ-Punktion kaum nachzuweisen ist (vgl. Bohnhardt,
A. u. A. 74 S. 98).
11—13. Denselben Gedanken äussert Guiraut in 7 I
(cit. S. 42—3) und sagt in 32 I: Irop ualgra mais donar
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113
Mos gais sonetz ioyos Ab bels ditz et entiers Entendables e plas
Que trop eseurs e sobrestorias MG. 241.
13. venarsal schreiben D u. N*, uenansal schreibtE, während
das Wort in der Vorlage von R wohl uemassal lautete. Im Lex.
rom.Bd. 5 findet sich S. 486a,9 venassal = v6nal, vendable und
S. 611a vemassal= bas, vil, bouffon, servile; sollten nicht etwa
diese beiden Wörter identisch sein und wie vils bald „gemein =
allen zugänglich“, bald „gemein=niedrig“ bedeuten? BGr.
125,1 beginnt nach C (s. BGr.) Un sirventes leugier e ver-
nassal, nach M (MG 106) Vill siruentes leugier e uenassal
und vers legers e vemassals hat auch Guilhem von Cerveira
gedichtet (s.Chab.,H.L. 10,365a) 1 . Hierb'edeutetdas betreffende
Wort jedenfalls dasselbe, was in der nämlichen Verbindung
vil bedeutet in Guirauts Ged. 45 I: Leu chanchoneta e ml
Auria obs a far, Q’eu poges enuiar En Avergn'a'l Dalfi,
Rom. Stud. 2,414.
18. fatz ist weder hier noch in 30 II, wie Mann
A. u. A. 41 S. 66 sagt, dasPart. praet. von faire; hier ist
es = fatuos, in 30 II einmal = fatuus und dann = facio.
21. So ist zugleich Obj. zu conoiso und Subj. zu chal.
24. mazan bedeutet Unruhe (wie schon im Boethius,
B. Chr. 4,14), Beunruhigung, Belästigung. Auch in
5 II E per o ben a mais d’un an, Qu’om me pregava qu’ieu
cantes; E fora hon que m n'esforses, Si'm pogues pagar de'l
mazan MW. 1 , 189, wo es Diez L. u. W. 132 mit „Geräusch“
im Sinne von „Beifall der Welt“ wiedergiebt, ist mit jener
Bedeutung auszukommen, ebenso wie in 74 III E sil cors
gerne Se uira, no m’en cal Vas fols masans, Ab so que non
sofer De salutz ni de mans MG. 1364.
28. chaptal heisst hier, wie chatel im Afz. öfters
(s. Godefroy, Dict. 2, 90 b), Gewinn, Vorteil. — Cnyrim giebt
unter No. 908 die Worte von ades bis chaptal fälschlich als
einen selbständigen Satz.
1 „8. Mich Appel, Inedita S. 41 Z. 41“ T.
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32—33. Der Satz drückt dasselbe aus wie die Worte
Ciceros: Et quidem omnia praeclara rara (de amic. 21,79);
die Verse sind im Lex. rom. 5, 544b und bei Peretz, Alt-
prov. Sprichwörter S. 33 unter No. 105 als proverbe citiert;
ausserdem bringt Rayn. sie im Lex. rom. 3, 61 a s. v.dieutat
und Sternbeck S. 4. Dass dieutatz als selbständiges Wort
im Prov. nicht existiert und in der Hds. R nur für deintatz
(= afz. daintie „Leckerbissen“) verschrieben ist, darüber
s. Tobler, Ein Lied Bernarts von Ventadour, Sitzungsber.
d. Kgl. Preuss. Ak. d. Wiss. 1885, 2. Teil, S. 948 Anm.
und Sternbeck a. a. O. — Den Wortlaut der Uebersetzung
dieser beiden Verse verdanke ich Herrn Prof. Tobler.
34. Wie Linhaure hier Gold und Salz, so stellt er
(Raimb. von Aur.) in 389,6 v. 37 Gold und Sand einander
gegenüber.
36. „ fort de bo coselh ist = de fort bon conseil, d. h. ein
guter Berater“. T.
38—40 citiert Rayn. im Lex. rom. 5, 49 a s. v. enraumar
und übersetzt: Pourtant ainsi me vaut plus de peine mon
son elevö qu’un enrou6; ich fasse si als konditionale Kon*
junktion auf und ziehe, da nur Fragesätze mit tonlosem
Pronomen beginnen könnten, E pero zu Lom deisazec.
39. Dass Guiraut das Dichten in der klaren Manier
schwer ankam, zeigt ausser 45 I (cit. S. 97®) z. B. auch 4 I
Aital cansoneta plana que [mos filhols e l ] quasqus s’i deportes,
Feira, si far la saubes MG. 198, ferner 18 1 Cassi cum si
nom chalia, Fatz leugiers sonetz, Que:l plus greus semba
(1. sembla) que sia Bons e leus per faire Arch. 51,9 a, und in
70 I spricht der Dichter von seinen leugiers digz ueziatz
Sotils e menutz soudatz Arch. 33,331b.
41—42. Auch zu dem an lo angehängten me könnte
ad ome sesal die Apposition bilden; vgl. Stimming zu BBorn
4,28. — deisazegar fehlt im Lex. rom.; dagegen ist es aus
1 „Diese Worte werden za tilgen sein“ T.
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R. von Aur. 36 (B. Chr. 68,11) im Gloss. occ., im Glossar
zu B. Chr. und bei Stichel, A. u. A. 86 S. 31a vermerkt;
dort ist es refl. und bedeutet „sich lossagen“. Levy belegt
es in trans. Verwendung in der Bdtg. von disloquer (LgrP. 10,
Sp. 416); auch hier ist es trans. und bedeutet „ausein¬
andernehmen, zerlegen, zergliedern“, dann „eingehend be¬
sprechen“. Es entspricht dem afz. Vb. desaiver, das nur
im Part, praet. und vom Erdboden gebraucht, in der Bdtg.
d6fonc6 „aufgewühlt“, sich bei Godefroy belegt findet, deisa-
zegar ist Kompos. von azegar, das bei Stichel S. 20 a auf-
geführt ist; it. adeguare heisst auch oft „vergleichen, beur¬
teilen, schätzen“. — In 80 VIII verwendet Guiraut in ähn¬
lichem Zusammenhänge das Vb. desponre: No sai de que
tn’ai fait chanso Ni cum, s’autre no m’o despo BChr. 104,19.
48. fi joi natural. Diese Worte finden sich auch bei
P. Rog. ed. Appel S. 41 v. 6 und dienen Bernart von Ven-
tadour zur Bezeichnung seiner Geliebten, s. M. W. 1,13.
50. virar l’escut ist eine Redensart, die öfter vorkommt,
z. B. Lex. rom. 3,161b. — lovermelh de l’escut bezeichnet die
mit Wappen bemalte Aussenseite des Schildes, welche man
dem Feinde zuwendet (s. Alwin Schultz, das höf. Leben *
2, 75); „jem. das Rote des Schildes zuwenden“ bedeutet
danach: ihm feind sein.
51. reblandir heisst nicht, wie im Gloss. von B. Chr.
steht, „anbeten“, sondern „sich (durch Schmeicheleien, Ver¬
sprechungen) jem. wieder geneigt machen wollen“, vgl. dazu
blandir in 58 VII: ‘E que rwm doptes (1. doptas) ni no'm
blans?’ ‘Wo m’o demans, Qu’ieu non uolria hom pros pleuis
So que mentis’ Arch. 33,320,70. Auch in 47 V nennt
Guiraut seine Angebetete l’adreitz cors q’ieu uoill E desir
e reblan Arch. 33,314,65.
53. Vgl. 80 VIII: Cela m’a fait outracujar Que no’m
vol amic apelar B. Chr. 104,23; 35 III: Forza d’amor mi fa
dir la folia MG. 837 und 17 II: Tenia'l dreig per enuers,
Tant fux ues amor esmers (enmers N) Arch. 51,5a.
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66. metre „verursachen“ findet sich auch bei BBorn,
ed. Stimming 15,60 (s. dort d. Glossar s. v.). — Gemeint
ist Guirauts in v. 41—42 ausgesprochener Argwohn.
56. Diesen Vers citiert Rayn., Lex. rom. 2, 454a und
Übersetzt „Je ne me souviens pas comment il me fit comte“;
jedoch heisst comtal hier „gräflich“ im Sinne von „dem
Grafen gehörig“. Guiraut scheint sagen zu wollen, dass
er ja garnicht Linhaures Untergebener im eigentlichen
Sinne des Wortes sei: vielmehr sei dieser sein amics private
(cf. 65 II); die Tornada des Ged. 72, welche unter den mir
jetzt zugänglichen 4 Hdss. A, B, sowie Q (in Lamis Eatal.
der Ricard, in Florenz, 1756 S. 218) und V nur letztere
(Arch. 36,414) enthält, scheint sich mit den Worten querm
fees comtals auch, wie das 2. Geleit zeigt, auf Guirauts
Verhältnis zu dem in der Provence lebenden Grafen Linhaure
zu beziehen; sie bedarf jedoch noch der Rekonstruierung,
um zur Erklärung unserer Stelle herangezogen werden zu
können.
57. Der hl. Martial wird auch von R. von Aur.
(389,6 v. 41) und vom Mönch von Montaudon (MG. 392,1)
angerufen. Ueber den Heiligen s. den Artikel .von L. Duchesne
in den Ann. du midi 1892 S. 289 ff.
60. chabal heisst nach dem prov.-it. Gloss., ed. Stengel,
88,28 „segnorile“; vgl. auch Levy, Prov. Supplementwbch.
S. 176 a. — Der betr. Hof, an den sich Guiraut zu begeben
gedachte, ist allem Anscheine nach der des Königs Alfons II.
von Aragon (s. S. 60).
HI.
(Inhaltsangabe S. 52, Text S. R6, Uebersetzung S. 98.)
1—3 citiert Zenker S. 56 als Zeugnis persönlichen
Zusammenseins zweier Dichter.
1. Unter Belassung des handschriftlichen Rem könnte
man dem Verse die ihm fehlende Silbe auch durch Ein-
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Schiebung "von en nach senher geben; vgl. BBom, ed.
Stimming 39,1 Senher en coms.
3. Milä : diguessetz.
4—6 citiert Jeanroy, Ann. du midi 2, 294, um zu
zeigen, dass der Dialog kein wirkliches Partim en sei,
„raltemative n’y 6tant pas rigoureusement pos6e“.
6. Aus v. 4 ist e l'amor hinter com zu ergänzen.
7. Aus diesem Verse, sowie aus II 57 ergiebt sich
der friedliche Charakter der Tenzonen; dass das Streit¬
gedicht als „dialogue concert6“ überhaupt nicht auf ernst¬
hafter Feindseligkeit der Interlokutoren beruhe, darüber
vgl. Jeanroy, Ann. du midi 2, 290/1 und 452 ff.
3. Rayn., Hist. litt, und Mil4 schreiben Aus statt
Ans, Milä auch frauchamen.
9—11 citiert Stimming zu BBorn 39,10 u. 26,38; in
letzterer Anm. ist das Citat in seiner nunmehrigen
Gestalt von 3 nach 2 zu versetzen. — Die Verbindung
ves on, der noch im Nfz. vers oü entspricht (s. Littr6, Dict.
unter vers 7 u. 9), begegnet im Prov. öfter: Vas on penre
port? Augier, Cascus plor (Lex. rom. 4, 626 b); no sabes vas
on cor Dalfin d’Auv. (Rayn. Ch. 2, 196).
12. Hist. litt, übersetzt: „Je vous tiens pour atteint
de folie“! — Försters Unterscheidung von afz. folor und
folie (s. Löwenritter zu v. 1640) trifft hier nicht zu, wo
folor eine einzelne Manifestation und nicht die habituelle
Charaktereigenschaft bezeichnet.
13—14 Ubs. Hist. litt, nach I folgendermassen: „Si
vous croyez que ma puissance ravale un galant dont l’ex-
t6rieur n’est pas trompeur“!? — Si-us cudatz heisst es auch
in v. 4. — valera „taugen zu“; in diesem Sinne verwendet
es auch Villehardouin CIX in dem bei Littrö, Dict. 4,2418 c
citierten Beispiel: qui mieus vaudroit ä l’empire governer.
Im Ital. ist valere a qualche cosa gleichfalls „zu etw. taugen.“
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15—16 citiert Rayn., Lex. rom. 3, 218b und 4, 155b.
17. Milä: Dieu.
19. Vgl. Guiraut 20 V: Ganc bons morseus No fo
faxte, pos Amors Eguet l'aignel e l’ors ni per aver s’afrais
Arch. 51,6a und 36 V: C’ Amors non uol c’om seignorei
Arch. 33,313 b.
23—24. Milä schreibt nos, ric home sobratissier, Non
vollen, womit er die Str. abbricht. — Ueber die ric ome
s. P. Meyer, Flam. S. 269 Anm. 1.
25. Milä: Guirautze, non esta. Weder Milä, noch
Emeric-David (Hist, litt.) hat die Frage erkannt; letzterer
übersetzt „il n’est pas convenable . .“ und bemerkt infolge
dessen: Cette pi&ce est motiväe sur l'opinion qui faisait
tenir pour morte toute femme courtisäe par un haut baron.
26. Milä: ric.
27. Ueber den vermutlichen Ursprung von midons,
sidons zur Bezeichnung der angebeteten Dame s. Chab.
Rdlr. 31,444. — Milä: ab la poder.
30. Hist. litt, übersetzt nach I: „Si eile ne trouve
pas que les mauvaises qualitäs exc&dent (en lui le märite)“.
31. Hist, litt.: Ja solon m dire'l reprovier; Milä: Ja
solon me dire reprobier; Cnyrim, No. 146: Ja solon dir el
reprovier.
31—32 citiert ausser Cnyrim auch Knobloch S. 37,
und Hist. litt, übersetzt diese Verse: „Quant ä moi les
proverbes m’enseignent Qu’elle präföre celui qui vaut plus
et mieux“! — Milä schreibt: Que eel val mais e mills pren.-
Stimming, zu BBorn 4,48 führt v. 32 als Beispiel für
die Verwendung der Konj. e zur Einleitung des Nachsatzes
an. — Dasselbe Sprichwort findet sich auch bei Pons San-
teuil de Toulouse; s. Lex. rom. 4, 627a.
83. prendre mal ist = prendre dan (Schaden nehmen,
s. Stimming, BBorn*, Gloss.), mit dem es in B. Chr. 325,2
perissologisch verbunden ist.
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34. Derselben Worte bedient sich der Dichter in
74 I la cuida e Vesper, Qe'rn solia aiudar, Petri MG. 1364.
37. plus maior. Den in der ZfrP. 2,142 zu Chev. II
6p. Z. 196 angeführten Beispielen für ähnliche Verbindungen
fügt Herr Prof. Tobler in seiner Vorlesung Uber „Histor.
Synt. des Französ.“ noch folgenden Satz hinzu: Plus est
pire le retolir que l’escondire (Rom. 8, 178, v. 827). Man
vergl. auch Diez Gramm. 3,16 und Hammesfahr, Zur
Kompar. im Afz., Strassb. Diss. 1881, S. 33.
39. Derselbe Gedanke findet sich bei Guiraut 1 VH:
si's gardes Dona ai traspas, ans quei passes, Ja vils ni
sobriers ni savais No'il plagra MW. 1, 189 und 40 IV: Ben
uolgrai conogues, Am c’ab lui s’agazaill Mi don gans ni
fermaill Arch. 33,318 b.
41. Mild ändert das ries der Hds. I, die ihm vorlag,
in ric; dazu hat man jedoch kein Recht (vgl. Stimming zu
BBom 1,6). Se depenher kommt auch bei Guiraut mit a und
dem Nom. vor in 34 V: Q’a uer recrezen Men depeing Arch.'
33,326,115. —Hist. litt. Ubs. fälschlich depeis mit „d6pr6ciez“.
44. Hist. litt, stellt Met be um und übersetzt valor
mit „ardeur“.
45. Während Mahn in I se fan liest, was Stimming
zu BBorn 1,6 S. 230 veranlasst hat, auf diesen Satz als
Beispiel für s4 faire mit dem Nom. hinzuweisen, schreibt
Hist. litt, nach derselben Hds. I se fon , das wohl eher gleich
dem se son der anderen Hdss. ist als gleich se fan.
47. Wie hier der König, so sagt R. de Vaqueiras:
Non erezatz lauzengier M gilos malparlier De me Lex.
rom. 1, 367.
48. Mild : las bona!
49. Solatz de Quer. Quer, auch Quier und Cher geschrieben,
ist ein Schloss im Lande Foix (d6p. de l’Ariöge); s. H. L.
6, 126. Seit 1159 war es im Besitze des Grafen Roger-
Bernard von Foix und seines Sohnes Roger (H. L. 5,1228).
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Im Jahre 1182 gaben Eoger-Bernard und sein SohnEaimon-
Eoger die Besitzungen von Quer zu Lehen. Eoger-Bernard
war der Vetter des Königs Alfons II. von Aragon, der ihm
auch 1185 die Eegierung der Provence übertrug. Sein
ältester Sohn Eoger wird nur bis 1174 in mehreren Ur¬
kunden erwähnt, 1182 war er bereits tot. Eoger-Bernard
hatte 1151 geheiratet, und Eoger scheint ein Altersgenosse
des 1152 geborenen Königs Alfons II. gewesen zu sein. Da
wir nun S. 61 sahen, dass die Tenzone wahrscheinlich vor
1174/5 gedichtet worden ist, so wäre eher Eoger als sein
jüngerer Bruder Eaimon-Eoger, der seinem Vater 1188 in
seinen Besitzungen folgte, unter dem Solatz de Quer zu
verstehen.
50. Ein „Herr Topiner “ war nirgends aufzufinden; der
Name Topina kommt allerdings schon im 12. Jhd. vor;
s. P. Meyer, Croisade 2, S. 524. Topina bedeutet Topf, so
dass Topiner unserem Familiennamen „Töpfer“ entspräche.
52. Milä: hoc ben d’amor!? Nach Herrn Prof. Toblers
Auffassung gehört d’amar leuger zu dem vorhergehenden
ameso.
53. Milä: a mi no-m.
54. Die fehlende Silbe ersetze ich durch u zwischen
per und cen; per u cen bedeutet „hundert für einen,
hundertfach“.
IV.
(Inhaltsangabe S. 65, Text S. 88, Uebcrsetzung 8. 100.)
1. Milä, Edlr. 10,229: ( ) jui (?) damor. — Pagös,
Ann. du midi 2, 524 liest Sia damor und schlägt in der
Anm. 13 vor, Si anc d’amor zu lesen, obwohl er nur die
ersten beiden Zeilen des Gedichtes kennt; anc geht aber
nur auf die Vergangenheit (s. Diez Gramm. 3,424 Anm.), wie
z. B. Guiraut in 65 I S’anc vorn agui ioi ni solatz, Ar sui
iratz E per totz temps desesperatz Arch. 51,24a, ja dagegen
auf die Zukunft, wie in 42 HI Que pois plaigneran, Si ia
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ioi cobres, Car non serai pres Arch. 33,316 a,33. In meiner
Copie steht Si ja , was auch beizubehalten ist.
2. Ueber den Zusammenhang zwischen Liebesfreude
und Ehre bei den Trobadors s. Settegast, die Ehre b. d.
Trob., 1887 S. 41. — Zu 1—3 sind in Bezug auf den In¬
halt zu vergleichen: 70 VI Per que % m par necietatz Q’ieu
chant, si no m’en uenia Guizerdos o gratz Arch. 33,332 b
und 62 HL Mas s’eu madol (1. m’ai dol) Ar caissim (Car aisvm U)
fax Nvm ten Vamors don lo talanz Nos pari, cui serai danz?
Mxeus er, cui sec Vaffanz El’ir’e lapaors; Tan tem c’ai cap
dei cors Remaignai pros ei gratz MG. 947.
4—5. Ausser den S. 69/70 aus 1.81 u. 72 angeführten
Stellen könnte man noch 2 III und IV heranziehen: Oreu
mi poira (poiria C) pro teuer De s’amor ia segon mon sen,
Pois aman no’i trofo chausvmen Si cum fis arnaire. Mas
noi gazaing gaire, Qe non ai giquida L’amor qe*m
couida D'amar chascundia? Car nonpuoscmai! Per q’amarai,
Que ben leu enqeras n’aurai De ioi a ma guia . Puois non
puosc mais, ab bon esper Aleugarai h mal q’ieu sen Arch.
51,25 b.
7. Ganz ähnlich heisst es bei Giacomo da Lentini
(Val. I 250): Core nol penseria ne diria lingua . — Ueber
den Eindruck, den freundliches Entgegenkommen seitens
seiner Geliebten auf ihn machen würde, spricht Guiraut
wiederholen tlich: 2 V S’un pauc m'etz aizida, Joios a ma
uida Serai , on q’ieu sia Arch. 51,25b; 60 II Ni anc Bordeus
Non ac seignor tant fos gaillartz Cum ieu, si ia m’acuoill nvm
partz Q’ieu sia sos dominis sers Arch. 51,19 b und 57 VIII
Per o, dompna, ab que sofratz E uoillatz Mos precs e qe'ls
m’acoillatz, Tost m’er coratges camiatz Arch. 33,330,71. —
los gaugz e'ls bes kommt auch in einem Ged. von Pons de
Capdueil MW. 1, 346,1 vor; für den häufigen Plural gaug
führt Settegast, Joi , Berichte der säclis. Ges. d. Wiss. 1889
S. 149 auch das Beispiel aus Arn. v. Marueil MW. 1, 166
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Str. II an, in welchem aber e la fan nicht, wie S. will,
in a la fin , sondern einfacher in e Vafan zu ändern wäre.
9—10. Auch sonst giebt es für Guiraut verschiedene
Abstufungen der Liebesfreuden: 57 IV u. V E si saubes
cant ni cora N’aurai luoc qu'a'lz precs m’eslais, Tot Vafan
sofrira en patz, E sapchatz Cab meins rrietn tengra a paiatz
Que uos non cuidariatz. Cobs es q’amics qui ben ama, Prendal
meins e poing e'l mais Arch. 33,329 b.
11. Die „Hilfe“, welche die Geliebte dem Liebhaber
gewährt, ist mannigfacher Art; sie besteht
1) in der Erlösung von der Liebespein, cf. 68 m no-m
secor A ma cuita maior (Arch. 33,327 a) und 57 III E si
no'ü platz que m’aeora , Non puosc mais sofrir lo fais Arch.
38,329,25,
2) in dem wohlthätigen Einfluss auf sein Wohlergehen
im allgemeinen, cf. 25 IV ella*m fo uella e rems De mains
encombriers c'aipassatz, En qe m m fora desesperatz Arch. 33,331a,
3) in der Anregung zum Dichten, cf. 39 HI Qu’assatz
miels chantera, Svl gens cors honratz Mx fos plus privatz
MW. 1, 192; 32 II Qu 1 e'l temps de'ls ancias Joys (Liebes-
freude), chans ensems eron quo*l (1. co'lh) palh’ed gras MG.
241 1 ; 19 HI Ja ses ioi ben non chantarai, QxCenquera non
eug qu'om chantes Ses amor, que'l cor no l mostres MG. 825; 421
a ma fe , S'aissi s’endeue Cum dl q’ieu am m’a couen, Ben
dei chantar plus souen Arch. 33,316,12; 63 HI Mas per lo
bon respieg qu’ieu n'ay Deg ieu chantar . E si n euges plus
gazanhar, Trop meliwrera'ls motz e'ls sos, Que, des qu'om a
1 Stoessel S. 47, No. 253 missdeutet diese Verse, wenn er sagt:
„Das Beisammensein fröhlicher Lieder vergleicht der Dichter mit dem
Beisammenstehn der Strohhalme in den Kornfeldern, um damit anzu¬
deuten, wie ein fröhlicher Gesang dem andern folgte und wie zahlreich
dieselben waren.“ Der Dichter sagt aber in Wirklichkeit: „Liebeslust
und Gesang waren zusammen wie Stroh und Korn“, d. h. wie das Korn
aus dem Stroh hervorgeht, so war Gesang die Folge des Liebesglflckes.
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luec cCalegrar, Li dobla poders e razos, E senher falb,, Qan
pot pojar Los sieus e'ls laissa chazer jos Rdlr. 25,212 und
schliesslich 59 I si faill mos chans, Vos n’auretz tort,
mäT amiga B. Chr. 106,87.
12. Wie hier cors, so findet sich in 2 Vli noms ver-
wendet zur Umschreibung der Personenbezeichnung: Coms,
fort mi plai, Car tant s’atrai Vostre noms uas fin pretz uerai;
Q'en ren no'i's desuia Arch. 51,26 a.
13. Vgl. 341:... Q’ieu am mais que re, Neis me Non am
tan Arch. 325 a,8 und 7 VI Litges per uendre et per donar
Uos ai estat MG. 689.
14. com per orat ist eine Redensart, die auch MG. 134 V
oder Rochegude, Parn. occ. S. 386 begegnet und „wie
nach Wunsch“ bedeutet, also etwa dem nfz. comme il
faut „wie sich’s gehört“ entspricht; ähnlich heisst es B. Dkm.
174,17 Com si venian per orat. Oratz steht alsSbst. in der
Bedtg. „priöre, oraison“ im Gloss. occ., fehlt aber bei Rayn. —
Dass er nach der Aussöhnung alles vermeiden wolle,
was seiner Dame irgendwie einen Anlass geben könnte,
mit ihm unzufrieden zu sein, verspricht Guiraut auch in
78 III: E s'aisvm volgues retener, Que no’m puesca nozer
enjans , Pus de sai s’afina Vus pans, De l’autre pens que no
s’dbays; Qu'aissvl serai fis e verays Qu'ochayzonar No'n cug
que'm puesc’en ben amar, A mm viven, Ni de degun gäliamen
Rdlr. 25,217.
15. In der Hds. steht per levis, wofür ich um des
Sinnes und Versmasses willen plevis schreibe, welche Form
sich statt plevisc öfters, z. B. MG. 18 n, im Reime findet.
Das per kann durch per in der vorhergehenden Zeile oder
durch irrige Auflösung eines vermeintlichen j> entstanden sein.
17. de negu nat de maire ist ein autre ergänzender
appositioneller Ausruf. — Was die Umschreibung für „Mensch,
Person“ anbetrifft, so findet sie sich ähnlich auch sonst bei
Guiraut, z. B. in 64 VH Car la gensor que anc nasques de
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maireTencB.Chr. 103,10. —Inhaltlich zu vergleichen wäre hier
8III SPill (E s'il H) plagues mos enquerers Ni mos preiars ni mos
seruirs , Ja'l trop ueülar(s) nvl patte dormirs Nvlmal qu'ieu trat
matis e sers No’m pogron ia (far H) parür de lor; Ans rriagra
iois a seruidor E ia no % m fora greus lo fais Nid mals qvCe'l
cor me brueilV o'm (e'm H) nais MG. 332.
19 und 20 erinnern an 39 VI: Gar quvls dregz enten
D'amor nrn sospira, Non pot aver sen De gran jattzimen,
S*ab foldat no'y vai; Qu’anc drut savi gttai No vi, qu’ans
esmera Lo sen la foudatz MW. 1, 193, sowie an 31 I u. II:
Q'er appelV om foillia } Svm deport ni m ’esgau nvm chan
Enon fatz so que Vautre fan . E no'm par e’om sia cortes
Qe tot iom uol esser senatz; Mout m'agrada bella foudatz
Longnada e retenguda , Si cum luocs e temps muda Arch.
51, 14a.
20. pesaire ist hier antonym zu gais , bedeutet also
„bekümmert“; im Lex. rom. steht es 4, 496b, 23 nur als
Subst. in der Bdtg. „peseur“.
21—23. Älhor, die Nebenform von alhors, fehlt im
Lex. rom.; Guiraut verwendet alhor auch in 8 und 52 im
Reime. — Dass er seiner Geliebten seine Anhänglichkeit
und Treue bis an sein Lebensende bewahren wolle, beteuert
der Dichter an zahlreichen Stellen seiner Werke; angeführt
seien von diesen hier nur 81 III E segon los plusors Feignens
galiadors Non arnarai aillors, Sia sens o follors Arch. 51,19a;
8 II Per o mos sens e mos sabers E mos parlars e mos bendirs,
Mos esperars e mos sufrirs E mos celars e mos temers Magron
lonc tems donad onor, S'ieu percases mon be aillor Mas sill
que'm te en greu pantais, No uol qu 9 ieu Vam ni que m'en lais
MG. 332; 16 III Tant sui fis amaire Qenan Vai rriamors
ades meilluran Arch. 51,21b; 17 V Aras no 9 m letz, Quan me
ualgrad preiars, Querre merce? — Si /ai, que mos trobars, Pois
tant s y es m'amors africha , Cautra non quier nvn deman , Clamadl
merce MG. 1353 und 43 III Amaire , si dieu ador, Soi eu
fis e non remut Lo eoratge nvl biais D’amar lieis per cui son
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gai8, Ni len (1. m'eri) ml nvm uir Ni part lo cor nvl consir
MG. 815.
24 und 25 erinnern an 17 V Tot trobaras so qm
quers Arch. 51,5 a.
26. sarai, wie in der Hds. statt serai steht, findet sich
dialektisch; s. Wolff, A. und A. 30, S. 39.
27. ponhar hat de oder en m. d. Inf. nach sich
(s. Levy zu G. Fig. 10,22), aber auch a mit dem Inf., z. ß. in
dem im Lex. rom. 4,598 b, 24 citierten Satze des Uc von San
Circ: Degra poignar ad finir. — Zur Konstr. s. d. Anm. zu
I 29. Mit einer kleinen Aenderung des handschriftl. Textes
könnte man aber auch lesen: Que’ls enemics ponharai e desfaire 1 .-
Zum Inhalt vgl. 28 II Sil cui quer be, Cui eu sui plus fis
Qu 9 Elena Paris MG. 949 und 66 V Sem enemics e guerriers
No t falliran volontiers; Qm enoios fols parliere TroV om
quascun dia f Fors {Per V) qu’ieu non soi sobransiers , Mas
si la'n blasmav 9 Ogiers, Jeu Ven combatria MW. 1,200.
30. ben a faire liest Herr Prof. Tobler statt des nicht
existierenden benefaire der Hds.—Mit der elliptischen Redeweise
wären die Worte aus Guiraut 75 V de bendir e de - far Rdlr.
25,215, 56 und etwa auch der in Diez’ Gramm. 2,462 und
von Th. Müller zum Rolandslied v. 1163 erwähnte Gebrauch
des Suffixes mente in Verbindungen wie prov. suau e belamen ,
folamen et irada, afz. bele et cortoisement, wofür Rayn. im
Choix 6,315 auch Beisp. aus dem Ital., Span, und Portug.
beibringt, zusammenzuhalten.
31. Folgende Charakteristik giebt Guiraut von seiner
Dame in 13 H: Flors de domnas y c’om acli (1. aclin ’) e gratis,
Es aisseUa que tan gen rrCa conquis , Dom’e bona , humil, de
gran paratge, En faitz gentils, ab solatz avinen, Agradiva vas
tota bona gen MW. 1,184. — Zu vergl. wäre zu 31—34 auch
1 „Jedenfalls sind die zwei Präpositionen sehr seltsam. Man kann
sich gefaUen lassen ponharai en (od. a) desf. los en. und dies umstellen;
oder ponharai en los en. a desfaire (en ... o wie per . . . <*).“ T.
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8 VI: ( C)ar ma semblans’e mos parers E mos euiars e mos
albirs Man dig tos tems q’autr’enriqirs Ni autr’ onors Ni
autr ’ auers No'm podon dar tan de rieor Com citt qe'm fai
uiur' a(b) languor Studj di fil. rom. 5, 441—2 u. MG. 382.
34. aver ist hier selbständiges Verbum und kann daher
an die Spitze des Satzes treten. — galiat ist entweder als
Partie, aufzufassen, dann wäre pauc Adv., oder aber es ist
mit adjektivischem pauc als Subst. zu betrachten in der Bdtg.
„Trug, Täuschung“; wie nämlich zu peccar sündigen neben
peccaire Sünder peccatz die Sünde gehört, zu orar bitten
neben oraire Bitter oratz der Wunsch (v. 14), so kann
wohl auch zu galiar anführen, betrügen neben galiaire Be¬
trüger ein galiatz Betrug gehört haben.
35 und 36 sind in der Hds. zusammengeschrieben;
innerhalb des Satzes fehlen 2 Silben, von denen die eine,
sei sie nun ein selbständiges einsilbiges Wort oder die zweite
Silbe eines zweisilbigen, den fehlenden Reim auf is zu be¬
schaffen hätte; mir schien faitis, die Nebenform des aus fac-
titius kommenden faititz (s. Diez, Gramm. 2, 317), die sich im
Afz. u. Prov. oft im Reime findet (s. Godefroy, Dict. 3, 709
und Rayn., Lex. rom. 3, 263a, 6), recht am Platze zu sein, zu¬
mal da dann ausgedrückt wäre, was Guiraut 2 V in die
Worte fasste Dompna il gensser c'om pot uezer Arch. 51,25 b.
Nach Herrn Prof. Tobler ist jedoch faitis für faititz bei
Guiraut bedenklich.
37. Ueber die Interjektion ai , welche auch in der
Form a, z. B. BBorn 33,9 vorkommt, s. Stimming zu
BBorn 1,1. Nicht Ausruf der Freude, sondern des Schmerzes
ist der dort citierte Satz aus Guiraut 65,25 (Str. IV), wo
der Dichter den Tod seines Freundes Linhaure beklagt:
Ai! bels amics, ben enseignatz, Necis a’ls fatz E duitz e sauis
a‘ls membratz, Per uos teing uil abril e mai E'l doutz temps
gai Ni ia mais no m’alegrarai Ni non chantarai uolontiers,
Mas no'us puosc ben plaigner estiers Arch. 51,24. — corteza
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de Ion aire ist eine stereotype Redensart, die Guiraut in
Bezug auf seine Angebetete auch in 2 V anwendet Dort
schreibt die Hds. C (MG. 187) ebenso wie hier die Hds. S‘,
während A (Arch. 51,25b) cortesa e de bon aire hat; auch
im Choix 3,126 heisst es Ai! franca res, cortesa e de bon
aire. Unbeschadet des Versmasses könnte man allerdings
cortes' e de bon aire schreiben; es ist jedoch nicht nötig,
die beiden verwandten Begriffe durch die Konj. zu ver¬
binden, da ähnliche unvermittelte Verbindungen im Prov.
keine Seltenheit sind; vgl. darüber 0. Schultz in der
ZfrP. 16,513 ff., wo auch Beispiele aus Guirautschen Ge¬
dichten ( risen jogan 79 1, pensan sofertan 16 V) beigebracht
sind. An der handschriftlichen Schreibung ist also hier
festzuhalten.
38—39 decken sich mit dem, was Guiraut 47 IV sagt:
enperis e regnats Es ses ioi paubretats Arch. 33, 314b, 63.
40. sol kommt, wie im Span. (s. Diez, Gramm. 3,94), auch
im Prov. u. Afz. (s. Suchier zur Reimpredigt 72 b, Morf,
Rom. Stud. 3, 243 und dazu Tobler, ZfrP. 3, 145) zuweilen
unflektiert vor. — Wollte man Et ab sol vos seri’ eu emperaire
lesen, so wäre der Hiatus getilgt. — Derselbe Gedanke
kehrt in 18 VHI wieder: Bella dompna, plus qerria Qem
cossentissets Gun sol vom uos clames mia GArle ni Belcaire
Arch. 51,9b und in 48 II: Petit eueiaiurl rei 1 Arch.33,324b, 12.
V.
(Inhaltsangabe 8. 67, Text 8. 90, Uebersetznng S. 101.)
Str. I. Aehnliches besagen die Verse von R. Bistors:
Cel qui ve son bon amic faillir, Molt Varna pauc, si no ül l'o
1 MilA, De los trov. eu Bsp. S. 135 und Balaguer 3, 274 lesen
dafür Perrin, ten via al rei und scbliessen daraus, Guiraut habe einen
Spielmann namens Perrin an den König von Aragon gesandt etc. In
Wirklichkeit wird aber in der Tornada ein Spielmann Joioe mit der Be¬
sorgung des Gedichtes an den König — ob an den von Aragon, ist
nicht gesagt — betraut.
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128
(l.fo) ausa dir (Lex. rom. 3,252 b), sowie die des Bertran
Carbonei (B. Gr. 82,68): Nulhs hom non porf amistat, Si son
amic non repren En sieret, ean ditz foldat 0 li vey far falhimen
B. Dkm. 23,19.
7. „enardir ist für se enardir u T.
9. Der Relativsatz steht statt eines Modalsatzes mit
„indem“; s. F. Strohmeyer, Ueb. versch. Funkt, d. afz. Relativ¬
satzes, Berl. Diss. 1892, S. 31.
11. taten (v. talentum) und talan (v. raXavrov) gebraucht
Guiraut nach Belieben im Reime; ersteres z. B. in den
Ged. 2. 3. 77, letzteres in 5. 6. 30. 31.
14. Zu legen s. Tobler, Verm. Beitr. 1,37.
16. si tot regiert in v. 5 u. 13 den Ind., hier aber
ist der Konj. danach durch den Reim gesichert. Nach
Diez, Gramm. 3, 361 „lässt sich prov. sitot überall nur
m. d. Ind. betreffen, selbst da, wo man den Konj. erwarten
könnte“; dass auch nach pusque und quan sich der Konj.
findet, erwähnt Appel, Prov. Ined. S. XXV. — Das le der
Hds. ändere ich in li, da tirar in der Bedtg. „ärgern“ auch
sonst den Dativ regiert; so Guiraut 48 IV si res li tira
undR. d’Aur. (B. Gr. 389,25 I) Si tot a me tira MG. 1028;
cf. auch Diez, Gramm. 3,130.
21 und 22 stimmen mit verschiedenen anderen Stellen
aus Guirauts Gedichten überein, mit 3 I u. II Per qe't
laissas de’l tot morir? Qar trop sui vergoinhos e fis MW.
2,51; 81 Mas quar no'm uir {ni) wm biais, No uol Amor(s)
qu'ieu sai (1. sia) iais MG. 332 und 72 I Mas aisso puosc
dir ses dan Cane d’engan ni de nofe No’m membret, puois
amei be; Ans n'ai sofertz de grans mals; Caissi s’auen a‘ls
leials Arch. 51,10a. Andere prov. und it. Beispiele für
den nämlichen Gedanken verzeichnet Casini zu Dantes Vita
Nuova XEG 9.
24. Mit aquel c’om no deu dir scheint, nach Guiraut
73 III zu schliessen, der Teufel gemeint zu sein; dort heisst
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129
es nämlich: Mal fon capdelada razos, Des qu’om tenc per pros los
savays, E'ls fr an cs e'ls eortes e'ls verays Razonet hom per
sordeiors; E moe la colpa de’ls aussors, Quant de vers
(1. devers) brezillet ni frays; Qu’eras no sai per cui Toi hom
l'onor selui Que n’era adreit(z) cazatz; E si'ls encoreillatz,
Diran que ben estay; Mas seih qu'ieu no diray, Sera trop
miells armatz (amatz AB) MW.. 1, 204. Demnach dürfte
Guiraut auch in 6 IV den Namen des Teufels kaum aus¬
gesprochen haben; und heisst es auch da nach Rayn. De'l
Diable qu’es plenfs) d’enjan , so lautet die Stelle schon anders
in derjenigen Hds., welche Rayn. benutzte, als er im Lex.
rom. 2,83 a citierte De'l doble trefan, plen d'enjan, anders
auch in R, MG. 831.
25. In 33 V sagt Guiraut la mal’ abeitaritz Camjet
me datz Arch. 34,398a, und auch bei Uc Catola 1 VII
heisst es: L’amors camia cubertamen los datz. — camjar los datz
bedeutet wie das it. seambiare i dadi sein Wort zurück-
nehmen, seine Meinung ändern, andere Saiten aufziehen. —
Die Beziehungen des Würfelspiels zur Liebe, Uber welche
Diez, L. u. W. 464 zu vergleichen wäre, finden auch ihren
Ausdruck in den Worten des Raimon Jordan 404,10,5: on
mielhs faue sos comans, Pert los datz a'l premier lans Appel,
ProY. Ined., S. 289,5.
27. Da Amors weiblich ist, aquel und dat aber männlich
sind, so könnte fraire nicht „Brüder“, sondern müsste
„Geschwister“ heissen, wie ja auch im Span, hermanos
„Geschwister“ bedeutet (s. Wiggers, Span. Gramm.* § 11,4
S. 20). Im It. ist fratello auch „Gefährte“, und das Gloss.
occ. giebt nicht mit Unrecht dem Worte fraire die Bedeutung
„pareil, semblable“, die es in P. Cardenal 69III hat: Fraire
son tug, mas no son pas engals Las partz que'lhs (1. qu’ilh)
fan de'ls bens de Jhesucrist MW. 2,238, und welche auch an
unserer Stelle passt.
28. Die Geliebte selbst bittet der Dichter gleichfalls
um Linderung seiner Pein, z. B. in 25 IX: Dompna, merce!
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180
Car non pensatz Cum ieu non fos totz temps forssatz? Arch.
33,331b.
32. In v. 23.27 und 32 steht nach der Hds. cre; viel¬
leicht stand aber im Original in v. 23 par und hier etwa
cut, da der Dichter wohl mit dem Ausdrucke mehr gewechselt
haben dürfte.
33—34. Dass sein Glück von dem Willen Amors ab-
hänge, erklärt Guiraut auch 60 IV: Et tu, fin’ Amors, qi’m
sofers, Qe deus gardar Los fins amans e chapdellar, Sias me
capteins e garens A ma dompna, pos aissi'm uens Arch. 51,19b.
35. posansa steht nicht im Lex. rom., findet sich da¬
gegen im Wörterverzeichnis bei Bastero, La Crusca prov.
1,146, in den Podsies rel., ed. Levy v. 248 (Rdlr. 31,209),
in B. Chr. 407, 21 und in der Form puisansa in Appels Ined.
S. 56 v. 34; es entspricht dem afz. poissance und it. pos-
sanza; hier kommt es in VI 33 noch einmal vor.
40. Von dem trügerischen semblan Amors handelt
der Dichter auch in 2 I: Ab semblan mi fai dechazer Amors
e’m dona marrimen, Car semblant (1. semblans ) m’es de l ioi
c'aten, Que ja l cor no m'esdaire. Car en trop ric repaire
Bels semblans me guida, Qe’m ditz que iauzida N'aurai ses
faillida; Mas so'm dechai, Don fort m’esmai, Car l’us semblans
m’abriua lai E l’autre'm desuia Arch. 51,25 a.
41. fadiar intr. oder refl. heisst „vergeblich warten,
eine Enttäuschg. erfahren“, s. Stimming, BBorn*u. 0. Schultz,
Briefe im Glossar. Hinsichtlich der Etymologie dieses
Wortes dachte P. Heyer mit Raynouard an fastidicare
(Jb. 11,130), während Diez, Gramm. 2,199 es von fatigare
ableitet. Auch Herr Prof. Tobler sieht in fatigare das
Etymon des Wortes und erklärt seinen Bedeutungswandel
folgendermassen: Nachdem es anfangs „ermüden, belästigen,“
dann „ohne Erfolg belästigen, sich vergebens bemühen“ be¬
deutet habe, habe sich schliesslich, indem das erst hinzu¬
gekommene Element „vergeblich“ nunmehr besonders
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181
hervortrat, die Bedeutung „Enttäuschung erfahren“ (s. Don.
prov. ed. Stengel 31,5 = repulsam pati) daraus ent¬
wickelt. Das Subst. fadia bedeutet dann „vergebliches
Harren, falsche Erwartung, Enttäuschung“; auch in B. Chr.
128,14 ist diese Uebersetzung des Wortes, und nicht „Ver¬
weigern“, wie es nach Bartschs Gloss. heissen soll, am Platze.
42. fuir mit dem blossen Inf., wie it. fuggire (s. Vocke-
radt, Lehrb. d. it. Spr., 1, § 271) mit oder ohne di und dem
Inf., bedeutet „vermeiden“.
44—45. Stellen aus Guirauts Gedichten, die ähnlichen
Inhalt zeigen, sind 25 VI E pesara-m, si non sentetz Cum es
iois freuolitz e sems, Quan de seruizi non ven gratz Cellui
que n’es mout trebaillatz Arch. 33,381b und 62 II Tron
(1. Tom) ferir en la pailla, Don esper que'l grans sailla, Que
no*i fos la meisos, Com hom sobramoros MG. 947.
46. Immer wieder erwacht in dem Dichter die Hoff¬
nung auf Aussöhnung mit der Geliebten; das bezeugen auch
42 IX Ben es dreitz que longamen Espey- hom gran iauzimen
Arch. 33,317a; 16 VI Non die ies, Anz que l tot perdes, Non
esperes Arch. 51,22 a und 1II Lene tempsai amat em perdos,
No puese sofrir no m’en planha, E non sai per qual{s) ochai-
zos , Mai ben esperan(s) gazanha; Per qu'ieu aten, mas tart
me par, Que Heys qui m’es de'l cor plus pres, Fas Amors
tant humiliar Que m don ioy y quar no-m pot uedar Qu’ieu
non V am, ab qu’ Uh no-m uolgues MG. 205; nach dem
Friedensschlüsse müsse aber die Liebesfreude auch von
Dauer sein: 76 I (S)ol q’Amors me pleuis Caissi co'ill fora
fis, Matendes couinens } Encar mi trobera Dreit en sa
carrera. Mas nö entenda ges Si, quan m’aura repres, Que'm
fass’ un iorn iauzir E pois tot Van languir; Car no-m
sembV auinens Aitals iocs ni sabens Com totz sos aus (l.aws)
Do per dos o tres semblans . Mas si-m rendes Segon mon
seruir met'ces, — Dompna iensor de ric pretz ai chauzida,
Vas cui aclis fora tota ma uida Arch. 34,400 b.
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132
50—51. Die Tornada musste ich als mir unverständlich be¬
zeichnen; was ich in der Annahme, poi stehe für ein poi=
poim (refl. poiar, nicht im Lex. rom., entspräche dann dem
afz. soi puiier; Stichel S. 14 a belegt auch prov. se apoiar),
noch aus dem handschriftlichen Texte herauszulesen ver¬
mochte, A, am! ilh val m’esperansa! Poi (wt’) e vos e mon
afaire „Ach ich liebe! sie ist meine Hoffnung wert! Ich stütze
mich auf euch in meiner Sache“, meinte ich nicht in den Text
setzen zu können, zumal da Herr Prof. Tobler zu der
Stelle bemerkt: „In dem aamilval steckt wohl ein Name.
Ich möchte nicht gerade Alamanda vorschlagen; aber etwas
der Art würde am besten passen.“ Sieht man demnach in
den ersten 4 Silben des v. 50 einen Namen, so bedeutet das
Uebrige „meine Hoffnung in meiner Sache beruht (poi’) auf
euch“; poiar ist dann intr. gebraucht wie it. poggiare in dem
von Petrochi, Diz. univ. 2,458 b angeführten Satze Su questo
poggia l’edißcio della liberta!
VI.
(Inhaltsangabe S. 67, Text S. 92, Uebersetzung S. 102.)
Wie S. 71 bereits bemerkt wurde, steht Ged. 77 seinem
Tone und seiner Tendenz nach dem Sirv. VI nahe; auch
in diesem Rügeliede klagt der Dichter Uber die schlechten
Menschen und die traurigen Verhältnisse seiner Zeit. Da
es nur in P 5 Arch. 33,305 (cf. Arch. 49,67 b XIV 5) sich
findet, so benutze ich die Gelegenheit, es — als Gedicht
Vn —bearbeitet hier wiederzugeben:
]. Tals gen prezioh’e sermona II. Tals l’autrui tort no perdona
Qua cor fals e maltalen, Qui sa partno*nget’ a*l ven, 10
E tals autrui ochaizona E tals clama e tensona
Qui sa colpa no repren, Qui no n’a de drech nien,
E tals fera peitz de serpen 5 E tals sos fachs fai folamen
Qui so coratg’empreizona, Qui parla gen e razona,
Tals port’ umil vestimen Tals semena ben e gen 15
Qu a volontat felona. So blat qui noi meisona.
I. 1—2 Tals bis fals Lex. rom. 5,209 a,4.
II. 15—16 cit. Lex. rom. 4,214b,5 u. 6,192a. 15 Arch.: Tals somena ,
Hayn, beide Male: Tal semena.
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133
HL Tals a gent’e fort persona
Qu’a sofracha d’ardimen,
Tals son amic abandona
Qui n’a sofracha soven,
E tals promet qui mal aten,
E tals te pro qui pauc dona,
E tals gran servizi pren
Qui mal lo guizardona.
IV. Tals cud’aver sazo bona
A cui en vai malamen,
Tals ponh fort et esperona
Qu’a so chaval trop corren,
E tals cuda für mantenen
Quez a speransa bretona,
E tals par anar trop len
Que sos fais desazona.
V. Tals quer d’emperi corona
Qui nostra fe mal defen,
E‘1 pap’entre ters’e nona 35
20 S’endorm aisi plan amen,
Qu’encontra sarazina gen
No vei baro qui s’opona,
Ans an per lor malvolen
Qui d’aiso mot lor sona. 40
25 VI. Jesucritz, per salvar la gen,
Portet d’espinas corona,
Ei papa so monumen
Malamen abandona.
VII. L’antecritz,cut,venrabreumen, 45
30 Tan aonda gens felona,
Car totz tems vei com aten
La plueia, can fort trona.
III. 18 Lex. rom. 5, 287a7 (aber sofrancha = sofracha!)
IV. 27 E tals poing. 27—28 Lex. rom. 3, 179 a4. — 30 Qe sa
sperans obretona (Cnyrim 974: o bretona ; obige Lesart gab Herr Prof.
Tobler). 31—32 cit. Lex. rom. 2, 127a2. Rayn.: tro plen (falsche Auf¬
fassung der Stelle, 8. auch Stichel S. 34/5). 31 per annar ; „etwa
par u (T.). 32 faig dessaixona.
V. 35—36 Lex. rom. 5, 411b 7. Rayn. s'endorm ’. 37—38 Lex.
rom. 4, 614 a,34.
VII. 45—46 Lex. rom. 2, 394a,7. 46 gent , Rayn. gen. 47—48 cit.
Cnyrim No. 805.
1. Statt No's pot liest Milä Rdlr. 10,230 Pos per.
2. mandazo (= mandamen) steht nicht im Lex. rom. —
Andrerseits dürfe nach 4 VI der Mund nichts ohne Ge¬
nehmigung des Herzens äussern: Per pauc ma bocha no uana ,
Sri cor tan non o duptes , D'aquo don cossir ades MG. 198.
4. Der Dativ des Art. a'ls erscheint nie in a los auf¬
gelöst; s. Diez, Gramm. 2,37. Ina los ist also a = hat; den
Hiatus comanda a habe ich mir durch Einschiebung von sa
vor com. zu tilgen erlaubt. — Ueber die Abhängigkeit der
Glieder vom Herzen spricht auch n At 1 de Mons (ed. Bern¬
hardt) IH 103, wo es nach Appel, ZfrP. 11, 566 heissen
1 oder Nat? s. 0. Schultz, ZfrP. 18, 124.
9
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soll: Si co las proprietatz de'ls menbres mou e fa lo cors.
8. Dasselbe Bild gebraucht Guiraut 19 IV: seru la
leng’ a'l cor et (1. ed') acor MG. 825.
9. Vgl. dazu 73 II: Cella uetz erad segles bos, Quand
per tot era acuillitz iais E cel grazitz cui n’erad mais, On
pretz s’auenia e ricors; Q'er apell’ ompros lospeiors Esobrier
cel que pieitz s’irais E cel que mais adui, Cum qu[e]vs pot
de rautrui, Sera plus enueiatz Arch. 51,16a; 24 V: aissi
cum fod comensamens De joi menar Pe‘ls plus ries, ar lo
fan baissar, Tan paucs n’i a de coratjos De far honradas
messios MW. 1, 212 und 55 III: Ar es pres (1. pretz) de
raubar E de penre berbitz Arch. 51,7 b.
10. perdizo (= perdemen) steht nicht im Lex. rom.
13.14. It. l’un all' altro chini (Dante, Purg. 14,7) bedeutet
„beide an einander geneigt, sich an einander lehnend.“ Sollte
hier der Dichter beabsichtigt haben, sich der entsprechenden
Wendung zu bedienen und zwar in übertragenem Sinne
„einander unterstützend“? Dass ab, wie überhaupt alle
dem lat. cum in den rom. Sprachen entsprechenden Par¬
tikeln, zur Bezeichnung reciproker Verhältnisse sich ver¬
wendet findet, darüber vgl. Diez, Gramm. 3, 192.
14. Aendert man das rapis der.Hds. in tapis, so er-
giebt sich für die Verse wohl ein ähnlicher Sinn, wie der,
den 54 IV aufweist: E qui's fai de l’autrui cortes, Pos ded
seu sera sobravars, Ges no m’es vis aport razos Ca lux re-
paire guizerdos B. Ohr. 105,27. Der Dichter scheint hier
Leute, wie es deren nicht wenige gab (s. Diez, Poesie 48),
im Sinne zu haben, welche sich die Mittel für ihre Frei¬
gebigkeit auf unrechtmässige Weise erwarben.
15. trufardia steht nicht im Lex. rom.; es gehört zu
dem Adj. trufart, Gir. de Ross. ed. Hofmann (MW., ep.
Abtlg. I) S. 79, v. 3674, nicht trefart, wie Rayn., Lex. rom.
5,409b, 3 und Diez, Gramm. 2,386 schreiben.
16. poestaria fehlt im Lex. rom.; altit. podesteria be¬
deutet „Besitz“; s. Petrocchi, Diz. un. 2, 547b u. —
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Herr Prof. Tobler setzt neben v. 13—16 ein Fragezeichen.
17. „statt haben“ ist in der Regel aver luec , jedoch
wäre luecs auch möglich. — An Stelle des handschriftlichen
pro pendre vermutet Herr Prof. Tobler aprendre.
18. Vielleicht wäre besser zu lesen Qui gen dizi'e son
escrit. — Gemeint ist wohl Apostelgesch. 20,35.
20. vendre in der Bdtg. „sich entgelten lassen“ findet
sich auch 48 Vn Que lasse Ma ben uendut So qu'ieu li
pleuira Arch. 33,325a und B. Chr. 390,13 Mais pueis nos
ho a car uendut, sowie in den Lex. rom. 5, 484b citierten
Sätzen, Rom. de Jaufre, fol. 52 ie* l car vendrai Verguel und
Philomena crusselhement ho car vmdrei.
21. no coselh demandar. Coselhar scheint hier den
blossen Inf. zu regieren wie das span, aconsejar (s. Wiggers,
Sp. Gr. 2 S. 254), wenn man nicht de a;ch xoiroi sein lassen
will, wie Tobler, Verm. Beitr. 1,187 Anm. es in Bezug auf
a für möglich hält in dem Satze Nulsne nule ne tent ammder
(= a amender) son afaire . — Oder sollte no coselh de mandar
jutgador zu lesen sein, indem man übersetzte „ich rate nicht,
einen Richter zu entbieten“ und ergänzte „um ihn zu be¬
fragen“? —Von der Einholungeinesschiedsrichterlichen Urteils
ist auch in 42 VII die Rede: Eros demandatz Midonz de
Narbona De drut que randona Ni s fax trop cochatz , Qand
Vaue Cuna uetz rete D'amor cal que iauzimen , S'il non en
pert plus de cen Arch. 33,317 a, 98.
23. 24. Ist der Inf. Subj. des Satzes und nicht vom
Artikel begleitet, so braucht er nicht substantiviert zu
werden, kann also flexionslos bleiben, s. Stimming zu BBorn
2,19. Da überdies in v. 24 der flexionslose Inf. prendre im
Reime steht, so bringe ich auch in v. 23 diese Form zur Ver¬
wendung; der nunmehr entstehende Hiatus erscheint nach
Pleines, Hiat und Elision im Prov., Marburg 1885 S. 43
auch sonst (Guir. Riq. 46,3 per penre hoxinmens; 66,5 penre
anava pessius; 54,7 apenre assatz) gesichert. — Das hand¬
schriftliche prender in v. 23 ist wohl von dem span. Kopisten
9 *
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fälschlich eingeftlhrt worden. — Zur Sache sei Guiraut 54II
erwähnt: si donars non fos, Ja non saubr’ om qui's forapros
BChr. 105,13.
25. son scheint der Kopist statt des paläographisch
ähnlichen lor verlesen zu haben.
26. Nach QU heisst es in 45 VII lo ser nvl mati No
pot re meillurar Rom. Stud. 2,415.
27. Statt pogran vermutet Herr Prof. Tobler die
Futurform poyran. — mi findet sich bei Guiraut sonst nicht
im Reime, wird aber da auch von BBorn neben- me ver¬
wendet.
28. Vielleicht ist wegen des car in v. 29 hier besser
que am Platze.
30. quell habe ich in quen ändern zu müssen ge¬
glaubt. — garentia, das in v. 24 „Bürgschaft, Zeugnis“ be¬
deutet, ist hier = „Schutz“.
31. In cuis meinte ich diejenige Form zu erkennen,
welche nach Diez, Gramm. 2,83 aus lat. cuius hätte entstehen
sollen. Nach Herrn Prof. Tobler ist diese jedoch nicht anzu¬
nehmen; das s könne nur da sich finden, wo das regierendes übst,
ein Flexions-s hat, etwa wie bei lors. In der That verwendet
Guiraut auch die entsprechende Form autruis nur bei Sub¬
stantiven, welche im Plural stehen, so 78 IV de'ls autruis
dezenans Rdlr. 25,217 und-54 III quitrop cerc'autruis conres
BChr. 105,19; das „plus tard“ in B. Chr. S. 433 ist für
das von Bartsch selbst aus Guirauts Gedicht belegte autruis
unberechtigt. — Seinem Hass gegen die schlechten Vor¬
nehmen verleiht Guiraut in ähnlichen Worten wie hier in
27,75 Ausdruck: Eis ries malvatz preiatz queDieus dissenda,
Qu’ilh non amon pretz ni don ni calenda Witthöft, sirv. jogl.
S. 42. Der Dichter war selbst einmal das Opfer eines
Ueberfalls geworden, cf. 46 III: fui raubatz ogan Entre tres
reys prezatz MW. 1, 206.
32. Dieser Vers ist in der Hds. verderbt; die Kon¬
jektur rührt von Herrn Prof. Tobler her.
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35. ab felh cor mal e brau heisst es auch in Appels
Ined. 216,2 v. 25. — ab ist in den Hdss. häufig mit a ver¬
wechselt worden.
38. In der Hds. steht los statt lor\ dies stimmt, da
los für lor im Katalan. oft zur Verwendung kommt (s. Appel
zu P. Rog. 1,19, S. 72), zu der von P. Meyer in der Rom. 6,151
ausgesprochenen Vermutung, dass der Codex von Saragossa
von einem katal. Schreiber herrühre. — Immer wieder er¬
mahnt der „poeta rectitudinis“ zur Befolgung des göttlichen
Willens; in 41 V sagt er Couen, mentr' hom uxu ni dura,
Ca dien sia obediens Arch. 51,23 b, nachdem er eb. Str. I
sogar seine Kunstgenossen aufgefordert hatte, gleichfalls
ihren Liedern eine moralisierende Tendenz zu geben Et es
bes e chausimens Cusquecs chan e diga e mostra en chantan,
Qan ric guizardon n'aten Cel q’a dieu seru bonamen Arch.
51,23a, und 15 II III: Per o quant dem es obeditz, No's
tarda'l gierdos nvll gratz, Quar qui ben amu, es ben amatz ...
E doncs ben degr'esser seruitz Tant francs seingners e taut
honratz MG. 832.
41. de bo cor ses efansa soll wohl bedeuten „mit ernst¬
gemeinter Bereitwilligkeit“; zur Erklärung des ses efansa
könnten vielleicht Guirauts eigene Worte in 56 V dienen*.
Si tot si toma ira e tenssars Saber en sen d'enfanssa Arch.
33,328 a.
42—43. anheus und ors sind wie hier und in der zu
III 19 citierten Stelle 20 V auch in 60 IV im Gleichnis
verwendet: Dompn\ aissicum us paucs aigneus Non a forssa
contra un ors, Sui ieu , ses (1. si) las uostras ualors Non ai,
e plus flacs q'us rauseus Arch. 51,19 b.
44. Die Besserung des da un der Hds. in d’aver ist
von Herrn Prof. Tobler eingeführt.
45. Von der Vergeltung im Jenseits ist auch in 41IV
die Rede: Anz n’ auran Segon so que seruiran, Li bon ben
e'il mal tormen Senes fin durablamen Arch. 51,23b, ferner
in 75 IH anc nulhs rix malvatz Non fon per Dieu salvatz
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Rdlr. 25, 214 und in 241 E chascus ponhe, ab plans esfortz,
Qu’elh (1. Qu'eri) sia lauzatz e grazitz Tant adreg(s) guitz,
Cui terr'e mars e plun e vens Serv e sap esser obediens;
Equvl ten car, Benpot esser fis qiicvl paguar Venra eentismes
gazardos; Ja'l servizis non er tan bos MW. 1,211.
46. vSeine jetzige Gestalt verdankt der Vers Herrn
Prof. Tobler.
47. nomansa fehlt im Lex. rom., findet sich aber in
Basteros Crusca (im Wörterverzeichnis 1,146 fl.) in derBedtg.
von lat. nomen, fama aufgeführt und entspricht dem it.
nomanza (f. nominanza) = Name, Ruf.
48. In 47 H III bespricht Guiraut den umgekehrten
Fall, dass nämlich einem guten Vater auch ein schlechter
Sohn beschieden sein könne: E svl pair fo lauzatz El fills
se fai maluatz , Mi par tortz e pechatz Caia las heretatz .
Doncs cals dreitz o acuoill Que l fills aia atretan De renda
e % l pretz soan 1 , Ni cals razos adui Que mieills rwis taigna
autrui? Arch. 33,314a.
49. In 46 X heisst es: Seigner f li dui Bertran Sai
ben qe uos diran Qe m us etz mal conseillatz y Si de chan uos
laissatz Arch. 51,13b und in 58 VI: Vus de'ls Bertrans Non
es tant ferms ni tant ben enseignatz y Caz aitals paz non fos
totz issarratz Arch. 33,320a. Ob einer von diesen Bertrans
(vgl. S. 49, Anm. 2) hier gemeint sei, ist nicht nachzu¬
weisen.
50. ab , das nach dem Gloss. occ. „avec, auprös, en
comparaison“ bedeutet, ist hier „im Vergleich zu“. Wie hier
gan , so verwendet Guiraut als Ausdrücke hyperbolischer
Verkleinerung in 57 \'II una mora , in 20 III us ous und in
41 V dos aguilens .
51. qui ist hier wie in den von Tobler ZfrP. 4,160 ge¬
gebenen Beispielen in causalem Sinne verwendet.
52. Der Hiatus wäre zu meiden, wenn man e'l tenhatz
e membransa lesen wollte.
1 Das von Bartsch, Dkm. 329 zu 137,9 ff. ungedeutet gelassene
Reimwort soneira wöxe also in soan zu bessern.
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Lexikalisches.
Ab im Vergleich zu VI 50.
abrandar intr. entbrennen I 7.
alhor anderswohin; hg. zu einer
anderen IV 22.
Blandir wohlwollend entgegen-
kommen I 11.
Chabals herrlich II 60.
chaptals Gewinn, Vorteil II 28.
clts im übertrag. Sinne geneigt?
eser dis ab unterstützen? VI 13.
comtals gräflich, dem Grafen ge¬
hörig II 66.
coselhar raten, mit blossem Inf.^?)
VI 21.
Deisazeqar (transit.) zergliedern,
eingehend besprechen II 41.
denhtatz Kostbarkeit, Leckerbissen,
„Futter für Kenner“ (T.) II 33.
Esmansa Schätzung V 8; d’un’e.
gleich sehr(?).
Fadia vergebl. Harren, falsche Er¬
wartung, Enttäuschung V 41.
fraire s. m., plur. Geschwister,
Gefährten; gleich V 27.
fuir m. Inf. vermeiden V 42.
Galiatz s.(?) Trug, Betrug, Täuschung
IV 34.
garandar (transit.) verbürgen I 10.
garentia Bürgschaft, Zeugnis VI 24;
Schutz VI 30.
Mals s.;prendre mal Schaden nehmen
III 33.
mandazos Auftrag VT 2.
mas conj. da, weil I 20 (S. 106).
mazarnt Unruhe, Belästigung II 24.
mentxr die Treue brechen I 34.
metre verursachen II 55.
Nomansa Name, Ruf VI 47.
Oratz s. Wunsch; com per orat wie
es sich gehört IV14.
Velar gänzlich enthaaren I 28.
perdizo8 Verderbnis VI 10.
pesaire im adj. Sinne: bekümmert
IV 20.
poestaria Besitz VT 16.
posansa Macht V 35, VT 33.
preisar bedrängen S. 19, Z. 26 u. Anm.
preons tief, unergründlich, schwierig
I 25.
Reblandir sich jem. wieder geneigt
machen wollen JT 51.
Si tot obgleich, mit dem Konj. V 16.
Trufardia Betrügerei VI 16.
Valer mit a taugen zu III14.
venasals (?) = vils II 13.
vendre sich entgelten lassen VT 20.
virar lo vermelh de Vescut {a) feind
sein II 50.
viutatz Wohlfeilheit, Billigkeit, All¬
täglichkeit II 32.
Namenregister.
Aamilval(?) 92.
Ademar V. v. Limoges 55.
Agoult 46 u.
Aimeric v. Pegulhan 7 1 .
Alamanda 18 ff., 28/9, 34 ff., 77, 94,
104, 132.
Alexander III., Papst 50.
Alfons I., Kg. v. Aragon 54,66 l .
Alfons II., Kg. v. Aragon , 27, 46 u.,
49, 50, 54 ff, 60, 60, 61, 116.
Alfons I., Graf v . Provence 56 l .
Alfons VIII., Kg. v. Castilten 56.
Aragon 57, 58, 61, 127 K
Arle 127.
Arnaut Daniel 6, 7, 13.
Ara&ut v. Marsan 23.
Arnaut v. Maruelh 121.
Arnaut Plagues 35.
At (oder Nat) de Mons 133,145.
Audiart 46.
Augier 117.
Aurenga 46 1 ,145.
Baux 46, 49, 50, 60.
Belcaire 127.
Bellebuissonne 46.
Bels Senher 25.
Berenger 109.
Berenguera 79, 95, 109.
Bernart A moros 6 4 , 7, 8.
Bernart Jourdain 23.
Bernart v. Ventadorn 114, 115.
Berneth 24.
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140
Bertran 49 2 , 93, 138.
Bcrtran de Baux I. 49 2 .
Bertran v. Born 5, 29, 35, 39, 57 1 ,
58, 60, 62, 116, 126, 135, 136.
Bertran Carbonei 128.
Bertran v. Lamanon 69.
Blacatz 66.
Bonifaci Calvo 7 l .
Bonifaz (I.) v. Monferrat 12.
Bornelh (Bourneix) 112.
Cher 119.
Courteson 50.
Delphin v. Alvernhe 61, 113, 117.
Dordogne 73 l .
Douce, Gräfin v. Urgel 63 1 .
Ebles de Saignes 61.
Engles 46.
Ermengaud VII., Graf v. Urgel , 63 l .
Escaruenha 12, 22, 23, 25 ff.
Esiduelh 38 l , 112.
Esquiu de Menerba 12.
Estanc 18. 20, 22, 25, 26, 29.
Fis Jois Naturais 115.
Flors de Lis 22, 25.
Foix 119.
Friedrich 71.
Gaucelm Faidit 38, 45, 46 u., 66.
Gasconha 18, 20, 23.
Gavaudan 60.
Girart de Rossilhon 134.
Gui 35.
Gui y. Limoges 28.
Guillaurae d’Omelas 48.
Guilhem Augier 12, 13.
Guilhem v. Baux 46.
Guilhem v. Berguedan 35.
Guilhem v. Cerveira 113.
Guilhem v. Menerba 12.
Guilhem v. Mur 15 2 , 69.
Guilhem v. S. Didier 49 2 .
Guilhem v. S. Gregori 66.
Guiraut 49.
Guiraut v. Cabrera 61.
Guiraut Riquier 15 2 , 69, 135.
Heinrich II., Kg. v. England 50.
Hermentöre, Mönch 58.
Hugo Marschall 49 2 .
Hygnaure 51.
Ignaure 45*, 145.
Isle-Jourdain 23, 29.
Jacob I., Kg, v. Aragon 57.
Jaufre 135.
Jaufre de Bretanha 36 l
Joios 127 1 .
Jois(?) 23, 25.
Jourdain 23.
Laucata 49.
Lers 46.
Linhaure (—Raimbaut v. Aurenga)
39, 44, 84ff., 96 ff., 114, 116, 145.
Marsal 50, 86, 98, 116.
Menerba (Minerve) 12, 13.
Montaudon, d. Mönch v. 36 1 , 55, 116.
Moruello (I.) 12.
Narbona, Midonz de (Ermengard
1143—1192) 135.
Nat (oder At)deMons 133 (Nato 145).
Navarra 57 1 .
Olivier 48.
Orange 46, 49 2 .
Ot de Moneada 35.
Paulus 92, 102.
Peire II., Kg. v. Aragon 54 ff.
Peire III., Kg. v. Aragon 54.
Peire v. Alvernhe 6, 13, 24, 47,
60, 63.
Peire Bremon 35.
Peire Cardenal 39, 129.
Peire Rogier 48, 60, 115.
Peire Vidal 12, 57 1 , 59, 61.
Perigord 5, 64.
Perpignan 49. 60.
Perrin(?) 127 1 .
Philomena 135.
Pons v. Capduelh 121.
Pons Santeuil v. Toulouse 118.
Provence 46, 49 2 , 50, 58, 60, 62,116.
uer, Quier 58, 88, 100, 119.
aimbaut v. Aurenga 44 ff., 60, 63 1 ,
114, 115, 116.
Raimbaut v. Vaqueiras 7 l , 46, 66,
119.
Raimon v. Agot 45.
Raimon Bernart de Rovigna 27 1 .
Raimon Jordan 129.
Raimon v. Miraval 12, 46.
Raimon-Roger 120.
Raimon V. v. Toulouse 50.
Raimon VI. v. Toulouse 46.
Raimon Vidal 23, 38, 73 8 .
Ralmens Bistors 127.
Rambertin v. Bovavel(?) 66.
Rassa 36 1 .
Renart 109.
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141
Richard Löwenherz 27, 55, 109.
Riqueira 79, Var. zu I 36.
Robert I., Delphin v. Alvemhe 61.
Roger 119.
Roger-Bernart 119.
Saignes 61.
San Honorat, Kloster 58.
San Marsal 50, 86, 98, 116.
Sancho d. Weise, Kg.v. Navarra 57 l .
Sancho d. Starke, Kg. v. Navarra ,
57 l , 109.
Segurs 25.
Senher 25.
Serveri v. Gerona 9 l
Sobretotz 27 1 ,
Solatz de Quer 53, 58, 88,100,119.
Sordel 7 l , 69.
Spanien 57, 60.
Ti bürge 49 2 .
Tomier 39.
Topina 120.
Topiner 53, 88, 100, 120.
Uc Catola 129.
Uc v. Sau Circ 35, 66, 125.
Urgel 63 1 .
Wilhelm IV. v. Orange 46 u.
Rimarium.
zu Ged. 1—YII (S. 77-93 u. 132- 133).
aire: retraire veiaire maire pesaire desfaire faire aire empe-
raire IV; malfaire amaire fraire paire guizardonaire aire afaire V.
al: comunal egal venasal mal (bis) chal val cal chaptal sal atretal
sesal natural escoral desleial comtal Marsal nadal reial chabal II.
an: blasman semblan talan aitan tan gran afan (bis) mazan enan
espan contrarian resplan parlan reblan coman II; talan an tan (bis)
coronan(?) gan VI.
anda: Alamanda demanda truanda comanda desmanda abranda
ran da garanda blanda espanda landa manda I.
ansa: desmezuransa esmansa pesansa benanansa malanansa dansa
amansa posansa setnblansa enansa fiansa esperansa V; posansa venjansa
onransa bombansa efansa pesansa nomansa egansa doptansa membransa VI.
at: grat malmenat donat orat volontat trobat meitat galiat IV.
atz: coselhatz iratz crezatz amatz lauzatz chabdelatz eserchatz
cochatz chalatz donatz diatz patz pesatz descobratz preiatz mesclatz
afiatz tolhatz I; diatz prezatz (bis) amatz fatz lauzatz trobatz platz viutatz
denhtatz levatz enraumatz natz trobatz pesatz outracudatz II; diatz
paiatz privatz (bis) senatz comandatz renhatz paubretatz IV.
eis: reis mezeis pareis genseis domneis depeis III.
elh: Bornelh corelh trepelh velh aparelh coselh solelh vermelh II.
en: franchamen argen jauzimen pren enten finaraen prezen cen III;
umilmen drechamen talen repren seguramen sofren torroen cosen aper-
tamen descreisen V; maltalen repren serpen vestimen ven nien folamen
gen (ter) ardimen soven aten (bis) pren malamen corren mantenen len
defen planamen malvolen monumen breumen VII.
endre : aprendre vendre rendre prendre defendre escoisendre fendre
entendre(?) VL
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er: lezer ver saber tener valer aver temer poder esper jazer con-
querer retener III.
er: chavaler guerrer vertader dener mester sobranser sobrer reprover
premer sobreleuger er lauzenger Quer Topiner leuger parer III; lauzenger
fer verger cosirer VI.
era: parlera primera sofera nesera fera Berenguera mera leugera
enquera manera derera ofera I.
i: aisi vezi mati mi VI.
ia: dia trobaria companbia volria fadia V; dia (bis) senhoria bauzia
cortezia manentia trufardia poestaria VI.
%r; falhir enardir sofrir tir dir languir (bis) trasalbir albir fuir
servir jauzir V.
ire: dire sofrire servire martire jauzire V.
1 s: servis auzis plevis vis quis fis faitis(?) abelis IV; vezis devis
clis(?)tapis(?) VI.
o: mandazo baro perdizo bando VI.
ona: sermona ochaizona empreizona felona (bis) perdona tensona
razona meisona persona abandona (bis) dona guizardona bona esperona
bretona desazona corona (bis) nona opona sona trona VII.
onda: gronda blonda aonda segonda cofonda onda preonda responda
jauzionda tonda dezironda resconda I.
or: amor onor folor ricor emperador amador senhor valor (bis)
entendedor maior galiador III; Amor lauzor secor onor temor alhor ricor
emperador IV; jutjador lauzor sordeior lor VI.
uda: aiuda covenguda aguda muda druda perduda volguda irascuda
saubuda nuda vencuda mantenguda crezuda renduda I.
Verzeichnis der Citate aus den übrigen Werken Guirants.
Ged. 1 Str. III S. 69; IV 30,69; V 30,70; VII 119. 2 1 130;
II 104; III 121; IV 30,121; V 121,127; VI 67; VII 123. 8 I 128
II 128. 4 1 114; 1132; III 108; IV 104; VI 133; VII 23. 5 II 24,113;
V 27; VI 24; VII 36; VIII 27. 6 IV 129; IX 66. 7 I 42; II 131;
VI 32,123. 8 I 128; II 124; III124; VI 126. 9 I 70; in 111; V 106.
10 VII 41. 11 I 43; II 43,47; III 43; V 26. 12 IV 30; V 30; VI 111.
18 I 22: n 22,126; IV 26. 15 II 137; III 137; VII 66. 16 I 42;
III 124; V 127; VI 131. 17 II 24,116; 111 33; V 124,126; VI 80;
Vin 46.181114; VIII127. 19 III 122 ; IV 134. 20 III 138; V 118 ;VI 22 .
24 1138; V 134. 25 III 30; IV 122; V 107; VI131; VII 111; 1X129;
27 IX 136. 28 II 27,125; VI 27. 29 IV 32; VI 32; VII 32. 81 1124;
n 124; IV 26; V 104; VI 27. 82 I 112; II 122. 88 HI 108; IV 70;
V 31,129 . 84 I 123; IV 110; V 119. 85 I 26; II 32; UI 108,116;
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143
Y 37; VI 25; VII 49*. 86 II 32,106; V 118. 87 IV 33; VI 106.
39 I 35; III 122; VI 124. 40 IV 31,119; V 31; VI 35. 41 I 137;
V 137 (bis), 138. 42 I 122 ; II42; III 42/3,120; IV 31; VII 135; IX 131
48 I 104; II 63«; III 124; V 63«,110; VI 63«; VII 63«. 44 I 62«
III 22,26,62«; IV 33; 1X 22,23. 45 I 97»,113; VII 136. 46 III 136;
* V31: X 49 2 ,138. 47 II 138; III 138; IV 127; V 27,116. 48 I 108;
II 127; IV 128; VI 111; VII 108,135. 49 I 62; II 37; III 37; IV 6«.
51 III 32; M 41; IX 41. 58 IV 30. 54 I 105; II 136; III 136;
IV 134. 55 I 28,66; III 134; VIII 28; IX 55. 56 V 137. 57 III 122;
IV 122; V 122; VII 13,138; VIII121. 58 IV 109; V 106; VI 49»,138;
VII 116. 59 I 29,123; V 29; VI 33,107; VII 33. 60 II121; III 30,107;
IV 130.137; Vlll. 62 II 131; III 6»,121. 68 III 122; IV 109. 64 VII123;
65 I 120; II 51; IV 126; V 48/9; VI 48/60; VII 48,51; VIII 48; X 60.
66 III 42; IV 30; V 126; IX 61«. 67 IV 107; V 36»; VII 57».
68 III 122. 70 I 114; III 57; V 32; VI 7,104,121. 71 II 106; V 26.
72 I 70,128; VI 42; IX 116. 78 I 105; II 134; III 128. 74. 1 119;
m 113. 75 III 137; V 125. 76 I 131; III 106. 78 III 123; IV 136;
79 I 42,57/8,127; II 57; UI 31. 80 IV 13; V 109; VIII 116. 81 II 70;
UI 124; IV 70. _
Erklärung der Titelabk&rzungen.
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BBorn 2 : Bertran von Born herausg. v. A. Stimming, Roman. Bibi. VIII,
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ZfrP.: Zeitschrift f. rom. Philologie herausg. v. Gröber, Halle seit 1877.
Nachträge und Berichtigungen.
Zu S. 11. Die jetzt in Paris bei Lamirault et Cie erscheinende
grande encyclopddie enthält (Bd. 7, S. 432), worauf mich Herr Dr. Naetebus
gütigst hinweist, über G ui raut von Bornelh einen Artikel von A. Thomas,
nach welchem Guirauts Alba schon genügen würde „a mettre son auteur
höre de pair“. — Zu S. 18. Die Biogr. und die razos sind nach Chabaneaus
Biogr. des troub. auch in Monacis Testi ant. prov. S. 55 abgedruckt. —
Zu 8. 45 l . Betreffs der Etymol. von Aurenga vgl. man jetzt 0. Schultz
ZfrP. 1894 S. 425. — Der Name Ignaure (dies teilt mir Herr Prof.
Freymond in Bern freundlichst mit) kommt ferner in Crestiiens
Rom. du chev. de la charr. v. 5788 vor; 0. Schultz ZfrP. 1894 S. 126
nimmt ebenfalls an, Lignaure „ist = ursprgl. n'lgnaure , dessen Etymol.
selbst freilich nicht auf der Hand liegt“. — Zu S. 83. Ged. II wird sich
auch (ebenso wie I u. 242, 46. 60. 64. 65. 80) in Appels Prov. Chrest.
finden: — Zu S. 133*. Seinen Artikel über nAt oder Nat ergänzend,
schreibt mir Herr Dr. Oscar Schultz: „Im Cartulaire de l’ögl. cath^dr.
Notre Dame de Nimes ed. Germer-Durand erscheint S. 22 in einer Ur¬
kunde von 909 als Archidiakonus Nato und derselbe auf S. 85 ebenfalls
1 Die 2. Reihe ist vor kurzem erschienen, die 3. Reihe nimmt
soeben in der ZfrP. 18,402 ihren Anfang.
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Nato genannt, auf S. 33 z. J. 921 Natone (wahrscheinlich derselbe).* —
S. 5, Z. 3 oberhalb der Anm. lies „Grundriss“ 1 ; 9, 6 v. u.: manuscrits;
25,6 : 43 IV bez. V; eb. streiche 79 III; 33,11 lies c’a m$; 35,5 v. u.:
Berguedan; 55,12: Sirv. 55 (statt Sirv. 52); 66,7 v. u.: Arch. 35, 100a
(statt Arch. 35, 101a); 73, Abschn. IL, Z. 1 tilge 1.; 90, Z. 1 (v. 33)
lies Qu’en (statt Q’en); 108,16 Out sui (statt Cuisui); 108,6 v. u.: per
que (statt perque); 119, Z. 4 der Anm. 41: Accus, (statt Nom.); 132,16:
Petrocchi (statt Petrochi).
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Inhalt.
Seite
Vorbemerkung. 6—10
Einleitendes. 10—15
Zur Biographie des Guiraut von Bornelh 10. Guirauts
poetischer Nachlass 11. Die Dichtgattungen 14.
Die 6 zu edierenden Gedichte
1. Die 3 Tenzonen. 15—63
I. (242,69). Dichter und Zofe: a) Inhalt 16. b) Das
Liebesverhältnis des Dichters 17. c) Dichtgattung und
Autorschaft 33. d) Metrisches 38.
1L (242,14=287,1). Die dunkle Manier, a) Inhalt 39.
b) Das trobar clus u. die Veranlassung zu d. Gedichte41.
c) Dichtgattung u. Autorschaft 43. d) Metrisches 52.
IH. (242,22=324,1). Der König als Liebhaber: a) Inhalt 52.
b) Dichtgattung und Autorschaft 53. c) Metrisches 59.
Datierung der 3 Tenzonen 60.
2. Die 3 bisher unbekannten Gedichte. 63—71
IV. (Si ja d’Amor). Ersehntes Liebesglück: a) Inhalt 65,
b) Metrisches 65.
V. (Bedeuom). Amors Schuld: a) Inhalt 67, b) Metrisches 67.
VI. (No*s pot sofrir ma lenga). Die Schlechtigkeit der Welt:
a) Inhalt 67, b) Metrisches 68.
Datierung der 3 bisher unbekannten Gedichte 69.
Zur Orthographie. 71—74
Text der 6 Gedichte I 77, II83, III 86. IV 88, V 90, VI92. 74—93
Uebersetzung I 94, 13 96, III 98, IV 100, V 101, VI 102. 94—103
Anmerkungen I 104, II112, III 116, IV 120, V 127,
VI (mit Ged. VII=242,77) 132 . 104—138
Lexikalisches.. . 139
Namenregister. 139—141
Rimarium . . ... 141—142
Verzeichnis der Citate aus den übrigen Werken Guirauts 142—143
Erklärung der Titelabkürzungen. 143—145
Nachträge und Berichtigungen. 145—146
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Diese Arbeit hat als Promotionsschrift der hohen Philosophischen
Fakultät der Kgl. Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin Vorgelegen. Thr
erster Teil (bis zur Seite 63) ist bereits im Mai d. J. als „Dissertation“ im Drucke
erschienen. Denjenigen Herren Gelehrten, welche mir inzwischen verschiedene
einschlägige Mitteilungen gemacht, mir flir eine eventuelle Fortführung des
Werkes handschriftliches Material bereits übersandt oder ihre Unterstützung
bereitwilligst in Aussicht gestellt haben, besonders den Herren C. Appel —
Bresldn, C. Frati — Modena, E. Freymond-Bern, O. Hecker—Florenz,
E. Le vy — Freiburg i. B., W. Mey er-Lübke —Wien, G. Naetebus ^ Halle,
O. Schultz —Berlin und R. Zenker—Würzbarg sage ich für die mir damit
bewiesene Freundlichkeit aufrichtigen Dank.
Berlin, den 24. Juli 1804.
A. K.
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